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| © Lübbe |
| Uketsu |
Verlag: Lübbe 2025
Seiten: 272
ISBN: 978-3757701161
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★ -
Krimihandlung im eigenartigem Rätselstil
Ein rätselhafter Blogeintrag, geheimnisvolle Zeichnungen und eine Reihe unerklärlicher Todesfälle. Lose Fäden, die doch miteinander verknüpft sind. Als zwei Journalisten beginnen, dem düsteren Geheimnis auf den Grund zu gehen, geraten sie selbst in Gefahr.
„HEN NA E – Seltsame Bilder“ ist eines dieser Bücher, die mir immer wieder im Internet begegnet sind, ohne dass ich sie unbedingt lesen wollte. Die Beschreibungen waren derart speziell, dass ich nicht einordnen konnte, was mich darin erwartet. Erst als ich es zufällig in der Hand hatte und ein wenig durchgeblättert habe, war mein Interesse plötzlich da. Im Nachhinein kann ich sagen: Das Lesen war wie ein kleines Experiment.
Das Werk wird im Klappentext als psychologischer Horror bezeichnet, was bei mir ehrlich gesagt nicht ganz angekommen ist. Für mich war es vielmehr ein Kriminalroman, allerdings einer, der sich eines sehr ungewöhnlichen Erzählstils bedient.
Die Handlung ist in vier Abschnitte gegliedert, wobei man die ersten drei fast als eigenständige Erzählungen betrachten kann, bevor im Abschlusskapitel alles zusammenläuft. Im ersten Teil „Die Frau im Wind“ stößt der Student Shūhei Sasaki auf einen Blog, der ihn nicht mehr loslässt. Ein scheinbar harmloser Einblick in das Leben eines jungen Mannes, der von seiner Familie erzählt. Dann kippt die Stimmung, und am Ende bleiben nur noch seltsame Zeichnungen übrig. Die Illustrationen haben mich jedenfalls gepackt. Sie wirken unscheinbar und gleichzeitig steckt so viel darin, dass man automatisch beginnt, genauer hinzusehen.
In den nächsten beiden Abschnitten rückt Shūhei Sasaki in den Hintergrund. Stattdessen begleiten wir einen Kunstlehrer und eine junge Witwe. Die Ereignisse wirken zunächst losgelöst, fast schon fremd zueinander, und doch haben sie alle eines gemeinsam: Rätsel. Mal sind es Grundrisse, mal Zeichnungen, mal kleine Details, die man leicht übersehen könnte.
Ich habe mich mehr als einmal dabei ertappt, länger auf Seiten zu verweilen, zurückzublättern oder mir meine eigenen Gedanken zu machen. Dieses Buch lädt dazu ein, aktiv mitzudenken.
Der Zugang zu den Figuren war für mich schwierig. Ich hatte oft das Gefühl, sie bleiben auf Distanz. Das ist etwas, das mir bei asiatischer Literatur generell immer wieder auffällt. Der Erzählstil wirkt häufig sehr nüchtern, fast sachlich, teilweise sogar ein wenig wie in einem Märchen. Es wird viel beschrieben, aber die Emotionen fühle ich nicht. Wut, Trauer oder Freude bleiben eher blass. In diesem Fall hat es dem Buch überraschenderweise nicht geschadet. Der Fokus liegt so stark auf den Rätseln und der Struktur, dass die fehlende emotionale Nähe wenig ins Gewicht fällt.
Die einzelnen Hinweise, die Bilder und die speziellen Ungereimtheiten haben mich fasziniert. Auch wenn sich lange keine klaren Zusammenhänge ergeben, entwickelt sich eine interessante Lektüre, die definitiv die grauen Zellen anregt. Abschließend kommt ein Kapitel, das die bisherigen Eindrücke in einem neuen Licht darstellt.
Das Ende hat mich wirklich verblüfft. Manch schicksalhaften Wendungen und der Einsatz raffinierter Perspektivenwechsel waren sehr geschickt gemacht und haben bei mir definitiv die Gehirnzellen arbeiten lassen.
Letztendlich ist „HEN NA E – Seltsame Bilder“ ein cleveres Rätselspiel. Auch wenn die emotionale Distanz zu den Figuren gewöhnungsbedürftig ist, machen die Wendungen und die unheimlichen Illustrationen das Buch zu einem echten Erlebnis. Wenn man Lust auf literarische Experimente hat und gerne mitdenkt, sollte man sich auf jeden Fall selbst ein Bild davon machen.
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Hallo Nicole,
AntwortenLöschenals Horror habe ich es auch nicht empfunden – vor allem, wenn man bedenkt, was in Japan sonst alles unter Horror läuft. Deshalb finde ich die Vermarktung in diese Richtung etwas seltsam. Insgesamt fand ich das Buch aber wirklich spannend, und die Auflösung sowie die Art, wie alles zusammengeführt wurde, waren richtig gut. Die Skizzen und Bilder laden auf jeden Fall zum Grübeln und Verweilen ein.
Liebe Grüße,
Jennifer
Hallo Jennifer,
Löschendas ist wahr. :D Wobei ich bisher kaum japanischen Horror gelesen habe, sondern eher die Filme von früher kenne. Kannst du japanische Horror-Romane empfehlen?
Ich fand es auch höchst interessant, wie hier die Geschichte aufgebaut wurde. Es war tatsächlich spannend zu lesen und es einem dabei auch tatsächlich etwas mulmig, dass hat der:die Autor:in echt gut hingekriegt.
Liebe Grüße
Nicole
„Strange Houses“ von Uketsu mochte ich auch total gerne. „Strange Buildings“ liegt noch ungelesen bei mir, und anscheinend soll ein weiterer Band mit dem Titel „Strange Maps“ erscheinen. Darauf bin ich schon sehr gespannt.
LöschenBei Horrorbüchern kann ich folgende empfehlen:
„The Graveyard Apartment“ von Mariko Koike fand ich richtig gruselig, auch wenn es – soweit ich weiß – nur auf Englisch erschienen ist.
„Parasite Eve“ von Hideaki Sena gibt es ebenfalls nur auf Englisch; es geht stärker in Richtung Sci‑Fi‑Horror und war stellenweise ziemlich eklig.
„Dark Water“ (ein Band mit sieben Geschichten) und „The Ring“ von Kôji Suzuki sind beide auf Deutsch erhältlich – und bei beiden hatte ich heftig Gänsehaut.
Hallo Jennifer,
Löschenvielen Dank für all die Tipps. Zum Lesen auf Englisch bin ich tatsächlich meist zu faul. XD Aber ich weiß, gerade im Horror-Genre sollte ich mir da endlich mal einen Ruck geben, weil's da eben viele tolle Bücher zu entdecken gibt.
Von „The Ring“ kenne ich die Verfilmung und die war damals wirklich sehr gruselig. Da könnte ich mir tatsächlich mal das Buch besorgen.
Empfindest du die Erzählweise auch als distanziert oder ist das nur bei mir so?
Liebe Grüße
Nicole