Dienstag, 11. August 2026

Rezension: Hell - Shelley Burr

Hell - Shelley Burr
© DAV
Hell
| Shelley Burr |

Verlag: Argon Verlag 2026
Dauer: 11 h : 17 min 
ASIN:  B0C9V8CTTY
Sprecher: Britta Steffenhagen, u.a.

MEINE BEWERTUNG

 
★★★★- 




Heißer Cold Case 

Seit dem rätselhaften Verschwinden ihrer Zwillingsschwester lebt Mina McCreery zurückgezogen auf der abgelegenen Farm ihrer Familie im australischen Outback. Jahrzehnte später bringt ein Privatdetektiv neue Bewegung in den nie aufgeklärten Fall, obwohl Mina alles andere als begeistert von seiner Anwesenheit ist.

Eigentlich wollte ich nur einmal einen Thriller lesen, der in Australien spielt. Auf der Suche nach einem Hörbuch bin ich eher zufällig über "Hell" gestolpert. Von Shelley Burr hatte ich bis dahin nicht gehört. Ich wurde skeptisch, weil es ihr Debüt war, denn ein guter Thriller ist für mich hohe Kunst. Spannung allein reicht mir nicht, wenn Atmosphäre, Figuren und Aufbau nicht mitziehen. Ich war sehr überrascht, wie mühelos Shelley Burr all das in „Hell“ zusammenbringt. Für mich ist dieses Debüt ein echtes Ausrufezeichen.

Im Zentrum der Geschichte steht ein Cold Case, der seit mehr als zwanzig Jahren ungelöst ist. Im Sommer 1999 verschwand Minas Zwillingsschwester spurlos. Der Fall sorgte landesweit für Aufsehen und machte Mina unfreiwillig zur Berühmtheit. Heute lebt sie zurückgezogen auf der abgelegenen Farm ihrer Familie. Als der Privatdetektiv Lane Holland anbietet, den Fall neu aufzurollen, stößt er zunächst auf offene Ablehnung. Zu viele Menschen haben sich bereits an der Familiengeschichte bereichert und angebliche Spuren sind im australischen Staub versandet. Lane bleibt hartnäckig und bringt schließlich neue Bewegung in die Ermittlungen.

Schon die Figuren haben mich komplett überzeugt. Mina und Lane sind keine glattgebügelten Held:innen, sondern Menschen mit Ecken, Kanten und widersprüchlichen Gefühlen. Mina hat ihr gesamtes Leben im Schatten des Verschwindens ihrer Schwester verbracht. Einerseits liebt sie die Abgeschiedenheit der Farm und die Ruhe des Landlebens, andererseits spürt man immer wieder ihre Sehnsucht nach einem anderen Leben. Dieser innere Konflikt macht sie zu einer unglaublich interessanten Figur.

Auch Lane hat mir sehr gut gefallen. Hinter seiner Hartnäckigkeit steckt weit mehr als bloß berufliches Interesse. Nach und nach erfährt man, weshalb ihm die Aufklärung des Falls so wichtig ist und welche Ängste ihn antreiben. Geichzeitig verliert Lane nie seinen natürlichen Charme und seinen trockenen Humor. Dass ihm langsam das Geld ausgeht, verleiht der Figur zusätzlich etwas Bodenständiges.

Mina lässt sich von ihm nicht beeindrucken und schon gar nicht um den Finger wickeln. Dabei zeigt sie ihrem Begleiter mehr als einmal, wie anders das Leben in den abgelegenen Regionen Australiens läuft. Für sie ist das Alltag und ihre Gelassenheit gegenüber der Gefahren des australischen Outbacks erzählt oft mehr über den Schauplatz als viele lange Beschreibungen. Eine Szene mit einer Giftschlange hat mir diesbezüglich besonders gut gefallen und brachte mich trotz der ernsten Situation zum Lachen. 

Meiner Meinung nach ist der Schauplatz ohnehin die dritte Figur im Bunde. Shelley Burr fängt die Weite, die Abgeschiedenheit und die Rohheit des ländlichen Australiens großartig ein. Man spürt förmlich den Staub, die Hitze und die Entfernungen zwischen den Menschen. Dieses Leben wirkt gleichzeitig faszinierend und gnadenlos. Ich hatte beim Hören ständig das Gefühl, selbst auf dieser abgelegenen Farm zu stehen.

Die Handlung an sich hat mich ebenfalls überzeugt. Die Geschichte springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, ohne jemals unübersichtlich zu werden. Nach und nach setzen sich die Puzzleteile zusammen, erste Ergebnisse werden verworfen, neue Verdächtige tauchen auf und alte Gewissheiten geraten ins Wanken. 

Das Ende hat dem Ganzen schließlich die Krone aufgesetzt. Es war für mich nicht vorhersehbar und fügte sich letztendlich so stimmig in die Geschichte ein, dass ich mir keine bessere Auflösung hätte wünschen können.

„Hell“ war für mich eine herausragende Thriller-Entdeckung. Atmosphärisch, klug konstruiert, mit zwei großartigen Hauptfiguren und einem Schauplatz, den man so schnell nicht vergisst. Wer Cold Cases, interessante Figuren und Thriller in hitziger Umgebung mag, sollte dieses Debüt unbedingt im Auge behalten. 
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MEINE BEWERTUNG

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