Sonntag, 29. Mai 2016

Rezension: Die Quelle - Catherine Chanter

© Argon Verlag
Die Quelle
| Catherine Chanter |

Verlag: Argon Verlag 2015
Dauer: 7 h : 48 min 
ISBN: 9783839813867
Sprecher: Gabriele Blum

MEINE BEWERTUNG

 ★★ - 


Ausgedörrt.

In England hält bereits jahrelang eine Dürre an. Nur auf Ruth und Marks Grundstück regnet es weiterhin. Zwar haben sie damit großes Glück, allerdings ziehen sie dadurch nicht nur Neider sondern auch andere gefährliche Menschen an.

Ruth und Mark wollten am Land neu anfangen. Sie sind von der Großstadt London in die Provinz gezogen und möchten ein ruhiges Leben auf ihrem Grundstück führen.

Vom Klappentext her habe ich eine Dystopie erwartet, aber mit diesem Genre hat die Erzählung meiner Ansicht nach nur wenig zutun. Eher würde ich sie als einen Roman der Gegenwartsliteratur einordnen, der sich - meiner Vermutung nach - philosophischen Fragen stellt.


Die Geschichte wird von Ruth in der Ich-Perspektive erzählt. Ruth ist verheiratet, hat eine erwachsene Tochter und einen Enkelsohn, den sie fast abgöttisch liebt. Im Rückblick erfährt man, wie sich aus dem Neuanfang am Land Ruths persönliche Hölle entwickelt, die vor allem ihre Familie betrifft.


Die bereits erwähnte Dürre kommt nur am Rande vor. Sie ist zwar die treibende Kraft für die Ereignisse in Ruths Leben, steht aber nicht im Mittelpunkt der Erzählung. Es geht in erster Linie um ihre Ehe, ihren Ehemann und ihre Familie. An dieser Stelle muss ich gleich anmerken, dass mir die Handlung gar nicht gefallen hat.


Ruth sinniert, wie ihr Grundstück, „Die Quelle“ genannt, Einfluss auf ihr Leben nahm. Es kommt zwar zu dramatischen Ereignissen, die sind jedoch in derart belanglosen und manchmal unzusammenhängenden Stil erzählt, dass es mich großteils gelangweilt hat.


Viele Fäden werden aufgegriffen, allerdings nur selten in ein rundes Gesamtbild geschnürt. Meistens bleiben Motive im Hintergrund, Fragen ungeklärt und wenn doch mal näher auf Hintergründe eingegangen wird, dann ist schnell „Die Quelle“ als Ursache des Übels parat.


Ich weiß nicht so recht, was ich mit dieser Erzählung anfangen soll. Zu Beginn war ich von dem ungewöhnlichen Thema richtig fasziniert, aber als es dann in Richtung Religiosität und Selbstfindung abgedriftet ist und sich Ruth immer mehr selbst leid getan hat, ist mein Interesse drastisch abgeflaut. 


Im Grunde hätte ich gerne viel mehr über die Dürre in England erfahren, die Auswirkungen auf die Bevölkerung und warum „Die Quelle“ als eines von wenigen Grundstücken nicht betroffen ist. Hier werden von der Regierung zwar Experimente durchgeführt, diese verkommen jedoch zur Randnotiz, weil Ruths Innenleben in den Vordergrund drängt.


Es gibt aber nicht nur die Dürre, sondern auch einen Mord, Intrigen und Verrat, was sich in meiner Rezension wahrscheinlich dramatischer lesen wird, als es tatsächlich im Buch umgesetzt ist. 


Leider hat mir Catherine Chanters „Die Quelle“ nicht gefallen. Ich konnte weder mit der Handlung, dem Rahmen noch der Protagonistin warm werden. Eventuell philosophische Fragen wurden derart schwammig behandelt, dass ich keinen Mehrwert daraus ziehen kann. Meiner Meinung nach ist „Die Quelle“ ein eigenartiger Roman, der sich eher an experimentierfreudige Leser richtet, die sich für die Selbstfindung einer alternden Frau erwärmen und mit philosophischen Fragen umgehen können.

________________
MEINE BEWERTUNG
★★★★

Mehr über dieses Buch auf Amazon* erfahren:

Die Quelle - Catherine Chanter
*Affiliate-Link

Kommentare:

  1. Kurz nachdem das Buch erschienen ist, war ich sehr angetan vom Klappentext und wollte Die Quelle unbedingt lesen. Doch dann habe ich auch schon die ersten eher negativen Rezensionen gelesen und dann wieder Abstand genommen. Deine Rezension hat mich jetzt noch einmal darin bestätigt. Gerade der von dir angesprochene philosophische Aspekt ist in solch einer Geschichte eher weniger etwas für mich - sehr schade.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Pia,

      meiner Meinung nach hast du nichts versäumt. Ich weiß nicht so richtig, was dieses Buch ist, aber es wurde als "Dystopie für Erwachsene" angepriesen und hat damit leider gar nichts zutun. Dabei waren Klappentext und Aufmachung so vielversprechend!

      Liebe Grüße,
      Nicole

      Löschen
  2. Hallo Nicole,
    kurzzeitig hatte das Buch auch meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Dann hatte ich festgestellt, welch unterschiedliche Meinungen es hervorgebracht hat, was eine Unsicherheit bei mir als Dystopien-Fan ausgelöst hat. Vielleicht war es gar nicht so falsch, dies von meiner Leseliste zu streichen.
    Danke für deine offene Rezension.
    Liebste Grüße, Hibi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Hibi,

      nein, ich denke, da hast du keinen Fehler gemacht. Meinem Empfinden nach ist es einfach keine Dystopie sondern eher ein Gegenwartsroman, der sich mit der Gedankenwelt einer alternden Frau auseinandersetzt. Das war nicht meins.

      Liebe Grüße,
      Nicole

      Löschen