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| © Der Hörverlag |
| Aisling Rawle |
Verlag: Der Hörverlag 2026
Dauer: 11 h : 13 min
Dauer: 11 h : 13 min
ASIN: B0G43NDHHH
Sprecher: Yara Blümel
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★-
Gefangen im Kameralicht
Sprecher: Yara Blümel
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★-
Gefangen im Kameralicht
Zehn Frauen erwachen in einer künstlichen Anlage in der Wüste und werden Teil eines gnadenlosen Spiels, als ebenso viele Männer dazustoßen. Unter ständiger Überwachung müssen sie Paare bilden, Regeln befolgen und in absurden Challenges bestehen. Während Allianzen entstehen und die Grenzen zwischen Verlangen und Verzweiflung verschwimmen, stellt sich die Frage, welchen Preis der Sieg wirklich hat.
Wenn ein Roman mit einem Reality-TV-Setting spielt, bin ich sofort neugierig. Obwohl ich solche Formate selbst schon seit meiner Jugend nicht mehr verfolge, üben sie in Büchern eine ganz eigene Faszination aus. Ich finde es äußerst spannend, welche Spielregeln sich Autor:innen ausdenken und wie sie ihre Figuren darauf reagieren lassen. Das war vermutlich der Grund, warum ich zu „Das Spiel“ gegriffen habe.
Zehn Frauen wachen in einem abgelegenen Anwesen auf, irgendwo mitten in der Wüste. Die Männer müssen sich ihren Weg dorthin erst erkämpfen. Schon dieser Einstieg sorgt für eine gewisse Grundspannung, weil schnell klar wird, dass hier nicht alle die gleichen Voraussetzungen haben. Die Regeln sind dabei bewusst eng gestrickt. Es darf nicht über das Leben außerhalb gesprochen werden, man muss paarweise in einem Bett die Nacht verbringen und darf keine Einblicke in mögliche frühere Staffeln geben. Wer sich nicht daran hält, verschwindet aus dem Spiel.
Interessant war jedenfalls, wie sich die Dynamik zwischen den Teilnehmer:innen entwickelt hatte. Anfangs gibt man sich noch bemüht harmonisch, doch dieses fragile Gleichgewicht hält nicht lange. Misstrauen schleicht sich ein, Allianzen entstehen, Sympathien kippen. Vor allem, weil nie ganz klar ist, ob ein Verhalten wirklich echt ist oder vielleicht Teil einer Aufgabe. Das sorgt immer wieder für Nervenkitzel, auch wenn die Handlung insgesamt eher ruhig verläuft.
Im Mittelpunkt steht Lily, deren Perspektive wir folgen. Sie ist ehrgeizig, manchmal berechnend, dann wieder überraschend nahbar. Nicht immer konnte ich ihre Gedanken und Handlungsweisen nachvollziehen. Dadurch wirkt sie definitiv menschlich, weil auch im echten Leben jeder Mensch seine schillernden Facetten hat. Sie beobachtet viel, wägt ab und passt sich an. Dabei zeigt sie Seiten, die nicht immer angenehm sind.
Die Challenges brachten Abwechslung in den Ablauf, worüber ich mich sehr gefreut habe. Für mich als Leserin war es spannend zu erfahren, was sich die Autorin ausgedacht hat. Im Hintergrund bleibt einiges erstaunlich vage. Zum Beispiel gibt es Andeutungen rund um einen Krieg oder auch zur Welt außerhalb der Fernsehsendung. Beides hat mein Interesse geweckt, verläuft sich aber im Sand. Ich hätte mir hier mehr Kontext gewünscht.
In der Inhaltsbeschreibung und auf Verkaufsplattformen wird der Vergleich mit „Herr der Fliegen“ gezogen. Ganz so drastisch habe ich es nicht empfunden. Ja, die Gruppendynamik spitzt sich zu, und gegen Ende wird es auch moralisch unangenehm. Aber die ganz große Eskalation, die ich erwartet hatte, bleibt aus.
Irritierend fand ich zudem die Darstellung der sogenannten „Verlierer“. Der Klappentext lässt vermuten, dass sich dahinter mehr verbirgt, als es letztlich der Fall ist. Hier wird eine Erwartungshaltung geschürt, die so im Buch nicht wirklich eingelöst wird.
Das Finale fügt sich dann ziemlich ruhig in meinen Gesamteindruck ein und liefert keine großen Überraschungen. Es ist ein kleiner Ausblick vorhanden, aber ein richtig befriedigendes Gefühl hat sich bei mir nicht eingestellt. Ich hätte mir den Abschluss kapriziöser erwartet.
„Das Spiel“ lebt von der Idee des TV-Formats und den zwischenmenschlichen Spannungen. Die Umsetzung konnte mich nicht durchgehend fesseln. Dennoch habe ich es gern gelesen bzw. gehört, weil ich die Einblicke in dieses künstliche, von Regeln bestimmte Miteinander mochte. Ein Roman, der interessante Ansätze hat, mich am Ende aber ein wenig ratlos zurückgelassen hat.
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