Sonntag, 11. Dezember 2016

Rezension: Am Ende aller Zeiten - Adrian J. Walker

© Argon Verlag
Am Ende aller Zeiten
| Adrian J. Walker |

Verlag: Argon Verlag 2016
Dauer: 12 h : 29 min
ISBN: 9783839815045 
Sprecher: Uve Teschner 

MEINE BEWERTUNG

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Realistische Postapokalypse

Dem unzufriedenen Edgar Hill geht sein Leben auf die Nerven. Er hat es mit seinen Mitte dreißig zum durchschnittlichen Angestellten, Vater der durchschnittlichen zwei Kinder und einem kleinen Häuschen gebracht. Grad als er sich eingestehen muss, dass er mehr vom Leben will, wird dem Idyll durch einen Meteoriteneinschlag ein unerwartetes Ende gesetzt und die Postapokalypse beginnt.

Adrian J. Walker hat mit „Am Ende aller Zeiten“ einen realistischen postapokalyptischen Roman geschaffen. Die Welt ist durch die Asteroiden zerstört. Es gibt keine Infrastruktur, kein Internet, keine Kommunikationsmöglichkeiten. Städte und Dörfer sind ausgebrannt, die Leichen stapeln sich und mittendrin befindet sich Edgar, der einsehen muss, dass er wirklich kein guter Vater ist.

Der realitätsnahe Entwurf des Weltuntergangs war düster und packend zugleich. Bei Ed rühren sich die Überlebensinstinkte und grad noch rechtzeitig entgehen er und seine Familie dem Inferno, das sich über die britischen Inseln legt. Dabei gibt es keinen unvermuteten Heldetum, keine geschönten Szenen, sondern nur das Ende der Welt, das wie ein Feuerball über die Landschaft fegt.

Ed hat sich mit seiner Familie gerade noch rechtzeitig im Keller verschanzt. Schon bei diesen Eingangsszenen zeigt sich, dass Ed ein ganz normaler Kerl ist, der auf eine solche Situation absolut unvorbereitet ist. Genauso verhält es sich beim Verharren in der unterirdischen Zuflucht, weil diese Szenen meiner Meinung nach sehr authentisch beschrieben sind. Die Familie sitzt im Dunkeln, die Nerven liegen blank und man ist sich bewusst, dass das Wasser nicht mehr lange reichen wird … 

Nachdem die Apokalypse der Postapokalypse den Weg bereitet hat, wird Ed von seiner Familie getrennt und nun setzt er alles daran, sie wiederzusehen. Auch wenn 500 Meilen zwischen ihm, seiner Frau und den Kindern liegen.

Protagonist Ed ist eher der bequeme Typ, der allzu gern jammernd mit beiden Händen in den Taschen in der Ecke steht. So war es vor der Apokalypse und so ist es eine Zeit lang auch danach, bis er merkt, dass er auf diese Weise niemals sein Ziel erreichen wird. Dieser Aspekt an Ed hat mir einerseits sehr gut gefallen, weil es sich dadurch um eine sehr realistische Figur handelt, andrerseits ist mir sein ewiges Lamentieren auf die Nerven gegangen, weil er ständig von seinen Kindern bzw. seiner Familie gesprochen hat, obwohl sie ihm davor nicht so wichtig erschienen ist. Nach und nach ist sein Leben im typischen Klischee verschwunden bis ihn das Ende der Welt wach gerüttelt hat. Ob er es wohl schafft, eine zweite Chance zu erhalten?

In der Handlung blitzen die typischen postapokalyptischen Elemente auf, die man aus anderen Romanen des Genres kennt: eine Gruppe, die gemeinsam überleben will, machtgierige Führungspersönlichkeiten, die rasch zum Albtraum ihrer „Untertanen“ werden, Hunger, Kannibalismus und natürlich ein Ziel, das man kaum erreichen kann. Allesamt wurden diese Mittel genau im richtigen Maß eingesetzt und auch hier zeichnet sich der Autor dadurch aus, dass er nicht übertrieben hat. 

Zum Ende hin darf es natürlich ein bisschen heroisch sein, wobei Adrian J. Walker meiner Meinung nach auch hier einen guten Weg gefunden hat. Es lässt einen ein bisschen traurig, melancholisch und dennoch voller Hoffnung zurück und man fragt sich, wie es Ed letztendlich am Ende aller Zeiten ergangen ist.

Insgesamt ist es ein ruhiger, postapokalyptischer Roman, der besonders durch den Protagonisten und die Wirklichkeitsnähe besticht und auf jeden Fall recht gut zu hören ist.
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MEINE BEWERTUNG


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Kommentare:

  1. Hallo Nicole,

    eine wirklich gelungene Buchbesprechung! Ich hatte beim Lesen der Geschichte ähnliche Empfindungen. Insgesamt war es aber, genau wie du schreibst, auch für mich ein interessantes Werk, nichts war ubertrieben, und doch konnte man Entwicklungen und Fortschritte eindeutig spüren.

    Liebe Grüße, Kay

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    1. Hallo Kay,

      danke! Das freut mich! Dabei ist mir die Besprechung richtig schwer gefallen.

      Der realistische Touch ist gut rübergebracht worden. Keine heroischen Jugendlichen, kaum Standardsituationen, die im letzten Moment doch noch irgendwie gebogen werden, und trotzdem hat der Autor ein interessantes Werk geschaffen. Schön, dass es dir auch gefallen hat!

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. War ja schon ganz gespannt auf deine Meinung ;)
    Ich hatte mir das Buch ja ganz anders vorgestellt, aber nachdem ich es habe "sacken" lassen, gab es auch von mir 4 Sterne.

    Wünsch dir einen mukkelig feinen 3.Advent!
    Janna

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    1. Hallo Janna,

      ich war von anderen Rezensionen schon ein bisschen 'vorgewarnt' und bin daher recht frisch an diese Postapokalypse gegangen. Mir hat gefallen, dass Ed so ein normaler Typ ist, der nicht zum übertriebenen Held avanciert.

      Schönen Abend & einen guten Start in die Woche!
      Nicole

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  3. Oh man Nicole, ich glaube es ja nicht. Erst gestern war ich auf der Suche nach einer Dystopie, denn meist greife ich zwischen den Weihnachtsfeiertagen dazu. Mag ich ja vorbereitet sein. Entweder bin ich auf Reihen gestoßen, die ich ja bekanntlich vermeide, oder mich hat nichts hinterm Ofen hervorgelockt. Somit habe ich mir einen Psychothriller vermerkt, den ich morgen beim Wunsch der Woche vorstelle. Und jetzt das, nein du.^^
    Meine Neugier ist durch deine Rezi geweckt. Der einzige Punkt, an dem ich mich höchstwahrscheinlich stören werde, ist der Protagonist. Dies werde ich aber nur herausfinden, wenn ich das Buch lese - somit vermerkt.
    Danke für den Buchtipp !
    Sei mir ganz lieb gegrüßt, Hibi

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    1. Hallo Hibi,

      Dystopien und Endzeitromane ausgerechnet zur Weihnachtszeit? :D Du verblüffst mich immer wieder. Naja, Ed ist schon ok, er ist ein ganz netter Kerl, aber er hat einen sehr ausgeprägten Vaterkomplex. Er ist ein ganz normaler Typ, was zwar manchmal nervig und trotzdem gut zu lesen ist. Wenn du jetzt neugierig bist, würde ich es an deiner Stelle einfach versuchen.

      Dir auch ganz liebe Grüße & starte morgen gut in die neue Woche!
      Nicole

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  4. Hi Nicole,

    eine tolle Rezi und sehr gute Beschreibung von Ed und dem weiteren Verlauf der Geschichte. Besonders Ed in seiner Entwicklung sowie die realites nahe Erzählung und der Schreibstil konnten mich begeistern. Das Buch sollte man auf jeden Fall gelesen haben.

    Es wird definitiv nicht das letzte Buch von Adrian J Walker für mich gewesen sein.

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo Uwe,

      wenn man (post) apokalyptische Romane mag, dann ist es auf jeden Fall empfehlenswert. Ich mochte es auch, wie der Autor einen normalen Typen zum Protagonisten macht und der trotzdem nicht zum Superhero wird.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  5. Realistätsnahe postapokalyptische Romane sind rar. Hört sich lesenswert an.

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    1. Da muss ich dir zustimmen! Dafür fehlt es halt auch etwas am Wow-Effekt, weil Handlung und Protagonist nicht allzu übertrieben sind. Hoffentlich gefällt es dir!

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