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| © Heyne |
| Stephen King |
Verlag: Heyne 2025
Seiten: 752
ISBN: 978-3453442191
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★ -
ISBN: 978-3453442191
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★ -
Eine Pralinenschachtel aus der Hölle
Diese Sammlung aus zwölf Geschichten ist wie eine Pralinenschachtel aus der Hölle. Man weiß nie, was man bekommt, aber jede einzelne Story sitzt. Ob nervenaufreibende Albträume oder emotionale Liebeserklärungen an das Leben (und Haustiere).
Die Kurzgeschichtensammlung „Ihr wollt es dunkler“ von Stephen King stand bei mir schon lange im Regal, bevor ich sie endlich zur Hand genommen habe. Obwohl ich das Buch sogar vorbestellt hatte, musste es erst eine Weile auf meinem Stapel ungelesener Bücher reifen.
King versammelt hier zwölf Geschichten und jede einzelne hat mich auf ihre eigene Weise erwischt. Manche haben mich mit ihrer Spannung regelrecht zermürbt, andere mit emotionaler Wucht getroffen oder mit einer bitterbösen Pointe überrascht. Diese Mischung hat mein Leseerlebnis besonders gemacht, weil sich jedes Stück anders anfühlt und doch alle diesen typischen King-Ton tragen.
Sehr begeistert hat mich „Zwei begnadete Burschen“. Die Story dreht sich um zwei Männer aus Maine, die zu erstaunlichem Ruhm gelangen, obwohl ihre Herkunft das eigentlich kaum erwarten lässt. Nach dem Tod seines Vaters beginnt Mark Carmody, sich mit dessen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Dabei blickt er nicht nur auf Erinnerungen an seine Kindheit zurück, sondern auch auf einen Ausflug in die Wälder, der anscheinend alles verändert hat. Mir hat besonders gefallen, wie behutsam Mark mit dem Erbe seines Vaters umgeht. In seinen Gedanken liegen Trauer, Zuneigung und Neugier dicht beieinander. Das Geheimnis hinter dem Erfolg ist letztendlich wesentlich bizarrer, als ich es erwartet hätte.
Ganz anders funktioniert „Der fünfte Schritt“. Ein Rentner genießt seinen Tag im Central Park, als ihn ein Fremder anspricht. Dieser möchte im Rahmen seines Programms der Anonymen Alkoholiker jemandem seine Fehler gestehen. Ich habe Harold sehr gerne in den Park begleitet und mich zunächst auf eine ruhige Begegnung eingelassen. Doch das Gespräch entwickelt eine ganz eigene, beklemmende Intensität. Die Erzählung wirkt fast wie ein Witz, der langsam aufgebaut wird, nur um schließlich mit einem ziemlich fiesen Schlag zu enden. Das war kurz, böse und großartig umgesetzt.
Auch „Willie der Wirrkopf“ ist mir im Gedächtnis geblieben. Willie ist ein seltsamer Junge mit ungewöhnlichen Interessen: tote Vögel, tote Käfer und ein Blick auf die Welt, der mich als Leser ein wenig frösteln ließ. Ich glaube ehrlich gesagt, dass ich mich vor einem Kind wie Willie ein bisschen fürchten würde. Trotzdem stößt sogar er auf etwas, das ihm Angst macht. Diese Story beginnt mit einer unterschwelligen Unruhe und endet mit einem kleinen, gemeinen Kniff, der mir sehr zugesagt hat.
Besonders intensiv war für mich „Danny Coughlins böser Traum“. Danny träumt von einer Leiche und findet sie tatsächlich. Als er versucht, das Richtige zu tun, gerät sein Leben völlig aus den Fugen. Die Ermittlungen gegen ihn entwickeln eine Eigendynamik, die mich beim Lesen regelrecht zermalmt hat. Ich habe mich innerlich gewunden, weil Danny in eine Situation gerät, aus der er kaum noch herauszukommen scheint. Sicherlich begeht er Fehler, aber das macht seine Lage nur noch verzweifelter.
„Finn“ hat mir ebenfalls gefallen, auch wenn die Erzählung im Vergleich zu den anderen für mich etwas schwächer wirkte. Trotzdem steckt in ihr eine Idee, die zum Nachdenken anregt. Gerade das Ende trägt eine philosophische Note, wie man sie von King öfter kennt.
Ähnlich empfand ich „Auf der Slide Inn Road“. Die Geschichte ist unterhaltsam, erreicht für mich aber nicht ganz die Intensität mancher anderer Beiträge. Dafür mochte ich Großvater Don sehr gerne. Er gehört zu diesen Figuren, die selbst im hohen Alter noch eine erstaunliche Energie besitzen und sich nicht so leicht unterkriegen lassen.
Sehr charmant fand ich „Das rote Display“. Hier verhört ein Polizist einen Mann, der ein Geständnis abgelegt hat, und stößt auf eine Erklärung, die deutlich ungewöhnlicher ist als erwartet. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, dass King selbst ein schelmisches Grinsen im Gesicht hatte und dabei heimlich auf seine Frau geschielt hat.
„Ein Fachmann für Turbulenzen“ kannte ich bereits aus einer früheren Anthologie. Trotzdem hat mich die Story erneut gepackt. Ich mag es sehr, wenn King alltägliche Situationen nimmt und ihnen eine ganz neue Perspektive verleiht.
Überraschend berührt hat mich „Laurie“. Nach dem Tod seiner Frau bekommt Lloyd einen kleinen Hund geschenkt, obwohl er das zunächst gar nicht möchte. Schritt für Schritt verändert dieses Tier seinen Alltag. Ich habe Lloyd unglaublich gerne begleitet. In dieser Erzählung steckt eine wunderbare Liebeserklärung an Haustiere und daran, wie sie sich ganz selbstverständlich in unser Leben schleichen.
Mit „Klapperschlangen“ liefert King dann noch einmal ein Highlight ab, das mich richtig begeistert hat. Es gibt verstörende Zwillinge, ein nervenaufreibendes Quietschen, geisterhafte Grüße aus der Vergangenheit und einen starken Bezug zu „Cujo“ und „Wahn“, der sich wie Balsam auf die Leserseele legt. Mich hat das besonders gefreut, weil sich hier ein Blick darauf eröffnet, was aus bestimmten Figuren geworden ist.
„Die Träumenden“ wirkt dagegen ruhiger. Ein Vietnam-Veteran nimmt einen ungewöhnlichen Job an und entdeckt dabei Dinge, die vielleicht besser unerforscht geblieben wären. Die Geschichte lebt von einer leisen, fast kosmischen Unruhe, die sich in Lovecraft-Manier in der Realität breit macht.
Den Abschluss bildet „Der Antwortmann“, ein Werk, das mich sehr bewegt hat. Ein Mann trifft im Laufe seines Lebens immer wieder auf eine geheimnisvolle Figur, die Antworten auf Fragen geben kann. Doch jede Antwort hat ihre eigene Schwere. Diese letzte Story wirkt wie ein Blick auf ein ganzes Leben mit all seinen Höhen und Tiefen. Ein ruhiger und sehr berührender Abschluss.
Mit „Ihr wollt es dunkler“ zeigt Stephen King einmal mehr, wie vielseitig er als Erzähler ist. Die Geschichten bewegen sich zwischen Horror, Tragik, schwarzem Humor und nachdenklichen Momenten. Manche lassen einen frösteln, andere gehen direkt ins Herz. Mich hat dieser Kurzgeschichtenband auf ganzer Linie überzeugt. Jede einzelne Story habe ich genossen und dabei wieder gemerkt, wie sehr King es versteht, mit wenigen Seiten ganze Welten zu erschaffen und mich direkt hineinzuziehen.
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