Mittwoch, 26. April 2017

Rezension: Die Drei - Sarah Lotz

© Random House
Die Drei
| Sarah Lotz |

Verlag: Goldmann Verlag 2014
Seiten: 512 
ISBN: 9783442313716

MEINE BEWERTUNG 

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Gänsehaut trotz zäher Stellen

Der Tag, an dem vier Flugzeuge abstürzen und drei Kinder überleben geht als „Schwarzer Donnerstag“ in die Geschichte ein. Eigentlich waren es vier Überlebende, doch Pamela May Donald lebt nur gerade so lange, dass sie eine Nachricht hinterlassen kann, die die Welt aus den Angeln hebt.

Dieses Buch ist ein Mystery-Thriller mit Schauer-Horror-Faktor, der nicht unbedingt leicht zu lesen ist. Es geht um mysteriöse Flugzeugabstürze, geheimnisvolle Überlebende und einen Hauch aus einer anderen Welt, der für permanente Gänsehaut sorgt.

Vier Flugzeuge sind gleichzeitig abgestürzt und drei Kinder haben überlebt. Diese Kinder sind offensichtlich gut aus der Situation herausgekommen, passen sich den neuen Lebensumständen an und sind absolut unauffällig - außer, dass sie sich irgendwie verändert haben.


Es ist kein typischer Roman, sondern wie ein Sachbuch aufgemacht. Transkripte, Interviews, Chats und Website-Einträge werden zu einem großen Ganzen vereint, was Licht auf die Ereignisse werfen soll. 


Allerdings habe ich es als sehr schwierig empfunden in die Story reinzukommen. Da es als Sachbuch getarnt ist, setzt die Geschichte Vorwissen voraus, was man natürlich nicht hat, weil diese Flugzeugabstürze und die begleitenden Ereignisse nie geschehen sind. Also musste ich mich erst einmal durch etliche Seiten wühlen, bis ich erfasst hatte, was geschehen war und warum die (fiktive) Autorin ein Buch darüber schreibt.


Dieser Umstand hat der Geschichte meiner Meinung nach den Thrill genommen. Hätte man schon von Anfang an von Gerüchten, seltsamen Vorkommnissen und Begebenheiten gewusst, hätte mir das Lesen weitaus größeren Spaß gemacht. Ich habe es streckenweise als mühsam empfunden, mir die Zusammenhänge zu erarbeiten, dabei hat die Geschichte an sich sehr großes Potential.


Es wird lange Zeit nur angedeutet, was im Argen liegen könnte. Genauso lange bleibt unklar, wie die interviewten und geschilderten Personen zusammenhängen und warum sie einen Platz in diesem Buch gefunden haben.


Trotzdem wird ständig eine unterschwellige Faszination gehalten, die einen trotz der zähen Stellen oft Gänsehaut über den Rücken jagt. Sarah Lotz spielt mit sehr vielen Mystery-Elementen, die sie schon fast auf geniale Weise zu einem Gesamtbild zusammenfügt - wäre nicht durch meine Unwissenheit und manch überflüssiger Kapitel die Spannung auf der Strecke geblieben. Denn die Autorin schlägt manchmal Wege ein, die nirgends hinführen oder deren Ziel ich nicht erkennen konnte.


Meiner Meinung hat Sarah Lotz einen großartigen Roman geschrieben, den ich aber leider nur bedingt weiterempfehlen kann. Ich denke, wer sich an einen ungewöhnlichen Mystery-Thriller als Sachbuch verpackt versuchen will, sollte sich unbedingt darauf einlassen, weil es trotz der genannten Kritikpunkte auf jeden Fall ein besonderes Buch ist, das eine Chance verdient hat.

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MEINE BEWERTUNG



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Kommentare:

  1. Hi Nicole,

    ach schade, dass du das Buch nicht so sehr genießen konntest und es teilweise zäh fandest! Ich fand es ja wie gesagt echt genial, fast schon besser als "Tag Vier", eben weil es ganz anders ist und man viel hineininterpretieren kann! Ich bin auch gespannt, was da noch kommen wird, denn ich hab echt schon meine Theorien :D

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      nein, ganz ist der Funke nicht übergesprungen, ich habe mich tatsächlich etwas verloren gefühlt. "Tag Vier" fand ich besser!

      Glaubst du, dass da noch etwas dazu kommt? Das wäre natürlich schon fein, weil die Autorin echt was zu bieten hat.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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    2. Hi Nicole :D

      Ja, ich hoffe doch, dass da noch was kommt :D Wäre ja sonst echt ein wenig fies! Ich hoffe auf jeden Fall, dass sie noch einen Teil schreibt, aber auch mal endlich ein paar Antworten gibt! Obwohl ich mir vorstellen könnte, nach dem nächsten Buch auch wieder so ratlos zu sein ... Ihre Bücher sind aber echt mal was komplett anderes!

      Liebe Grüße
      Jessi

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    3. Hallo Jessi,

      damit hast du eigentlich recht! :D Wäre schon fies, wenn da nichts mehr kommt, wobei ich das der Autorin schon zutrauen würde. Bisher habe ich die unbeantworteten Fragen als ihr Markenzeichen empfunden. XD

      Ich werde weiterhin Bücher von ihr lesen, wenn ich sie in die Finger kriege - ich mag dieses 'Andere' auch wenn es nicht zu 100 % überzeugen kann. Aber vom Mainstream haben wir auch so mehr als genug.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Huhu Nicole,

    endlich hast du es auch mal gelesen. :) Ja, wie gesagt: Es ist eigen. Der Erzählstil führt meines Erachtens auch dazu, dass man eine gewisse Distanz zu dem Werk aufbaut und nie ganz in die Tiefe geht. Das trifft dann natürlich auch auf die Protagonisten zu, die irgendwie alle oberflächlich wirken.
    Aber ansonsten: Die Idee ist gut!

    Liebe Grüße
    Steffi

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    1. Hallo Steffi,

      ja, endlich! :D Stimmt, man hält Distanz zu den Ereignissen und den Figuren. An sich ist das überhaupt nicht schlecht und ich mochte das Buch recht gern. Trotzdem war es schon fast "Arbeit", dass man sich in die Ereignisse reinliest, da ist mir die Spannung zu kurz gekommen. Es kriegt trotzdem einen Ehrenplatz im Bücherregal, weil es auf seine eigene Weise toll ist!

      Liebe Grüße,
      Nicole

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    2. Hallo Nicole,

      besser hätte ich es nicht ausdrücken können. :) Für mich fühlt es sich genauso an, dieses Buch gelesen zu haben. Auch bei mir hat es keine 5 Sterne bekommen, dennoch wird es wegen seiner Besonderheit immer einen Platz in meinem Regal behalten. :)

      LG Steffi

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  3. Huhu ^^

    ich habe das Buch auch noch auf dem SuB. Dann werde ich ihm wohl hoffentlich bald seine Chance geben ;). Auch wenn du ja ein paar Kritikpunkte hattest, hört es sich dennoch ganz lesenswert an. Tolle Rezension mal wieder ♥.

    Liebe Grüße
    Insi Eule

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    1. Hallo Insi,

      ja, bitte! Gib' dem Buch eine Chance, weil es so besonders ist. Auch wenn es etwas Arbeit erfordert, ist es doch auf seine eigene Weise lesenswert und mal nicht üblicher Durchschnitt.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  4. Hallo Nicole,
    die Geschichte klingt aber spannend. Diese Art der Geschichtenerzählung hatte ich so ähnlich beim Roman The Power, aber in diesem Roman scheint es noch weitergehender zu sein. Originell ist es mal auf jeden Fall.

    Ich habe deinen Beitrag auf meiner Wanderung durch die Welt der Bücherblogs verlinkt.

    Gruß,
    Daniela

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    1. Hallo Daniela,

      vielen Dank für's Verlinken! Ja, das Buch ist wirklich sehr besonders, auch wenn es nicht einfach zu lesen ist, trotzdem zahlt es sich auf seine eigene Art aus.

      Liebe Grüße & schönes Wochenende,
      Nicole

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  5. Hallo,

    jetzt hast du es also auch gelesen :)
    Bei mir hat es ja etwas besser abgeschnitten, gerade weil es mal was ganz anderes war und ich finde der Sachbuch Stil hat da den Reiz ausgemacht. Ich fand es ziemlich genial, naja bis auf das Ende. Obwohl das für mich noch mehr Interpretationsspielraum gelassen hat, als bei "Tag Vier". Dort wusste ich ja überhaupt nix mit dem Ende anzufangen....

    Viele Grüße, Julia

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    1. Mir war es manchmal viel zu zäh und ich habe lang gebraucht, bis ich in der Geschichte war. Aber die Aufmachung und das Thema waren wirklich genial. Bei mir hat dafür "Tag Vier" besser abgeschnitten. :D Das fand ich spannender zu lesen.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  6. Ich habe das Buch damals kurz nach Erscheinen der englischen Originalausgabe gelesen und war total begeistert davon.

    Interessanterweise habe ich den Sachbuch-Charakter als ganz große Stärke des Romans empfunden, weil die Handlung sich dadurch für mich viel realer angefühlt hat und mich die Atmosphäre der Geschichte total gepackt hat – ich konnte das Buch einfach nicht mehr weglegen.

    Von "Tag Vier" hingegen war ich im Vergleich dazu ein wenig enttäuscht. Ich fand es zwar immer noch ganz spannend und mysteriös, aber bei weitem nicht so fesselnd wie "The Three".

    Diesen Monat erscheint übrigens das neue Buch von Sarah Lotz ("The White Road") über eine Expedition zum Mount Everest, da freue ich mich schon sehr drauf! :)

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    1. Den Sachbuch-Charakter mochte ich schon recht gern, ich habe nur sooo lange gebraucht, bis ich mich in der Handlung zurecht finden konnte und das fand ich dann doch etwas mühsam zu lesen. Trotzdem ist es ein gutes Buch, das ich zwar nicht jeden - aber dennoch - empfehlen kann.

      Ich brauche nur Mount Everest hören - schon bin ich Feuer und Flamme! Mich fasziniert dieser Berg total und wenn sich Sarah Lotz damit auseinandersetzt, kann es nur gut werden. Hoffentlich erscheint das Buch auch/bald auf Deutsch (für Englisch bin ich zu faul, das gebe ich hier ganz offen zu ;)). Danke für den Hinweis!

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