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| © Insel Verlag |
| Marie Hermanson |
Verlag: Insel 2022
Seiten: 336
ISBN: 978-3458682349
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★ -
ISBN: 978-3458682349
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★ -
Mord nach Vorlage
Göteborg im Jahr 1925: Kommissar Nils Gunnarson ermittelt in einem Mordfall, der auffällige Ähnlichkeiten zu einem bekannten Kriminalroman besitzt. Seine Spurensuche führt ihn zur abgeschiedenen Insel Bronsholmen, die als sogenannte Pestinsel berüchtigt ist.
Bei diesem Buch haben mich drei Aspekte besonders gepackt. Da ist die titelgebende Pestinsel, weil mich der Umgang mit Quarantäne und Isolation in früheren Zeiten schon immer fasziniert hat. Dann das Göteborg der 1920er-Jahre, immerhin eine Phase des Umbruchs, in der alte Strukturen bröckeln und ein neuer Zeitgeist spürbar wird. Und schließlich der Kriminalfall selbst, der sich an einer literarischen Vorlage bedient, diesen Kniff fand ich ausgesprochen spannend.
Wir begleiten Kommissar Nils Gunnarson durch seinen Arbeitsalltag, der mit einem Leichenfund in einem heruntergekommenen Hafenviertel beginnt. Die Menschen leben hier vom Treibgut und halten sich mehr schlecht als recht über Wasser. Schon hier zeigt sich, dass die Polizeiarbeit in diesem Buch nicht glorifiziert wird. Nils ist kein Held. Er drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern wirkt wie ein ganz normaler Mann, der überlegt handelt und sich dennoch nicht alles gefallen lässt. Diese unaufgeregte Art hat mir sehr imponiert. Ich mag Charaktere mit Ecken und Kanten, die nicht gleich in ein seelisches Loch fallen oder zum heroischen Höhenflug ansetzen.
Mit dem Mordfall öffnen sich schnell weitere Ebenen. Die Parallelen zu einem fiktiven Roman haben mich sofort gepackt, ebenso die Verbindung zur Insel Bronsholmen. Als berüchtigte Pestinsel entfaltet sie eine ganz eigene Anziehungskraft. Sie ist nicht nur Schauplatz, sondern trägt ein Stück Geschichte in sich, das im Laufe der Ermittlungen nach und nach freigelegt wird.
Die Handlung entfaltet sich in einem konstanten Tempo. Anfangs geht es weniger um plötzliche Schockmomente als um ein beharrliches Dranbleiben. Ermittlungen verlaufen im Sand, neue Spuren tun sich auf, kleine Erfolge wechseln sich mit Rückschlägen ab. Dazwischen fließen Einblicke in Nils’ Privatleben ein, die das Lebensgefühl dieser Zeit wunderbar transportieren. In der zweiten Hälfte zieht das Geschehen dann deutlich an und schlägt Haken, die ich so nicht erwartet hätte.
Mit Ellen Grönblad wird noch einmal eine andere Dynamik hineingebracht. Sie ist ehrgeizig, zielstrebig und versteht sich als Teil einer neuen Generation von Frauen. Was anfangs wie ein Nebenstrang wirkt, entwickelt sich zu einem wichtigen Teil der Story. Besonders gelungen fand ich, dass hier keine klassische Liebesgeschichte konstruiert wird. Stattdessen entsteht eine Verbindung, die sich stimmig einfügt und viele spannende Facetten vereint.
Die historischen Details haben mir generell sehr gut gefallen. Die Autorin lässt sie ganz selbstverständlich einfließen, ob es die Entwicklung der Polizei ist, der zunehmende Verkehr in der Stadt oder der Blick auf die Kriminalliteratur selbst. Auch Themen wie Armut und Schmuggel schwingen immer wieder mit und machen das Göteborg der 20er-Jahre sichtbar. Man lässt sich ohne Mühe in diese Atmosphäre hineingleiten.
Der Aufbau erinnert stellenweise an einen klassischen Agentenfilm, bleibt dabei aber angenehm zurückhaltend. Meinem Empfinden nach gibt es keine übertriebenen Ausschläge. Die Geschichte entfaltet sich Schritt für Schritt und tänzelt dabei immer wieder auf Zehenspitzen, ohne den Boden unter den Füßen zu verlieren.
Meiner Meinung nach ist „Die Pestinsel“ ein Kriminalroman, der von der ersten Seite an fesselt. Die Mischung aus Ermittlungsarbeit, historischem Rahmen und Figuren, die nicht in Klischees versinken, sorgt für ein rundum stimmiges Leseerlebnis.
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Huhu Nicole,
AntwortenLöschenErst einmal muss ich mich dafür entschuldigen, dass ich schon lange nicht mehr bei dir vorbei geschaut habe. Du hast ja in der Zeit echt viele spannende Bücher gelesen. Krimis, die in den 20ern spielen, finde ich auch spannend und hier spricht mich der historische Anteil mit der Pestinsel auch echt an. Vielleicht finde ich das Buch mal irgendwo.
Liebe Grüße
Jessi
Hallo Jessi,
Löschendas macht ja nichts und ich freue mich, dass du vorbei schaust. Manchmal klappt es mit den Besuchen eben besser und manchmal schlechter, je nachdem, was gerade rundherum so läuft. Ich habe es auch erst heute wieder zum Blog geschafft. :D
"Die Pestinsel" fand ich wirklich sehr stimmungsvoll und es hat meine Erwartungen übertroffen. Und ja, die 1920er-Jahre finde ich in Büchern auch recht interessant. Diese Zeit kommt relativ selten vor, wenn man es zum Beispiel mit Büchern in den 1940er-Jahren vergleicht. Dabei war das Leben damals auch alles andere als einfach.
Liebe Grüße
Nicole
Schönen guten Morgen!
AntwortenLöschenDas freut mich jetzt sehr dass dir das Buch so gut gefallen hat! Ich hab das ja auch schon eine Weile im Blick, aber ich werde dann doch erstmal "Der Sommer in dem Einstein verschwand" lesen. Das ist ja der erste Band dieser Reihe - und fällt durch das Cover komplett raus *lach* Die beiden Fortsetzungen sind viel stimmungsvoller vom optischen her. Aber bei Reihen bin ich da etwas eigen. Den hattest du ja nicht gelesen oder?
Ich hatte nur gesehen dass auch "Im Finsterwald" eingezogen ist bei dir?
Liebste Grüße, Aleshanee
Hallo Aleshanee,
Löschenich habe mal wieder nicht gecheckt, dass es sich um eine Reihe handelt und bin mittendrin eingestiegen. :D Dennoch lässt es sich gut lesen und genau, auch den Folgeband, "Im Finsterwald", habe ich mittlerweile am SuB geparkt. Ich habe auch nirgends einen Hinweis gefunden, wie hier die Reihenfolge oder ähnliches ist. Stand da wohl ordentlich am Schlauch. :P
Liebe Grüße
Nicole
Da bist du nicht alleine :) Das ist mir auch schon so oft passiert - ein Grund, warum ich mittlerweile als "Buch Plattform" hauptsächlich goodreads nutze, weil das weltweit ist. Das heißt ich sehe auch die englischen Vorlagen zu den deutschen Übersetzungen (zum Beispiel) und da sieht man dann dass es sich um Reihen handelt, weil da ja oft schon 1-2 Bände mehr erschienen sind.
LöschenGrade jetzt erscheint z. B. ein neues Buch im Juni: Ein Haus aus Salz und Tränen von Erin A. Craig
Von der Autorin hab ich kürzlich einen tollen Einzelband gelesen und mich voll gefreut. Auf der Verlagsseite steht nix von einer Reihe. Ich hab aber auf goodreads geschaut und es ist der erste Teil ... Das hätte mich sehr geärgert wenn ich ihn mir jetzt geholt hätte und dann wieder ein Jahr warten hätte müssen.
Ich schau mittlerweile fast bei jedem Buch nach das ich auf die Wunschliste packe (die ich auch bei goodreads hab), weil das einfach so oft vorkommt.
Ja, das ist mir manchmal aufgefallen, dass manche Bücher im deutschen Sprachraum nicht der Reihenfolge nach übersetzt bzw. verlegt werden. Aber auch bei deutschsprachigen Büchern ist mir das Phänomen schon begegnet. Zum Beispiel ist da die Reihe um Milla Nova von Christine Brand. Die Krimireihe mag ich ja recht gern, nur hatte ich beim ersten Band das Gefühl, dass ich mitten in einer Reihe einsteige. Keine Ahnung, ob da frühere Werke einfach nicht verlegt wurden oder die unter einem ganz anderen Gewand erschienen sind.
LöschenÄrgerlich ist es für mich bei Büchern, die sich erst später als Reihe entpuppen, obwohl das gar nicht so gedacht war. :P
So oft kenne ich das tatsächlich nicht, nur ab und zu fällt es mir auf... zum Glück.
LöschenUnd da ich mittlerweile eigentlich IMMER auf goodreads schaue (weil ich sie dort auch auf meiner Wunschliste eintrage) sehe ich auch gleich ob es zu einer Reihe gehört. Auf goodreads ist das wirklich sehr gut eingetragen. Wobei da manchmal auch Fehler drin sind, das bleibt ja nicht aus. Aber bisher ist es die für mich zuverlässigste Plattform in der Hinsicht.
Bei goodreads kenne ich mich, ehrlich gesagt, nicht so gut aus. Bezüglich Reihen google ich meistens. Nur, wenn mir nicht bewusst ist, dass es eine Reihe ist, dann hilft das halt auch nicht, weil ich dann nicht recherchiere. XD
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