Ich habe keine Ahnung, was ich von „Die Festung“ erwartet hatte. Sicherlich nicht das, was mich dann tatsächlich erwartet hat.
Bonnie springt für ihre Schwester Clara bei einer Reality-TV-Show ein. Clara hat sich das Bein gebrochen und kann deshalb nicht teilnehmen, doch beide wollen unbedingt das Preisgeld. Obwohl Bonnie von der ganzen Sache wenig begeistert ist, lässt sie sich darauf ein.
Kaum befindet sich die Protagonistin in der Show „Die Festung“, war auch ich ziemlich schnell mittendrin.
Denn dieser Schauplatz hat mir richtig gut gefallen. Ursprünglich als Verteidigungsposten der Marine errichtet, wirkt sie von außen abweisend und roh. Innen erwartet die Teilnehmer:innen eine luxuriöse Unterkunft mit allem Drum und Dran und einem fantastischen Ausblick.
Anfangs sieht es nach einer gewöhnlichen Reality-TV-Show aus. Es gibt acht Kandidat:innen, jede Menge Rätsel und Aufgaben, die Aussicht auf Ruhm und einen ordentlichen Gewinn. Bonnie versucht derweil, nicht aufzufliegen. Schließlich ist sie nicht die Frau, die eigentlich für die Show vorgesehen war.
Der Rätselwettbewerb entwickelt sich aber immer mehr zu einem richtig perfiden Spiel. Die Teilnehmer:innen werden physisch und psychisch gefordert und stellen bald fest, dass es hier um weit mehr geht. Die Atmosphäre wird zunehmend düsterer und es steht die Frage im Raum, wem hier überhaupt zu trauen ist.
Richtig gelungen fand ich den Aufbau. Es werden immer wieder Podcast-Folgen eingeschoben, in denen Bonnie nach den Ereignissen über das Geschehene berichtet. Dazu kommen die Bewerbungsgespräche der Kandidat:innen, in denen sie erzählen, weshalb sie überhaupt an der Show teilnehmen. Auf diese Weise erhält man viele Informationen aus unterschiedlichen Perspektiven und kann sich selbst einen Reim auf alles machen.
Ich hatte während des Lesens ständig irgendwelche Theorien im Kopf und habe mich wunderbar hinters Licht führen lassen. Auch die psychologische Ebene fand ich ausgezeichnet, denn hinter den Spielen und den Personen steckt deutlich mehr, als man auf den ersten Blick erkennt.
Jedenfalls zieht die Spannung immer weiter an und die Situation wird ungemütlicher. Dabei braucht es gar nicht viel Blut und rohe Gewalt, um eine Bedrohungskulisse aufzubauen.
Dann kam das Finale und ich musste bei 96 Prozent vom eBook unvermutet eine kurze Pause einlegen. Nicht, weil mir langweilig war, sondern weil ich vor lauter Spannung und Fragezeichen erst einmal Nachdenken musste.
„Die Festung“ hat mir extrem großen Spaß gemacht. Der Plot hat es in sich und die Figuren sind interessant, während die Handlung immer brenzliger wird. Umrahmt wird das Geschehen von den rätselhaften Spielen, vielen psychologischen Aspekten und einer bedeutungsvollen Symbolik.
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