Sonntag, 12. Juli 2015

Rezension: Love - Stephen King

© Random House

Meine Bewertung ★★★


SHORT FACTS

Titel: Love
Autor: Stephen King
Verlag: Heyne 2006
Seiten: 736
ISBN: 9783453265325

 


Ehe-Wahnsinn


Liseys Ehemann ist tot. Der berühmte Schriftsteller Scott Landon ist vor zwei Jahren einer Lungenentzündung erlegen und Lisey muss langsam aber sicher den Nachlass ihres Mannes aufarbeiten. Immerhin schreit die halbe Welt nach dem schriftstellerischen Vermächtnis des Autors und für Lisey ist es an der Zeit, "Adieu" zu ihrem verstorbenen Gatten zu sagen, weil er eben tot ist und nie wieder kommt. Oder etwa nicht?

Anfangs lernt man Lisey kennen. Sie ist Mitte 50, reich, allein, Witwe. Gut 2 Jahre ist es her, dass ihr Mann gestorben ist. Jahrzehntelang war ihre Aufgabe die, der Gefährtin des berühmten Schriftstellers Scott Landon, und nun ist er tot, hat sie allein gelassen. Allein mit seinem Büro in der alten Scheune, allein mit dem großem Haus und allein mit den Geiern, die sich alle auf seine schriftstellerischen Ergüsse stürzen möchten. Lisey hat es lang genug vor sich hergeschoben und macht sich endlich mit einer ihrer Schwestern dran, Scotts Büro auszuräumen, um dessen Inhalt den Hyänen zum Fraß vorzuwerfen. Oder ist es dafür sogar schon zu spät?

Denn ein besonders engagierter Landon-Fan droht ihr und stopft die tote Nachbarskatze in den Briefkasten, während Lisey meint, Hinweise ihres verstorbenen Mannes zu entdecken.

Der Einstieg in die Geschichte ist sehr schwierig gestaltet. Von Beginn an hat man es mit einer besonders diffusen Pärchensprache zutun, so wie sie wohl jeder kennt, der schon einige Zeit in einer Beziehung gelebt hat. Wörter, Gesten, Gegenstände - viele Paare verständigen sich in Symbolen, die nur sie kennen, entwickeln eine eigene Sprache, die nur sie verstehen und verwenden Gesten, die nur sie gegenseitig deuten können. Stephen King lässt Lisey Resümee über ihre Ehe ziehen, sie verliert sich in Erinnerungen, denkt in dieser Paarsprache und vergisst darüber ganz die Realität, die ihr im wahrsten Sinne des Wortes mit den Fäusten droht.

Während der ersten 300 Seiten habe ich mir gedacht, dass es wohl das schlechteste King-Buch ist, das ich jemals gelesen habe. Die diffuse Sprache, die berüchtigten Klammern (ja, die können einen ordentlich auf die Nerven gehen) und diese Komplexität hinter den einzelnen Szenen, die man nur ahnen, aber lange Zeit nicht greifen kann.

Und dann hat der Meister sein Können gezeigt! Und ja, es war gut, so gut! Man muss eben diesen schwierigen Einstieg schaffen, der im Nachhinein betrachtet tatsächlich nötig ist, damit sich der Horror so richtig entfalten kann.

Denn schaurig wird es allemal, und wie! Lisey erinnert sich nach und nach an die dunkle Seite ihrer Ehe, an Ereignisse, die sie verdrängt hat, und an einen Ort, an dem das Böse lauert, auch nach Scotts Tod.

Wer noch nie ein Buch von Stephen King gelesen hat, sollte meiner Ansicht nach keinesfalls ausgerechnet damit beginnen. Es ist ein sehr persönliches Werk, wie es der Autor angeblich selbst bezeichnet, dabei hege ich trotzdem die Hoffnung, dass es nicht zu persönlich ist. Denn falls doch, dann sind Mr. und Mrs. King nicht nur wahnsinnig, sondern krank, richtig krank.


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Kommentare:

  1. Huhu,
    früher habe ich wahnsinnig viel von King gelesen, inzwischen habe ich aufgrund der ganzen Ein-Wort-Titel und ähnlichen Cover (Pilse, Wahn, Love...) aber ein wenig den Überblick verloren, was ich schon gelesen habe. Im Regal steht Love auf jeden Fall, aber ich erinnere mich nicht...
    LG anja

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    1. Hallo Anja,

      also, falls du es schon gelesen hättest, dann würdest du dich meiner Meinung nach daran erinnern ... glaube ich zumindest.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Das hatte ich bei nem King auch schon mal... weiß gar nicht mehr welcher das war *grübel* Aber am >ende konnte es mich überzeugen. LG Danni

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  3. Hab noch keins von ihm gelesen - also dann doch erst mal nicht. ;)

    Liebe Grüße - Lenchen

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    1. Hallo Lenchen,

      nein, für den Einstieg würde ich fast "Friedhof der Kuscheltiere" empfehlen. Zumindest war das mein erstes Buch von Stephen King.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  4. Huhu Nicole,

    früher hab ich jedes Buch des "Meisters" verschlungen. Und sein Schreibstil war eigentlich noch nie richtig einfach zu lesen (finde ich zumindest), aber vielleicht genau deshalb so genial ;)
    Mein absolutes Lieblingsbuch ist The Stand - Das letzte Gefecht. Das muss ich demnächst unbedingt nochmal lesen ;)

    Love habe ich auch im Regal, aber bisher noch ungelesen. Das sollte ich bald ändern! :)

    Liebe Grüße vom Lesemonsterchen Dani

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    1. Hallo Dani,

      "The Stand - Das letzte Gefecht" habe ich ganz oben auf meiner Wunschliste, denn es wird dieses Jahr noch neuveröffentlicht. Ursprünglich sollte es im August erscheinen, mittlerweile ist es Dezember. Bin schon sooo neugierig drauf

      Ja, "Love" sollest du lesen, wenn du King magst. Es hat was.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  5. Huhu Nicole :-)

    Dieses Buch von King kannte ich jetzt noch nicht. Aber ich bin ehrlich ich habe ein wenig den Überblick über seine Bücher verloren.
    Deine Rezi hat mich neugierig gemacht, also ab mit Love auf die WuLi :-)

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    1. Hallo Jacqueline,

      sehr fein, aber man muss sich drauf einlassen und wirklich durchhalten. Bin gespannt, was du dazu sagen wirst!

      Liebe Grüße,
      Nicole

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