Dienstag, 2. August 2016

Rezension: Seelen im Eis - Yrsa Sigurdardóttir

© Fischer Verlag
Seelen im Eis
| Yrsa Sigurdardóttir |

Verlag: Fischer Verlag 2013
Seiten: 368 
ISBN: 9783596195336

MEINE BEWERTUNG 

★★ - 



Isländischer Schauerroman

Óðinn beginnt notgedrungen ein neues Leben mit seiner Tochter gemeinsam. Nachdem seine Ex-Frau gestorben ist, muss er sich um sein Kind kümmern und nimmt daher einen neuen Job in einer Behörde an. Doch als er sich gerade in das Untersuchungsmaterial über ein Erziehungsheim einarbeitet, häufen sich die mysteriösen Ereignisse und nicht nur Óðinn kriegt es mit der Angst zutun …

Óðinn muss in seinem neuen Job die Zustände eines längst geschlossenen Erziehungsheims untersuchen. Wurde damals alles korrekt gehandhabt? Oder haben sich  hier - wie in vielen anderen Einrichtungen - Dramen abgespielt? Beim Unfalltod zweier Jungen kommen bei ihm erhebliche Zweifel und allmählich eine Gänsehaut auf.

Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt. An vorderster Stelle sind Óðinn und seine Tochter Rún, die das gemeinsame Leben entdecken. Man befindet sich mit ihnen mitten in einer Umbruchphase. Neue Wohnung, neuer Job, neues Leben. Denn nun darf er nicht nur jedes zweite Wochenende Vater spielen, sondern wird durch den frühen Tod seiner Ex-Frau zur vollen Verantwortung gezogen. Die Sorgen um seine Tochter Rún und die damit einhergehenden Veränderungen machen ihm zu schaffen und noch dazu trägt sich Unheimliches in seiner Umgebung zu.


Der zweite Erzählstrang ist in den 70er-Jahren in genau diesem Erziehungsheim angesiedelt, das Óðinn in der Gegenwart untersucht. Hier begleitet man das junge Mädchen Aldís durch die Ereignisse und auch hier stellt sich beim Lesen Gruselstimmung ein.


Der ganze Thriller ist in einem unheimlich düsteren und bedrückenden Stil geschrieben. Alltagshandlungen nehmen erheblichen Raum ein und ganz gemächlich baut sich Spannung auf. Dabei empfinde ich die Bezeichnung „Thriller“ jedoch als übertrieben, passender ist meiner Meinung nach eher das Etikett Gruselroman. 


Denn gruselig war es allemal, auch wenn es an typischen Schreckmomenten fehlt. Denn Óðinn beobachtet merkwürdige Begebenheiten, die ihn langsam an seinem Verstand zweifeln lassen.


Ein düsteres, winterliches Ambiente zieht sich über alle Seiten. Egal ob man mit Aldís in den 70er-Jahren im Heim sauber macht oder mit Óðinn verzweifelt versucht eine Beziehung zu seiner Tochter aufzubauen - die Stimmung ist drückend und deprimierend. Außerdem weiß man schon im Vorhinein wie es ausgehen wird. Zumal das Ende von der Autorin gleich auf den ersten Seiten präsentiert wird, was mir trotzdem sehr gut gefallen hat. 


Ich bin lange nicht drauf gekommen, was hinter der Geschichte steckt. Im Nachhinein betrachtet war es offensichtlich, doch während des Lesens hatte ich niemals das Gefühl, dass die Handlung vorhersehbar ist. Das Ende - das richtige Ende - hatte definitiv einen Wow-Effekt parat, weil es meiner Meinung nach böse und speziell eingefädelt war. Zwar bleiben einige Fragen offen, mit denen ich aber gut leben und mich auf einen weiteren Island-Thriller freuen kann.


Yrsa Sigurdardóttir erzählt ganz ohne Klischees, dafür mit einem Händchen für eine düster-drückende Atmosphäre. Die Autorin hat mich bereits zum zweiten Mal überzeugt und mir mit ihren Schreibkünsten schaurig-schöne Lesestunden beschert.


Für Leser, die das unterschwellige Frösteln mögen, im düsteren Zusammenspiel von Winter und Schicksal Spannung finden, und sich gern auf eine Geistergeschichte einlassen, ist „Seelen im Eis“ auf jeden Fall sehr empfehlenswert.

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MEINE BEWERTUNG
★★


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Kommentare:

  1. Ich hab jetzt nur den letzten Abschnitt gelesen, da ich das Buch erstmal so lesen möcht und du mich mit deiner Kritik einfach nur daran erinnert hast, dass ich das mal dringend (!!) nachholen sollt XD

    Nur eine Frage kannst mir vllt beantworten: Das ist eine Serie oder ein Einzelband? Denn sie hat ja auch eine Serie.

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    1. Die Island-Thriller sind auf jeden Fall alle Einzelbände und ich glaube, die Island-Krimis sind eine Reihe. XD Ich habe mich da anfangs auch nicht ausgekannt. Die Krimis interessieren mich aber weniger, ich bleibe da bei den Mystery-Thrillern.

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    2. Okay, Danke! das hilft mir schon ma weiter :D

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  2. Huhu Liebes! ^^

    Mensch, ich muss wirklich unbedingt mal was von der Autorin lesen! Das Buch liegt sogar bei mir zu Hause, ich könnte also direkt anfangen. ;-) Ich mag ja eigentlich keine Krimis, aber dieses mystisch Angehauchte sagt mir schon zu.

    LG Steffi

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    1. Hallo Steffi,

      es ist kein Krimi, sondern wirklich ein Schauerroman. Also, was das angeht, brauchst du dir nichts denken.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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    2. Achso, irgendwie dachte ich, es wäre ein Krimi, weil die Autorin doch eher in diesem Genre unterwegs ist. ^^
      Aber stimmt, da steht ja auch groß "Thriller" auf dem Buchdeckel. *g*

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    3. Ja, das stimmt schon. Und viele Krimis sind ja auch als Thriller verpackt. So unrecht hast du also nicht mit deiner Annahme.

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  3. Hi :D

    Das klingt auch nach meinem Geschmack, dachte aber auch, dass es eher Krimi ist (Auch wenn Thriller draufsteht), irgendwie verströmt das Cover eher so ein Krimifeeling! Aber Schauerroman klingt gut, ich muss mich unbedingt mal wieder gruseln! :D

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      im Gruselbereich habe ich in letzter Zeit einige interessante Entdeckungen macht. :D "Geisterfjord" von der Autorin ist aber noch besser.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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