Sonntag, 24. Januar 2016

Rezension: Der Lavendelgarten - Lucinda Riley

© Random House

Meine Bewertung ★★★


SHORT FACTS

Titel: Der Lavendelgarten
Autor: Lucinda Riley
Verlag: Goldmann 2013
Seiten: 528
ISBN: 9783442477975

 

Der letzte Spross

Emilies Mutter ist tot. Sie ist gestorben und Emilie kann kaum Trauer empfinden, denn sie wurde ein Leben lang von ihrer glamourösen Mutter ignoriert. Nun muss sich Emilie mit dem Vermächtnis ihrer adeligen Familie auseinandersetzen und es werden ihr bisher unausgesprochene Familiengeheimnisse offenbart.

Emilie ist die letzte de la Martinière. Sie ist der letzte Spross einer französischen Aristokratenfamilie und war immer um ein normales Leben bemüht, in dem sie ihre Herkunft verschleierte. Doch jetzt muss sie sich der Pariser Wohnung, dem Château in der Provence und der Büchersammlung ihres Vaters stellen, und taucht dabei unvermutet in ihre Familiengeschichte ein.

Diese Geschichte trägt ein Geheimnis in sich, das ihr Leben auf den Kopf stellt und wodurch ihr die Vergangenheit die Zukunft weist.

Emilie war mir anfangs sehr unsympathisch. Sie war naiv, unbeholfen und ich habe mich ernsthaft gefragt, wie es sein kann, dass eine Frau von Anfang 30 es nicht schafft, Verantwortung für ihre Entscheidungen zu übernehmen und gleichzeitig trotzdem mit beiden Beinen im Leben steht. Allerdings ist Emilie während der Geschehnisse gereift und hat sich zu einer starken Persönlichkeit entwickelt, mit der ich zu guter Letzt doch noch sympathisieren konnte.

Die Handlung ist in bekannter Riley-Manier in zwei Erzählstränge gegliedert.

Einerseits erlebt man Emilies Geschichte in der Gegenwart, die mir richtig gut gefallen hat und sehr spannend gestaltet ist. Ständig fragt man sich, wer hier welche Spielchen treibt und durch Emilies anfänglicher Naivität, spitzen sich einige Situationen zu, die mich beim Lesen richtig gepackt haben.

Andrerseits begegnet man der Engländerin Constance in der Vergangenheit. Dieser zweite Handlungsstrang ist während des 2. Weltkriegs in Frankreich angesiedelt und entführt in die Wirren unter der Naziherrschaft, lässt hinter die Kulissen der Resistance blicken und ist geschickt mit der Familie de la Martinière verwoben, sodass die Ereignisse von damals tatsächlich Emilies Zukunft prägen.

Tragende Thematik ist neben dem Schicksal dieser Familie die Lebenssituation von Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen, was mir auch gut gefallen hat. Die Autorin zeigt, wie sehr man dazu neigt, andere zu bevormunden, weil sie körperlich nicht der Norm entsprechen, und dass sogar, obwohl diese Einmischungen weder notwendig noch gewünscht sind.

Im letzten Abschnitt ist es mir dann etwas zu schnell gegangen. Der Bogen zwischen Vergangenheit und Gegenwart wurde Schlag auf Schlag gespannt, dafür wurde ich aber mit einem Wohlfühlende belohnt, mit dem ich so - zumindest teilweise - nicht gerechnet hätte.

Insgesamt ist es eine wunderbare Familiengeschichte aus Rileys Feder. Vergangenheit und Gegenwart gehen eine zukunftsweisende Melange ein, die undurchschaubaren Verstrickungen treiben die Spannung an und zu guter Letzt bleibt der Leser - trotz schauriger Offenbarungen - mit einem zufriedenen Lächeln zurück. 


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Kommentare:

  1. Ich glaube, das setze ich mir gleich mal auf meine Wunschliste. Im Grunde genommen bin ich zwar immer noch skeptisch, was die Bücher von Riley angeht, weil ich "Der Engelsbaum" zwar gut, aber jetzt auch nicht gerade überragend fand, aber dieses hört sich schon alleine aus dem Grund gut an, weil es auch noch etwas mit dem zweiten Weltkrieg zutun hat. Dadurch dass wir dieses Thema in der Schule nie wirklich durchgenommen haben, sauge ich alles mögliche auf, was es darüber zu erfahren gibt. Dabei ist es mir egal, ob fiktiv, oder real. Ja, ich denke ich schaue mal, ob der Mops "Der Lavendelgarten" gerade da hat. :)

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    1. Also, als überragend würde ich kein Buch von Riley bezeichnen, denn bisher habe ich kein einziges Mal 5 Sterne gegeben. Aber ich mag es total, wie man in ihren Familiengeschichten versinken kann und außerdem zeigt sie, wie sich die Vergangenheit auf unsere Gegenwart auswirkt - das gefällt mir!

      Dieses Buch ist auf jeden Fall sehr spannend und hier mochte ich auch den Gegenwartsstrang total gern.

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