Donnerstag, 30. April 2026

Rezension: Firewatch - Colin Hadler

Firewatch - Colin Hadler
© dtv
Firewatch
| Colin Hadler |

Verlag: dtv 2025
Seiten: 400
ISBN: 978-3423264631

MEINE BEWERTUNG 
- ★★★
 - 
 


Lodernde Flammen und dunkle Wahrheiten

Robin ist überzeugt, den Mörder seines besten Freundes zu kennen. Da die Polizei keine Antworten liefert, nimmt er die Sache selbst in die Hand. Um Aaron zu rächen, versucht er, das Vertrauen des Täters zu gewinnen. 

Als rund um „Firewatch“ plötzlich überall begeisterte Stimmen laut wurden und viele davon sprachen, dass dieser Thriller einmal etwas ganz anderes sei, war mein Interesse geweckt.  Deshalb musste ich natürlich selbst herausfinden, was es damit auf sich hat. Ich kann schon einmal verraten, dass ich Colin Hadler im Auge behalten werde.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Robin, dessen bester Freund Aaron seit einem Jahr verschwunden ist. Während die Polizei die Ermittlungen längst eingestellt hat, ist Robin fest davon überzeugt, den Schuldigen zu kennen. Er denkt dabei an Kian, den jungen Mann, mit dem Aaron während seiner Zeit im Nationalpark zusammengearbeitet hat. Um die Wahrheit ans Licht zu bringen, schmiedet Robin einen gewagten Plan und versucht, sich Kian anzunähern.

Parallel dazu erlebt man in einem zweiten Handlungsstrang die Geschehnisse rund um Aaron ein Jahr zuvor mit. Man erfährt, wie es überhaupt zu seinem Verschwinden gekommen ist.

Sehr gefallen hat mir, dass die queeren Figuren hier völlig selbstverständlich in die Handlung eingebunden werden. Sexualität wird nicht künstlich hervorgehoben, sondern fügt sich ganz natürlich in die Geschichte ein. Genau so wünsche ich mir das.

Allerdings brauchte die Handlung für mich zunächst etwas, um richtig in Fahrt zu kommen. Eingangs tat ich mir mit Robin nicht immer leicht, weil mich seine extreme Fixierung auf Kian stellenweise etwas irritiert hat. Aaron gilt zunächst „nur“ als verschwunden, und gerade in einem weitläufigen Nationalpark erschien es mir nicht völlig abwegig, dass jemand einfach verunglücken könnte. Deshalb konnte ich Robins fanatischen Hass auf Kian nicht immer ganz nachvollziehen. Zugleich lebt die gesamte Erzählung von dieser Besessenheit, denn ohne sie würde der Plot nicht gelingen.

Trotzdem waren Robins Annäherungsversuche an Kian unglaublich spannend zu verfolgen. Denn wenn man sich bewusst macht, dass Robin diesen Mann aus tiefster Überzeugung für einen Mörder hält und ihn gleichzeitig verführen muss, entsteht daraus eine ganz eigene Dynamik, die der Geschichte enorm viel Spannung verleiht.

Etwas zwiegespalten war ich generell bei den zwischenmenschlichen Beziehungen. Je mehr man über Aaron und seine Freundschaft zu Robin erfährt, desto öfter habe ich mich gefragt, wie Robin in Aaron überhaupt einen so engen Freund sehen konnte. Denn sympathisch war mir Aaron leider überhaupt nicht. Insgesamt war Robins Gefühlswelt für mich nicht immer durchschaubar. Seine emotionalen Bindungen und Entscheidungen konnte ich persönlich nicht durchgehend nachvollziehen. Das ist für mich aber weniger ein Kritikpunkt an der Figur selbst als vielmehr eine Frage der eigenen Wahrnehmung, denn natürlich empfindet jede Person Beziehungen anders.

Rund um das Setting hat mich alles begeistert. Die Atmosphäre im Nationalpark habe ich regelrecht genossen. Die Ruhe, die Weite und die völlige Zurückgezogenheit hatten beinahe etwas Beruhigendes, während eine latente Unruhe über allem schwebte. Auch Aarons Alltag hoch oben im Firetower, wo er allein über die Wälder wacht und beim kleinsten Anzeichen eines Brandes Alarm schlagen muss, wurde unglaublich stimmungsvoll eingefangen. Dieses Szenario hatte einfach etwas ganz Eigenes und hat der Geschichte für mich einen besonderen Touch verliehen.

Spannungstechnisch spielt Colin Hadler gekonnt mit seinen Leser:innen. Laufend streut er neue Hinweise, merkwürdige Details und Ungereimtheiten ein, die so gar nicht zu dem Bild passen wollen, das Robin sich von der Situation gemacht hat. Kian bleibt dabei durchgehend geheimnisvoll und undurchschaubar, sodass man permanent zwischen Misstrauen und Zweifel schwankt. Als Leser:in tappt man bis zuletzt völlig im Dunkeln.

Ab etwa der Hälfte nimmt die Geschichte dann spürbar an Tempo auf, ehe sie im letzten Viertel regelrecht explodiert. Ab diesem Punkt konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen, weil ich unbedingt wissen musste, wie sich all die losen Fäden am Ende zusammenfügen.

Mit der Auflösung habe ich in dieser Form überhaupt nicht gerechnet. Sie kam für mich überraschend, wirkte aber definitiv stimmig und nachvollziehbar, was für mich immer die beste Art von Twist ist.

„Firewatch“ ist für mich tatsächlich ein Thriller gewesen, der sich stilistisch angenehm von vielem abhebt, was man sonst in dem Genre häufig liest. Der ungewöhnliche Aufbau und die spannenden Ideen hinter der Geschichte haben mich gut unterhalten. Colin Hadler bringt hier frische Ansätze mit, die neugierig machen. Ich bin jedenfalls gespannt, ob von ihm künftig noch mehr in diese Richtung kommen wird.

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MEINE BEWERTUNG
★★★

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1 Kommentar:

  1. Hallo Nicole,
    da hat dir "Firewatch" doch sehr gut gefallen. Ich mochte die Atmosphäre und vor allem auch das tolle Ende. Das war richtig gut und unerwartet.
    Liebe Grüße
    Martina

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