Sonntag, 20. September 2026

Rezension: Das Geheimnis von Wych Elm House - Simone St. James

Rezension
Das Geheimnis von Wych Elm House
Simone St. James
Meine Bewertung
★★★★★
Verlag · Festa · 2024
Seiten · 480
ISBN · 978-3986761790
In Wych Elm House geht etwas um
Drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes reist Jo Manders nach Sussex, um sein Familienanwesen zu besuchen. Doch je mehr sie über seine Verwandschaft und die Vergangenheit von Wych Elm House erfährt, desto fremder erscheint ihr der Mann, den sie zu kennen glaubte. Ein mysteriöser Todesfall, alte Geheimnisse und das Gerücht eines Fluchs lassen Jo schon bald daran zweifeln, ob sie diesem Haus wirklich trauen kann.

Spukhaus-Romane lese ich wirklich sehr, sehr gern. Ich mag es, wenn ein altes Haus nicht einfach nur ein bisschen knarrt und irgendwo eine Tür von selbst zufällt, sondern wenn sich hinter dem Spuk eine Geschichte verbirgt. Das hat Simone St. James mit "Das Geheimnis von Wych Elm House" wunderbar hingekriegt.

In diesem Roman steckt um einiges mehr drin als die typische Geistergeschichte, denn er beinhaltet historische Elemente, Krimi, Mystery, Familiengeheimnisse, ein bisschen Spionage, Liebe sowie Humor und natürlich sind auch Geister dabei. Die Mischung hat mir richtig gut gefallen.

Wir sind in England, Anfang der 1920er-Jahre. Jo Manders hat ihren Mann Alex im Ersten Weltkrieg verloren, obwohl niemand genau weiß, was mit ihm geschehen ist. Wie viele Frauen, hat Jo keine Gewissheit und gilt nicht offiziell als verwitwet. Ein ziemlich großes Problem. Solange nicht bewiesen ist, dass Alex gefallen ist, bekommt sie weder eine Witwenpension noch kann sie wieder heiraten.

Damit ist Jo eine dieser "unechten" Kriegswitwen. Diesen historischen Hintergrund fand ich ausgesprochen interessant. Frauen, deren Männer nicht aus dem Krieg zurückkehrten, standen teilweise vor dem finanziellen Ruin. Sie galten weder als Witwen noch konnten sie ein neues Leben beginnen. Außerdem waren die beruflichen Möglichkeiten für Frauen damals sehr überschaubar, was die Bredouille weiter verschärfte.

Jo hat zumindest eine Tante Dottie. Dottie ist die Tante ihres verstorbenen Mannes und stellt Jo als Gesellschafterin beziehungsweise Sekretärin ein. Sie reist mit ihr in das Familienanwesen Wych Elm House, wo eine verwunderte Jo schnell feststellt, dass sie über Alex' Vergangenheit gar nichts weiß. Sie kennt ihren Mann kaum.

Je länger Jo auf Wych Elm House ist, desto mehr Geschichten hört sie über Alex, die so gar nicht zu dem Mann passen wollen, den sie in ihren Erinnerungen vor sich hat. Immer wieder denkt sie an die gemeinsame Zeit zurück und beschwört die glücklicheren Tage ihrer Ehe herauf, wobei sie jedes Detail kritisch betrachtet. Wen hat sie eigentlich geheiratet?

Als Jo auch noch Dotties verstorbene Tochter sieht, wird es richtig interessant. Denn die junge Frances ist bereits vor Jahren ums Leben gekommen. Damit ist der Spuk eröffnet.

Wirklich gruselig fand ich "Das Geheimnis von Wych Elm House" nicht, trotzdem hatte ich großen Spaß an den unheimlichen Szenen. Die Autorin versteht es, ihnen die richtige Stimmung zu verleihen.

Insgesamt ist es gar nicht so einfach, diesen Roman in eine Schublade zu stecken. Da ist die Geistergeschichte, die sich durch das alte Anwesen zieht. Dann entwickelt sich eine Krimihandlung, ergänzt durch Ereignisse während des Ersten Weltkriegs, die zweitweise beinahe in Richtung Spionagethriller gehen. Hinzu kommen eine ziemlich abgefahrene Familiengeschichte, romantische Verwicklungen und zwei Frauen, die ganz offensichtlich nicht vorhaben, sich von den Männern ihrer Zeit etwas vorschreiben zu lassen.

Jo und Dottie haben mir besonders gut gefallen. Beide sind auf ihre Art emanzipiert, ohne aufgesetzt zu wirken. Ihnen ist sehr wohl bewusst, dass die Welt nicht darauf wartet, Frauen eine Stimme zu geben. Sie reden einfach. Unterstrichen wird das Geschehen durch einen herrlich trockenen Humor, der durch die gesamte Geschichte blitzt.

Die Autorin erzählt in einem lockeren, beinahe plaudernden Ton. Ich hatte beim Lesen das Gefühl, mit Jo gemeinsam durch Wych Elm House zu spazieren, um mir anzusehen, was da eigentlich vor sich geht. Zugleich gelingt es ihr, den unheimlichem Momenten die richtige Atmosphäre zu geben.

Gelungen fand ich auch, wie selbstverständlich ernstere Themen, wie die Situation der "unechten" Kriegswitwen, in die Geschichte eingebaut wurden. Durch Jo bekommt die prekäre Situation all dieser Frauen ein Gesicht.

Mit dem Spionageanteil kommt etwas Tempo und Action hinein. Dabei werden die Verwicklungen immer dreister und die Handlung nimmt dadurch ordentlich Fahrt auf. Für meinen Geschmack hätte es zwar ruhig ein bisschen mehr Spuk geben dürfen, trotzdem hat es mir großen Spaß gemacht.

Mein Fazit
Auch wenn es keine klassische Geistergeschichte ist, wie man sie vielleicht erwartet, hat Simone St. James einen packenden Roman geschrieben, der herrlich unterhaltsam zu lesen ist. Ich hoffe jedenfalls, dass noch viele weitere Leser:innen dem Geheimnis von Wych Elm House auf die Spur kommen.
★★★★★
Mehr über dieses Buch auf Amazon* erfahren:
*Affiliate-Link = Für mich fallen ein paar Cents ab, wenn du hier kaufst. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Mit Nutzung der Kommentarfunktion akzeptierst du die Speicherung deiner Daten. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung