Samstag, 9. Mai 2026

Rezension: HEN NA E - Seltsame Bilder - Uketsu

HEN NA E - Uketsu
© Lübbe
HEN NA E - Seltsame Bilder
| Uketsu |

Verlag: Lübbe 2025
Seiten: 272
ISBN: 978-3757701161

MEINE BEWERTUNG 
- ★★★
 - 
 


Krimihandlung im eigenartigem Rätselstil

Ein rätselhafter Blogeintrag, geheimnisvolle Zeichnungen und eine Reihe unerklärlicher Todesfälle. Lose Fäden, die doch miteinander verknüpft sind. Als zwei Journalisten beginnen, dem düsteren Geheimnis auf den Grund zu gehen, geraten sie selbst in Gefahr.

„HEN NA E – Seltsame Bilder“ ist eines dieser Bücher, die mir immer wieder im Internet begegnet sind, ohne dass ich sie unbedingt lesen wollte. Die Beschreibungen waren derart speziell, dass ich nicht einordnen konnte, was mich darin erwartet. Erst als ich es zufällig in der Hand hatte und ein wenig durchgeblättert habe, war mein Interesse plötzlich da. Im Nachhinein kann ich sagen: Das Lesen war wie ein kleines Experiment.

Das Werk wird im Klappentext als psychologischer Horror bezeichnet, was bei mir ehrlich gesagt nicht ganz angekommen ist. Für mich war es vielmehr ein Kriminalroman, allerdings einer, der sich eines sehr ungewöhnlichen Erzählstils bedient.

Die Handlung ist in vier Abschnitte gegliedert, wobei man die ersten drei fast als eigenständige Erzählungen betrachten kann, bevor im Abschlusskapitel alles zusammenläuft. Im ersten Teil „Die Frau im Wind“ stößt der Student Shūhei Sasaki auf einen Blog, der ihn nicht mehr loslässt. Ein scheinbar harmloser Einblick in das Leben eines jungen Mannes, der von seiner Familie erzählt. Dann kippt die Stimmung, und am Ende bleiben nur noch seltsame Zeichnungen übrig. Die Illustrationen haben mich jedenfalls gepackt. Sie wirken unscheinbar und gleichzeitig steckt so viel darin, dass man automatisch beginnt, genauer hinzusehen.

In den nächsten beiden Abschnitten rückt Shūhei Sasaki in den Hintergrund. Stattdessen begleiten wir einen Kunstlehrer und eine junge Witwe. Die Ereignisse wirken zunächst losgelöst, fast schon fremd zueinander, und doch haben sie alle eines gemeinsam: Rätsel. Mal sind es Grundrisse, mal Zeichnungen, mal kleine Details, die man leicht übersehen könnte. 

Ich habe mich mehr als einmal dabei ertappt, länger auf Seiten zu verweilen, zurückzublättern oder mir meine eigenen Gedanken zu machen. Dieses Buch lädt dazu ein, aktiv mitzudenken.

Der Zugang zu den Figuren war für mich schwierig. Ich hatte oft das Gefühl, sie bleiben auf Distanz. Das ist etwas, das mir bei asiatischer Literatur generell immer wieder auffällt. Der Erzählstil wirkt häufig sehr nüchtern, fast sachlich, teilweise sogar ein wenig wie in einem Märchen. Es wird viel beschrieben, aber die Emotionen fühle ich nicht. Wut, Trauer oder Freude bleiben eher blass. In diesem Fall hat es dem Buch überraschenderweise nicht geschadet. Der Fokus liegt so stark auf den Rätseln und der Struktur, dass die fehlende emotionale Nähe wenig ins Gewicht fällt.

Die einzelnen Hinweise, die Bilder und die speziellen Ungereimtheiten haben mich fasziniert. Auch wenn sich lange keine klaren Zusammenhänge ergeben, entwickelt sich eine interessante Lektüre, die definitiv die grauen Zellen anregt. Abschließend kommt ein Kapitel, das die bisherigen Eindrücke in einem neuen Licht darstellt.

Das Ende hat mich wirklich verblüfft. Manch schicksalhaften Wendungen und der Einsatz raffinierter Perspektivenwechsel waren sehr geschickt gemacht und haben bei mir definitiv die Gehirnzellen arbeiten lassen.

Letztendlich ist „HEN NA E – Seltsame Bilder“ ein cleveres Rätselspiel. Auch wenn die emotionale Distanz zu den Figuren gewöhnungsbedürftig ist, machen die Wendungen und die unheimlichen Illustrationen das Buch zu einem echten Erlebnis. Wenn man Lust auf literarische Experimente hat und gerne mitdenkt, sollte man sich auf jeden Fall selbst ein Bild davon machen.
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MEINE BEWERTUNG
★★★

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