Mittwoch, 19. August 2015

Blogtour: Das Mondmalheur | Autoreninterview mit Anette Kannenberg

Zeit für eine Blogtour 

Heute haben wir tatsächlich schon die letzte Station unserer Blogtour erreicht.

Gestern hat uns Nadja von Bookwormdreamers einiges über die Wahrnehmung von Humor und Satire gezeigt und heute darf ich zum Abschluss die einzige, unnachahmliche und außergewöhnliche Anette Kannenberg im Interview präsentieren. 

HIER kann man mehr über die Blogtour zu "Das Mondmalheur" von Anette Kannenberg erfahren.



Anette Kannenberg im Interview

Jetzt haben wir während der letzten Tourtage schon so viel über dein Buch „Das Mondmalheur“ erfahren, dass wohl alle neugierig sind, wer Murray und Cornelius diesen Schlamassel eingebrockt hat. Anette, magst du uns bitte kurz deine „Short Facts“ liefern?

Der Schlamassel kommt ja erst noch! ;)

Ich bin 1974 in Berlin-Schöneberg geboren, verfüge trotz alledem leider über keinen nennenswerten Berliner Akzent – außer, ich rege mich auf. Ursprünglich wollte ich Lehrerin werden, habe dafür einige Jahre Germanistik studiert, das Ganze dann kurz vor Schluss erfolgreich geschmissen. Zum Glück fing mich 1999 die Internetblase auf, und mein Leben als Grafikerin und Webdesignerin begann. Und weil es damals schon geklappt hatte, ohne abgeschlossene Ausbildung was zu werden, beschloss ich irgendwann, ein Buch zu schreiben. Ich glaub, das hat auch ganz prima geklappt.

Seit dem 11.1.11 genieße ich mit meinem Mann das Inselleben und hab’s bisher noch nicht bereut.


Auf deiner Homepage kann man einige Happen über dich aufschnappen. Wie lebt es sich so auf Lanzarote?

Recht gut, wenn man Wind und Wellen mag. Gerade der Winter ist hier angenehmer zu ertragen, da die Tage länger und damit heller sind. Vor dem geplanten Wochenend-Picknick muss man sich keinen Plan B für schlechtes Wetter bereitlegen, denn zumindest im Sommer ist es furztrocken auf der Insel. Die Landschaft ist sehr eigen, es gibt wenig bis keine Bäume, und trotzdem liebe ich die paar Palmen und das Meer und vor allem die erstarrte Lava, die die halbe Insel bedeckt. Man könnte fast sagen, an einigen Ecken sieht es hier aus wie auf dem Mond.

An die oberkörperfreien Touristen im Hummer-Look, die sich durch die Straßen schieben, gewöhnt man sich übrigens fast genau so schnell wie an den täglichen Knoblauchgenuss, gebratene Tintenfischtentakel und ein bisschen Takatuka hier und da.


Aber nicht nur die Homepage, sondern auch das Cover deines aktuellen Buches sind sehr gelungen. Laut Impressum warst du da selbst am Werk, was steckt dahinter? 

Meine Brötchen verdiene ich hauptsächlich mit Illustrationen und Grafik, habe, als ich noch in Deutschland lebte, zusammen mit meinem Mann Ollie (genau, das ist der aus der Widmung) eine kleine Webdesign-Firma gehabt. Das führen wir hier weiter. Unsere Kunden sind uns treu geblieben, es gibt sogar einen, der uns einmal im Jahr hier besucht, um Projekte durchzusprechen.

Dank Ollies Programmierkünsten besitze ich übrigens mehrere Websites: Eine für die Autorin Anette, eine andere für die Illustratorin Nedde, eine für die Firma, eine für „Das Mondmalheur“ und ein paar mehr. Jeder lebt seine latente Schizophrenie wohl auf andere Weise aus.


Der Dodo auf dem Cover ist übrigens ursprünglich ein Pelikan, den ich in Photoshop ein bisschen „umgemodelt“ habe.



„Das Mondmalheur“ ist im Eigenverlag erschienen. War das eine bewusste Entscheidung? Würdest du es wieder tun?

Ja und vielleicht.

Als ich mit dem Roman fertig war, informierte ich mich recht gründlich über die Möglichkeiten, mein Manuskript an Verlage zu schicken. Aber ich hatte keine Lust, dass mir jemand das Buch zerredet, meine vielen, schönen Adjektive streicht, Sätze kürzt und mir damit womöglich die Lust am Schreiben nimmt. Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, den Weg ohne Verlag zu gehen.

Als Illustratorin unter anderem von Kinder-, bzw. Jugendbüchern habe ich oft gesehen, wie Lektoren arbeiten, kenne also viele Regeln in dem Bereich, die ich das eine Mal beherzige, das andere Mal bewusst ignoriere. Zudem habe ich Freunde (unter anderem zwei Lehrerinnen mit abgeschlossenem Germanistikstudium), die mir bei Korrektorat und Lektorat zur Seite standen. Und natürlich gab es zahlreiche Testleser – unter anderem (m)einen Astrophysiker, der mir versichern musste, dass die abstrusen Ausflüge in die Physik wenigstens ein Mindestmaß an Logik besitzen!

Ob ein Verlag dem Buch gut getan hätte? Vielleicht. Aber es wäre nicht dasselbe. 
Das Eigene.

Dass ich eines Tages bei einem Verlag anklopfen werde, ist nicht ausgeschlossen. Im Moment bin ich aber glücklich, wie es ist.


Dein Debüt führt doch zu unterschiedlichen Meinungen, man könnte schon fast von Polarisierung sprechen. Die einen sind begeistert, die anderen perplex. Wie ist das für dich? Hast du damit gerechnet?

Absolut nicht, und ich bin überrascht, dass Du mir die Frage stellst! 
Ich dachte, ehrlich gesagt, mit einem humorvollen Buch kaum etwas falsch machen zu können, aber offensichtlich habe ich mich da selbst unter- oder überschätzt – je nach Lesermeinung. 

Wenn das wirklich so ist, freue mich jedenfalls darüber!


Und wenn wir schon bei Spezialitäten sind, wie bist du zu diesem außergewöhnlichen
Schreibstil gekommen? Skurril und heiter sind eigentlich nur Hilfswörter dafür, um dieses Lese-Erlebnis zu beschreiben. War das von Vornherein beabsichtigt?


Ja, vielleicht, keine Ahnung, hm. Ist das so? Danke.
Also, so, wie die Worte ungefiltert aus meinem Mund stolpern, so ungefiltert landen sie auch im PC. Noch ein Schwung Adjektive und Adverbien dazu sowie ein Sack Kommas und eine Handvoll Semikolons, zudem die von vielen Lektoren ungeliebten Füllwörter, und eigentlich (!) ist dann auch schon alles so, wie es sein soll. Sagte ich schon, dass ich Adjektive und Füllwörter mag?


Einzuordnen ist „Das Mondmalheur“ im Science Fiction bzw. Fantasybereich. Welche Genres liest du selbst am liebsten?

Anfangs war ich überrascht, als ein Freund meinte, ich hätte einen Science-Fiction-Roman geschrieben. Ich hatte gedacht, es wäre eher eine humorvolle Story für jedermann. 
Zugegeben, die Geschichte spielt in der Zukunft, es gibt ein Raumschiff und vielleicht ein paar Dinge, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen, aber echt jetzt? Sci-Fi? Ich? Bloß wegen des Titels und der paar Sterne auf dem Cover?

Ich glaube, vor Vollendung des Malheurs habe ich in meinem Leben nicht mehr als fünf bis sieben Science-Fiction-Bücher gelesen, bei Fantasy hat es nicht mal zu „Herr der Ringe“ gereicht.
Ich lese meist das, was mir empfohlen wird, und das kann aus jedem Genre stammen. Durch mein Studium habe ich viele Klassiker kennen- und oft auch schätzen gelernt, aber wenn ich mir mein Bücherregal anschaue, stehen neben Grass, Beckett und Mann (zum Angeben) auch Bücher von Amy Tan, Carlos Ruiz Zafón, Tana French und Ken Follet. Tatsächlich habe ich gerade mit Asimovs „Foundation“ begonnen, das mir, obwohl es Science Fiction ist, bisher außerordentlich gut gefällt. Wer darin ein Muster sieht, darf mir gerne Vorschläge für die nächste Lektüre machen! ;)


Als Fantasyautorin hast du auf jeden Fall geglänzt. „Das Mondmalheur“ wurde für den Deutschen Phantastikpreis 2015 in der Kategorie Bestes deutschsprachiges Romandebüt nominiert. Wie fühlt man sich als Autorin dabei?

Ganz großartig. Etwas verwirrt, aber großartig. Am meisten freue ich mich darüber, dass ich
eine der wenigen verlagslosen Autoren bin, die je nominiert wurden. Es zeigt mir, dass es eben nicht nur die besten Freunde sind, die einem gut zureden, sondern dass es dort draußen Menschen gibt, denen das, was ich schreibe und wie ich es tue, tatsächlich gefällt. Und das motiviert mich ungemein. Ob ich gewinnen sollte oder nicht, spielt dabei schon fast keine Rolle mehr. 


Wie bist du letztendlich auf den Titel „Das Mondmalheur“ gekommen? Warum findet sich ausgerechnet das Wort „Malheur“ - das ja eher hier bei mir in Österreich üblich ist – darin?

Mir war gar nicht bewusst, dass der Begriff in Österreich so gängig ist.

Ich liebe Sprache und altmodische Begriffe, die leider peu à peu verschwinden. Auch Berliner Begrifflichkeiten, die sich im Wortschatz meiner Mutter und vor allem meiner Tante noch fröhlich tummelten, werden immer weniger verwendet, sprachliche Feinheiten, regionale Unterschiede und das ganze Pipapo gehen dadurch immer mehr verloren. Wer sagt denn heute beispielsweise zu seinem Regenschirm Paraplü oder findet noch irgendetwas knorke? Aber ich schweife ab.

Kurz gesagt entstand der Titel aus oben genanntem Spleen für aussterbende Wörter und einem fürchterlichen Faible für Alliterationen.


Was wir noch unbedingt wissen möchten, für wen ist dein Buch geeignet? Welche Leser sprichst du damit an? Wem ist dazu geraten?

Ich denke, wichtig ist ein etwas verquerer Sinn für Humor und vor allem, Spaß an Wortspielen und Sprache zu haben. Leute, die normalerweise keine Science-Fiction lesen. Die, die ein bisschen komisch sind oder Freunde haben, die ein bisschen komisch sind.
Und die, die tatsächlich glauben, nicht komisch zu sein – ich vermute, das sind die geeignetsten Leser.



Und wie geht’s weiter? Dürfen wir uns auf eine Fortsetzung freuen? Oder steht der nächste Einzelband an?

Das Mondmalheur war ursprünglich als Einzelband geplant und ist in sich abgeschlossen. 
Leider habe ich mir das Zurücklehnen und den Erfolg genießen (hust) in dem Augenblick selbst vermasselt, als ich den Dodo als Eyecatcher aufs Cover setzte, ihn aber in der Geschichte selbst zu kurz kommen ließ. Um das wiedergutzumachen, habe ich nun zwei weitere Plots ersponnen, in denen wir einige der Charaktere aus dem Mondmalheur wiedertreffen. Mein zweiter Roman ohne Dodos wird „Der Sterbeschlamassel“ heißen. Dabei geht es ums Sterben, das Jenseits, um Geister und Zombies. Und das alles mit einem Augenzwinkern. Ist doch eine schön schräge Mischung, oder? 

Titel und Inhalt des dritten Romans werden aber noch nicht verraten. Nur soviel: Es wird diesmal – versprochen – ein Riesenhaufen Dodos auftauchen.

Ganz herzlichen Dank, Nicole, für die interessanten Fragen!

Danke, es hat mich sehr gefreut, Anette! Und ich freue mich auf ein Wiedersehen in "Das Sterbeschlamassel".



Bildrechte: © Anette Kannenberg

HIER kann man die Homepage rund um "Das Mondmalheur" besuchen.




Das Gewinnspiel:

Zu gewinnen gibt es natürlich auch etwas.  :-)

Und zwar eine signierte Print-Ausgabe von „Das Mondmalheur“ und fünf weitere eBook-Versionen im gewünschten Format.

Um die signierte Printausgabe zu gewinnen, muss ein Satz zusammengesetzt werden. Dazu ist in jedem Beitrag ein Wort markiert. Den Lösungsatz bitte bis 19.08.2015 23:59 Uhr an nadjabookworm2@gmail.com senden.

Um in den Lostopf für die E-Books zu hüpfen, wird jeder Kommentar gewertet. Pro Tag kann somit ein Los gesammelt werden. Es werden nur Kommentare gewertet, die bis zum 19.08.2015 23:59 Uhr abgegeben wurden.

Gewinnspielbedingungen
Teilnahme ab 18 Jahren oder mit Einverständniserklärung der Eltern.
Der oder die Gewinner erklären sich bereit mit der Teilnahme namentlich und öffentlich am Ende der Blogtour genannt zu werden.
Für den Verlust über den Postweg wird keine Haftung übernommen.
Eine Barauszahlung des Gewinns ist nicht möglich.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


Die Tourdaten:

13. August - Buchvorstellung bei BeatesLovelyBooks 

14. August - Vorstellung der Charaktere bei Bücherjunkies 

15. August - Vorstellung der Schauplätze bei WortGestalt

16. August - Der Mond, ein Himmelskörper bei Zeit für neue Genres 

17. August - Gesellschaftliche Hintergründe des Romans bei Weltenwanderer 

18. August - Wahrnehmung von Humor & Satire bei Bookwormdreamers

19. August - Autoreninterview - bei Zeit für neue Genres 

20. August - Gewinnerbekanntgabe auf allen Blogs


Und morgen? Morgen werden die Gewinner der Blogtour auf allen teilnehmenden Blogs bekannt gegeben. 



Viel Glück!

Kommentare:

  1. Hallo,
    das war eine interessante Blogtour, danke. Ich war gern dabei.
    LG

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  2. Guten Morgen Nicole,

    vielen lieben Dank für das sympathische Interview!
    Dieses, sowie der Rest der Blogtour, haben viel Spaß gemacht :)

    LG und einen schönen Tag an Dich!
    Jacqueline

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  3. Guten Morgen Nicole,

    ein herrliches Interview mit Anette. Wie du ja weißt, fand ich die Geschichte ja auch sehr gelungen und toll. Auch der Kontakt mit Anette fand ich sehr toll und sehr lustig. Ich freue mich schon sehr auf das neue Buch und hoffe, sie schreibt schnell :)

    Liebe Grüße,
    Uwe

    PS: Zählt meinen Kommentar bitte nicht als Stimme, da ich das Buch ja schon habe und sonst jemanden(m) die Chance "klauen" würde.

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    1. Hallo Uwe,

      auf das Sterbeschlamassel freue ich mich auch! Zombies, das kann nur gut werden. :-D

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  4. Hallo und guten Tag,

    cooler Abschluss mit dem Interview der Anette.

    Danke für diese interessante Blogtour an alle teilnehmenden Blogger.

    LG..Karin...

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  5. Hallo Nicole!
    Vielen Dank für das schöne Interview. Der Folgeroman "Sterbeschlamassel" klingt ja auch hervorragend. ;D

    Liebe Grüße,
    Leelou

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    1. Hallo Leelou,

      ja, mich hat Anette auch neugierig auf den Folgeband gemacht. Gerade Zombies - das spricht mich immer an.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  6. Dankeschön für das schöne Interview und Euch allen für die geniale Blog-Tour. Ich hab richtig Lust auf das Buch bekommen und deswegen würde ich gerne in den Lostopf hüpfen.

    Euch allen noch viele schöne Bücher !

    Liebe Grüße
    Babsi

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    1. Hallo Babsi,

      jetzt werde ich rot meine Liebe! Ich wünsche dir auch noch viele schöne Bücher, das ist ein sehr schöner Wunsch. :-)

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  7. Hallo ,

    Vielen Dank für das interessante Interview .
    Ich springe in den Lostopf weil ich glaube
    das Buch sicher spannend und interessant ist.

    Liebe Grüße Margareta

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