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| Quelle: Amazon * |
| Frank Goldammer |
Verlag: Audible Originals 2025
Dauer: 8 h : 25 min
Dauer: 8 h : 25 min
ASIN: B0FZCMJXHG
Sprecher: Uve Teschner
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★-
Abzählreim-Thriller für frostige Abende
Sprecher: Uve Teschner
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★-
Ein gemeinsamer Weihnachtsurlaub führt eine Gruppe alter Freunde in ein abgelegenes Ferienhaus. Was als entspannte Auszeit gedacht ist, kippt schnell, als ein Todesfall alte Spannungen freilegt und Misstrauen um sich greift. Vom Schnee eingeschlossen, wird klar, dass die größte Bedrohung nicht draußen lauert, sondern mitten unter ihnen ist.
Manchmal weiß ein Algorithmus erstaunlich gut, was man mag. Denn „Eingeschneit“ wurde mir online vorgeschlagen. Ich war sofort interessiert, da die Mischung aus winterlichem Setting, Kälte, einer abgeschiedenen Hütte und dem klassischen Locked-Room-Szenario fällt in mein Beuteschema. Außerdem war ich auf Frank Goldammer neugierig, weil ich den Autor bisher nur von historischen Krimis kannte. Daher wollte ich wissen, ob er auch Thriller schreiben kann.
Gemeinsam mit einer Clique alter Freunde kommen wir bei einer abgelegenen Hütte nahe eines Waldes an. Weihnachten steht vor der Tür, man will feiern, trinken, Musik aus Jugendzeiten hören und für ein paar Tage alles andere ausblenden.
Die Ankunft verläuft schon einmal weniger harmonisch. Gleich zu Beginn sorgen Perchten, die eine Wilde Jagd inszenieren, für einen ordentlichen Schrecken. Sie schnappen sich kurzerhand eine Frau aus der Gruppe, um den Urlaubern ein bisschen das Fürchten zu lehren. Zwar „entkommt“ das Perchtenopfer sofort und es kehrt etwas wie Ruhe ein, doch wirklich entspannt ist die Stimmung nicht. Während sie sich einrichten, zeigen sich erste Risse im Gefüge dieser Freundschaft. Kleine Sticheleien und unausgesprochene Dinge liegen spürbar in der Luft.
Das eigentliche Szenario nimmt Fahrt auf, als ein mehrtägiger Schneesturm die Region komplett von der Außenwelt abschneidet. Keine befahrbaren Straßen, kein Internet, kein Handyempfang. Der Truppe ist die Überforderung mit der Situation deutlich anzumerken. Sehr gut gefallen hat mir übrigens der Abstecher ins nahegelegene Dorf, bei dem man richtig merkt, dass die Charaktere eher an die Stadt gewöhnt sind. Die Gruppe fühlt sich alles andere als willkommen. Im Wirtshaus wird kaum gesprochen, eine Speisekarte gibt es nicht und tagsüber wirkt alles seltsam ruhig. Dieser Eindruck der Winterurlauber hatte für mich fast etwas Humorvolles, weil er wohl auf so manches Dorf zutreffen könnte. Trotzdem wird das Gefühl verstärkt, dass hier etwas nicht stimmt.
Und dann geschieht es. Einer von ihnen ist tot, und aus dem weihnachtlichen Beisammensein wird ein gefährliches Rätsel. Motive werden gesucht, Verdächtigungen ausgesprochen, jede Handlung und jede Beobachtung wird neu bewertet. Hier hat mir das Miträtseln großen Spaß gemacht, weil zunehmend Misstrauen aufkommt. Es brechen alte Verletzungen auf, Schuldzuweisungen fliegen hin und her, und die Stimmung scheint bald endgültig zu kippen. Zwischen Perchten-Masken und tiefem Schnee bröckelt die Fassade der Freundschaft schneller, als man „Glühwein“ sagen kann.
Die Figuren bleiben insgesamt eher grob gezeichnet. Man darf hier keine tiefgehende Charakterstudie erwarten und vergisst auch schnell, wem welche Eigenschaften zugeschrieben sind. Für diese Art von Geschichte finde ich das in Ordnung und es hat mich nicht gestört. Der Autor konzentriert sich klar auf die Handlung und das Spiel mit den Verdächtigungen. Meiner Meinung nach hat es gut funktioniert.
Immer wieder stehen die Perchten als mögliche Täter im Raum, während sich die Freunde gegenseitig Druck aufbauen. Dabei sind einige der geschilderten Details durchaus etwas blutig und könnten auf zarte Nerven grausam wirken. Die Eskalation innerhalb der Gruppe hat mir gut gefallen, da sich die Situation dadurch zuspitzt und letztendlich hat mich die Auflösung überrascht. Vielleicht war sie ein wenig überzogen, doch meinem Eindruck nach hat sie gut zum Ton der Geschichte gepasst.
Natürlich ist „Eingeschneit“ keine große Literatur. Dafür ist es ein solider Abzählreim-Thriller, bei dem der:die Leser:in über mehrere Opfer stolpert und sich in einem stimmigen Wintersetting aufhält. Ich hatte Spaß am Mitfiebern, an den Reaktionen der Beteiligten und habe staunend beobachtet, wie sich manche Konflikte gegenseitig befeuern.
Alles in allem empfand ich die Hörbuchumsetzung als gelungen. Uve Teschner moduliert seine Stimme stark, um die einzelnen Personen unterscheidbar zu machen. Bei einem Charakter hat er einen derart enervierenden Tonfall gewählt, dass ich innerlich jedes Mal die Augen verdreht habe, sobald dieser den Mund aufgemacht hat.
Unterm Strich ist „Eingeschneit“ ein unterhaltsamer Winter-Thriller, wenn man abgeschlossene Schauplätze mag, gerne ein bisschen grübelt und Blutspritzer gut aushalten kann.
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