Ein sommerliches "Grias eich" und herzlich willkommen in die Runde!
Ascari, Gabi, Lisa und ich haben es sich vor unserem Clubstüberl in Liegestühlen gemütlich gemacht. Der Sonnenschirm ist gerichtet, die Sonnencrème ist aufgetragen und wir genießen ein laues Lüfterl, in der Hoffnung, dass sich ein willkommenes Regenwetter unserer erbarmt.
Zumindest spürt man bei den Temperaturen eindeutig, dass man am Leben ist. ;) Und unser heutiges Clubtreffen des Club LiterAUTur beschäftigt sich genau damit. Nein, nicht mit der Hitze, sondern mit dem analogen, echten Leben, in dem man vielleicht sogar mal den einen oder die andere Autor:in im Rahmen einer Lesung trifft.
Und damit darf ich das heutige Thema "Lesungen" eröffnen, und gleich einmal fragen, wie das bei Gabi eigentlich so ist.
Seit vielen Jahren bin ich begeisterte Besucherin von Lesungen und halte eigentlich ständig danach Ausschau, welche Autorinnen oder Autoren in erreichbarer Entfernung live zu erleben sind. Das eigentliche Vorlesen von Textauszügen ist nett und gehört dazu. Viel mehr interessiert mich aber die Motivation, wieso das Buch so geschrieben wurde, der zündende Funke, der zum Buch geführt hat.
Bei manchen AutorInnen reicht eine einzige Lesung nicht aus, denn jedes Buch greift wieder ein neues Thema auf, das von allen Seiten beleuchtet werden kann und soll. Und damit bin ich auch schon bei dem Autor, bei dem ich mich ganz besonders auf eine Lesung freue.
Marc Elsberg verfolge ich schon seit 2012, als er mit „Blackout“, seinem ersten internationalen Bestseller, auch meine Aufmerksamkeit bekam. Und gleich in dem Jahr durfte ich auch eine Lesung von ihm besuchen.
Was er dort beispielsweise über die europaweite Verknüpfung der Stromnetze erzählte, über die Gefahr von smarten Stromzählern und die Folgen eines länger andauernden Stromausfalls, hat mir mehr als eine Gänsehaut beschert. Jetzt, 14 Jahre später, sind viele Aspekte allgemein bekannt und man ist sich der Gefahren bewusster als damals, aber 2012 musste sich Marc Elsberg mühsam Informationen zusammensuchen und vieles in imaginären Planspielchen selbst vorhersagen. Und es ist erschreckend, wie nah er der Realität gekommen ist, wie inzwischen der eine oder andere Stromausfall bewiesen hat.
Sein nächstes Buch „Zero“ hat er mir auch bei einer Lesung im Jahr 2015 näherbringen dürfen. Die Verwendung oder gar den Missbrauch von persönlichen Daten durch Dritte habe ich damals auch viel naiver betrachtet, als wir das heute tun und Marc Elsberg hat dazu beigetragen, mir die Augen zu öffnen. Wie auch bei der Lesung zu „Blackout“ war ganz deutlich zu merken, dass sich Marc Elsberg durch seine ausführliche Recherche eine umfassende Expertise angeeignet hat und es auch schafft, das in das tägliche Leben seiner Zuhörerinnen und Zuhörer zu übersetzen. Und wieder habe ich eine Menge gelernt.
In den folgenden Jahren musste ich mich darauf beschränken, seine Bücher zu lesen und dadurch mehr über das Thema Genmanipulation (Buch Helix), die Frage, ob aus wirtschaftlicher Sicht Konkurrenz oder Kooperation besser funktioniert (Buch Gier), ob sich die Mächtigen der Welt über die Gesetze stellen dürfen (Buch Der Fall des Präsidenten) oder die bewusste technologische Beeinflussung des Weltklimas (Buch C – Celsius) zu erfahren. Es gibt natürlich auch Spannung und Protagonisten, mit denen man mitfiebern kann – aber bei Marc Elsberg ist eindeutig immer das Thema im Mittelpunkt. Und die Themen, die er aussucht, haben es alle in sich und sind wichtig und grundlegend.
Das neueste Buch „Eden: Das Sterben beginnt“, das in diesem Jahr erschienen ist, habe ich schon gelesen. Dort wird die Frage beleuchtet, was die Folgen der Natur-Beeinflussung durch den Menschen sein können und wie manche immer noch zuerst an ihren Profit denken.
Im Oktober darf ich endlich wieder eine Lesung von Marc Elsberg zu genau diesem Buch besuchen und ich bin schon super gespannt darauf, was er uns aus seiner akribischen Recherche berichten und weitere Hintergrundinformationen zu diesem hoch aktuellen und essenziellen Thema nahebringen wird.
Als wir das Thema für heute ausgewählt haben, habe ich sofort an einen Autor gedacht. Dafür muss ich ein wenig ausholen.
Grundsätzlich hat Gabi den Vorteil, dass sie in Deutschland wohnt, wo die meisten Lesungen organisiert werden und es genügend Literaturfestivals gibt. Ein Beispiel ist die Criminale in Halle an der Saale. In meinem Bundesland gibt es meiner Meinung nach kaum etwas in diese Richtung. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass die Filialen des Buchhandelkonzerns mit dem großen T sich in großen Einkaufszentren befinden und nicht in Einzelgeschäften, in denen man schnell eine Lesung organisieren könnte. Wie es beispielsweise bei unseren nördlichen Nachbarn der Fall ist.
Deshalb bin ich froh, dass Bernhard Aichner und Markus Hatzer zusammen mit der Buchhandlung Heyn das Krimifest Kärnten ins Leben gerufen haben. Das Krimifest Kärnten ist die jüngere Schwester des „Krimifest Tirol“, bei dem sich Literatur und Kulinarik mit toller Aussicht verbinden lassen.
Apropos Tirol: Jetzt wird es Zeit, euch von dem Autor zu berichten, dessen Lesung ich wieder einmal miterleben möchte. Es ist Jan Beck alias Joe Fischler.
Alles hat mit seiner Krimireihe rund um Valerie Mauser angefangen, die im Zeitraum von drei Jahren erschienen ist. Den ersten Teil, „Veilchens Winter“, habe ich 2015 im Rahmen einer LovelyBooks-Leserunde gelesen und richtig verschlungen. Das liegt nicht nur daran, dass meine Familie und ich mit Tirol sehr verbunden sind und die in den Büchern beschriebenen Orte bestens kennen. Schon damals hatte ich eine Lesung von Joe Fischler besucht. Es war wirklich nett, über das Buch und das frühere Innsbruck und dessen Veränderungen zu quatschen.
Nach der Regionalkrimireihe ist der Autor in die Thriller-Richtung gegangen und hat mit dem ersten Teil der Björk-&-Brand-Reihe („Das Spiel“) ein neues literarisches Zuhause beim Penguin Verlag gefunden. Aus Joe Fischler wurde Jan Beck. Mit dem zweiten Teil der Reihe, „Die Nacht“, kam Jan Beck auch zum Krimifest Kärnten nach Klagenfurt und hielt gemeinsam mit seiner Schweizer Kollegin Christine Brand, deren Krimireihen ich ebenfalls sehr empfehlen kann, eine unterhaltsame Lesung.
Sein neuestes Buch gehört wieder in die Kategorie Regionalkrimi. „Klein aber tot“ ist der erste Band der Knuffigen Krimis. Knuffingen ist eine fiktive Stadt, die im Miniatur Wunderland beheimatet ist. Wer mal in Hamburg ist, muss ins Miniatur Wunderland gehen. Es gibt dort viel zu sehen. Hier ein paar Eindrücke von meinem Besuch.
2027 geht auch die Nachfolger-Thrillerreihe mit dem Kriminalpsychologen Simon Dorn und der Kriminalpolizistin Lea Wagner als Protagonisten in die nächste Runde. Am 13. Januar 2027 erscheint „Dorn. Preis der Wahrheit“, in dem die beiden eine ungelöste Mordserie aufklären wollen, bei der ein Strauß weißer Lilien eine wesentliche Rolle spielt.
Vor ein paar Tagen habe ich den ersten Band dieser Reihe („Dorn. Hotel der Angst“) gelesen und meine Meinung dazu möchte ich euch nicht vorenthalten.
Wie es aussieht, stolpere ich wohl wieder einmal hinterher, wie? Aber ich war dieses Mal gezwungen zu warten, bis das Buch erschienen ist. Wovon rede ich? Ich meine “Canvas” von Ursula Poznanski. Die Autorin ist ja mittlerweile schon ein bisschen ein Fleißbienchen, denn praktisch erscheinen pro Jahr sehr oft zwei Bücher von ihr.
Im Frühjahr war sie mit “Das Signal” für die Erwachsenen dran, jetzt ist gerade Mitte August mit „Canvas“ die Fortsetzung zu “Cryptos” bei Loewe erschienen. In dem Kontext gibt es übrigens dieses Jahr auch eine Besonderheit: Denn das gerade genannte Buch hat im Juni auch seinen Weg in eine Umsetzung als Graphic Novel gefunden - sehr geniale Sache, wie ich finde! Alle drei Titel habe ich übrigens auf meinem Blog vorgestellt, falls jemand dort meine Meinung dazu nachlesen möchte.
Ich hatte vor einigen Jahren auch einmal das Vergnügen, die Autorin in Graz erleben zu dürfen, da kam sie auf Einladung unserer Landesbibliothek. Und es war eine sehr friedliche und kleine Lesung, weil kaum Besucher da waren (Und das zu Zeiten, wo sich bereits bei den Buchmessen große Menschenmassen um den Stand des Verlags gedrängt haben, wenn sie dort gelesen hat). Selbstverständlich habe ich mir damals auch zwei meiner Bücher von ihr signieren lassen.
Mittlerweile ist das schon so lange her, dass ich mir wirklich wünschen würde, sie wieder einmal live erleben zu dürfen - denn sie hat eine tolle und fesselnde Art zu lesen! Da kann man fast nicht anders, als an ihren Lippen zu hängen :D. Einen kleinen Eindruck davon könnt ihr euch auf meinem Youtube-Kanal verschaffen, da habe ich damals einen kurzen Ausschnitt von der Lesung mit Erlaubnis der Autorin hochgeladen: Ursula Poznanski liest aus "Stimmen".
Und ich dachte mir damals schon, Mensch, sollte sie irgendwann einmal keine Lust mehr aufs Schreiben haben (Gott bewahre, aber man weiß ja nie), könnte sie sich auch problemlos als Sprecherin ihre Brötchen verdienen :).
Lesungen sind meiner Meinung nach die schönste Abend- (manchmal auch Nachmittags-) Gestaltung für uns Büchernerds. Dabei muss ich zugeben, dass es mir oftmals gar nicht so um das vorgestellte Buch geht, sondern ich liebe es, wenn Autoren oder Autorinnen zwischendrin erzählen, wie sie auf dieses oder jenes Detail gekommen sind oder warum sie sich für einen bestimmten Erzählansatz entschieden haben.
Ein- bis zweimal pro Jahr habe ich in der Regel das Vergnügen, gemeinsam mit Martina (→ Martinas Buchwelten) Lesungen zu besuchen. Das ist für uns mittlerweile schon ein richtiges Ritual geworden. Wir sichern uns meistens Plätze in den vorderen Reihen, stöbern durch die Bücher und lassen den Abend nach der Lesung gemütlich bei einem guten Glaserl ausklingen, um über Bücher zu tratschen. Allein dieses Drumherum finde ich wunderbar.
Aufgrund der räumlichen Nähe handelt es sich bei den Veranstaltungen meist um österreichische Schriftsteller:innen, die von ihrem Schaffen zumeist auf herrliche, amüsante oder interessante Weise berichten. Darunter waren schon Andreas Gruber, Alex Beer, Ursula Poznanski oder Roman Klementovic. Ich finde es toll zu erleben, wie viel Humor hinter den oft düsteren Abgründen ihrer Krimis und Thriller steckt.
Die liebsten Lesungen sind mir allerdings die von Helmut Scharner, da er in der Region stark verwurzelt ist und Martina und ich seine Reihe beinah vom ersten Moment an verfolgt haben. Helmut Scharner hat sich dem kriminellen Treiben in meiner Heimat, dem Mostviertel, verschrieben. Das klingt nach einem Autor, der hart wie Stahl im Schreiben ist, was unter anderem daran liegen kann, dass er im Brotjob für den größten österreichischen Stahlkonzern tätig ist. ;)
Spannend war es bisher, die Entwicklung des Autors zu verfolgen. Und das nicht nur im Schreibprozess, sondern auch im Rahmen der Lesungen. Anfangs wirkte er eher zurückgezogen auf mich und ist gefühlt streng nach seinem vorbereiteten Skript vorgegangen. Mittlerweile ist er viel lockerer und plaudert auch gerne mal aus dem Nähkästchen.
Ich freue mich jedenfalls, wenn sich hoffentlich bald mal die nächste Gelegenheit für eine Lesung ergibt. In diesem Jahr scheitert es tatsächlich an unserer Urlaubsplanung, denn immer wenn der Autor eine Lesung in meiner Nähe hält, waren wir bzw. sind wir nicht vor Ort.
Vielleicht seid ihr jetzt neugierig auf die Mostreihe von Helmut Scharner geworden. Folgende Bücher davon habe ich bereits gelesen und rezensiert:
Dann hoffe ich mal, dass zwischen regionalem Mord- und Totschlag, Zukunftsmusik sowie gegenwärtigen Problematiken manche Empfehlung euer Interesse weckt. Und vielleicht habt ihr sogar Lust darauf, selbst eine Lesung zu besuchen.
Im Clubstüberl hatten wir definitiv ein interessantes Beisammensein und ihr dürft schon gespannt auf die nächsten Empfehlungen bei Ascari (→ Der Leseratz) sein, denn eines ist gewiss: Fortsetzung folgt.
Servus, pfiat God und auf Wiedersehen!
Das Treffen für heute ist leider schon aus.
*** Es hat mich sehr gefreut. ***
Gibt es öfter Lesungen in eurer Nähe?
Und falls ja, besucht ihr sie gerne?
Wer erkennt die Anspielung in der Beitrags-Überschrift?
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