Montag, 2. März 2026

Rezension: Der Boss - Iliana Xander

| Iliana Xander |

Verlag: Random House Audio 2026
Dauer: 8 h : 28 min 
ASIN: B0F79L3LM3
Sprecher: Nina Reithmeier, u.a.

 MEINE BEWERTUNG

  
★★★- 


Das gewisse Etwas fehlt

Nach einer wilden Clubnacht verschwindet Natalies Freundin Cara mit einem attraktiven Fremden und wird am nächsten Morgen im Koma aufgefunden. Während die Polizei keine Hinweise hat, erkennt Natalie den Mann auf einem Magazincover als reichen Geschäftsmann wieder und schleicht sich unter einem Vorwand in sein Haus ein. Doch je näher sie ihm kommt, desto größer wird die Bedrohung.

Ich bin wohl mit falschen Erwartungen an „Der Boss“ herangegangen. Nach „Love, Mom“, dem Debüt der Autorin, war ich mir fast sicher, dass Iliana Xander erneut eine Geschichte abliefert, die mich packt, überrascht und nicht mehr loslässt. Ihr Erstling war klug konstruiert, spannend und hatte genau die richtige Schärfe. Meine Neugier auf das neueste Werk war groß, leider auch meine Ernüchterung.

Die Ausgangslage klang jedenfalls vielversprechend. Zwei junge Frauen in New York, einst voller Träume, inzwischen im ganz normalen Großstadtstrudel gestrandet. Statt Karriere gibt es Gelegenheitsjobs, statt Aufbruch eher Stillstand. Als Cara nach einer Clubnacht ins Koma fällt, bleibt Natalie allein zurück. Sie hat Schuldgefühle, ist besorgt und zeigt den unbedingten Willen, einen Verantwortlichen zu finden. Dass die Polizei nicht weiterkommt, ist ein klassischer Thriller-Motor. Irritiert hat mich jedoch, dass Natalie sofort entschlossen ist, alles selbst in die Hand zu nehmen. Ihre Begründung, dass Reiche ohnehin immer davonkommen, blieb für mich zu dünn, um diesen Alleingang wirklich glaubhaft zu machen.

Richtig schwierig wurde es für mich, als Natalie in Geoffrey Rosenbergs Anwesen arbeitet. Die Geschichte verlangt von ihr, Regeln ständig zu hinterfragen und zu brechen. Dabei erschienen mir diese Vorgaben oft erstaunlich vernünftig. Handyverbot am Arbeitsplatz? Absolut nachvollziehbar, wenn man als reicher Mensch keine Fotos aus seinem Privatleben auf Social Media sehen will. Handschuhe für das Personal? Das klingt für mich eher nach Vorsicht als nach einem finsteren Geheimnis. Während Natalie in jeder Vorschrift gleich ein dunkles Omen wittert, saß ich da und dachte mir, dass das alles halb so wild ist.

Natalies Art hat mein Leseerlebnis zusätzlich erschwert. Sie ist trotzig, bockig und widersetzt sich fast jeder Anweisung. Ehrlich gesagt hat es mich gewundert, dass sie nicht schon nach wenigen Stunden wieder vor der Tür stand. Sie tut konsequent das Gegenteil von dem, was man ihr aufträgt, stolpert damit von einer Situation in die nächste und wirkt dabei erschreckend naiv. Für mich fühlte sich das weniger wie Mut an, sondern eher wie eine reine Notwendigkeit, um die Handlung am Laufen zu halten. Realistisch war das kaum.

Erst ab etwa der Hälfte begann ich, wieder etwas mehr Spaß an der Geschichte zu haben. Dann fügt sich vieles zusammen, die Atmosphäre zieht leicht an und das Finale hält tatsächlich ein paar schöne Überraschungen bereit. Da sich ein Großteil der Hintergründe recht früh abzeichnet, läuft die Spannung lange auf Sparflamme. Ich habe weniger mitgerätselt als darauf gewartet, ob die Geschichte meinen Verdacht bestätigt und wie der letzte Akt ausgestaltet wird.

Am Ende blieb bei mir der Eindruck, dass hier ein richtig guter Plot vorhanden war, der nicht genug Zeit zum Reifen bekommen hat. Zu viele Zufälle, einige unausgegorene Verwicklungen und eine Hauptfigur, die mir eher auf die Nerven ging, als dass ich mit ihr mitgefiebert hätte. Im Vergleich zum Debüt empfand ich diesen Thriller eher als einen Rückschritt.

Zwischendurch lässt sich "Der Boss" flott lesen oder hören, keine Frage. Packend oder nachhaltig spannend fand ich das Buch eher nicht. Für mich ist es ein typischer „Popcorn-Thriller“. Kurzweilig, leicht verdaulich und ohne das gewisse Etwas, das ihn länger im Kopf behalten lässt.
____________________
MEINE BEWERTUNG
★★★

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