Mittwoch, 24. Juni 2026

Rezension: Die Hazienda - Isabel Cañas

Die Hazienda - Isabel Cañas
© Festa
Die Hazienda
| Isabel Cañas |

Verlag: Festa 2024
Seiten: 448
ISBN: 978-3986761189

MEINE BEWERTUNG 
- ★★★
 - 
 


Interessanter historischer Hintergrund

Nachdem Beatriz im Zuge des mexikanischen Unabhängigkeitskrieges nahezu alles verloren hat, setzt sie ihre Hoffnung auf eine Zukunft an der Seite von Don Rodolfo Solórzano. Doch in der abgelegenen Hazienda von San Isidoro erwarten sie nicht nur düstere Gerüchte, sondern auch zunehmend beunruhigende Erscheinungen. Auf der Suche nach Antworten gerät Beatriz immer tiefer in ein Netz aus Aberglauben, Geheimnissen und übernatürlichem Schrecken.

"Die Hazienda" ist wieder so ein Roman, der zwar mit Geistern und düsteren Erscheinungen lockt, mich letztlich aber vor allem mit seinem historischen Hintergrund und den gesellschaftlichen Themen überzeugt hat. Die Geschichte spielt nach dem mexikanischen Unabhängigkeitskrieg um 1821 und begleitet Beatriz, deren Familie alles verloren hat. 

Sie setzt all ihre Hoffnungen auf die Ehe mit dem wohlhabenden Don Rodolfo Solórzano. Doch schon bald zeigt sich, dass sich auf der abgelegenen Hazienda von San Isidoro einiges gegen die neue Frau an seiner Seite sträubt und hier dunkle Geheimnisse verborgen sind. 

Die ersten Nächte in dem stattlichen Anwesen sorgen für eine angenehm schaurige Stimmung. Immer wieder wird Beatriz von verstörenden Visionen heimgesucht und sie spürt eine Bedrohung, die sie nicht zur Ruhe kommen lässt. Zudem sind Misstrauen und Spannungen allgegenwärtig. Auch Beatriz' neue Schwägerin Juana macht ihr das Leben schwer, während die Vergangenheit der Familie Solórzano mehr und mehr ihre Schatten wirft. Dass nach Einbruch der Dunkelheit niemand das Haus betreten will, trägt definitiv zu einem allgemeinen Unbehagen bei. 

Die Gruselelemente haben mich durchaus bei der Stange gehalten, auch wenn sie mich nicht so schauern ließen, wie ich es gehofft hatte. Dafür haben sie sich gut in die Handlung eingefügt und die Stimmung des Romans getragen. 

Obwohl es einige gruselige Szenen gibt, hat mich vielmehr der historische Kontext gepackt. Isabel Cañas beleuchtet die Spannungen zwischen der indigenen Bevölkerung und den spanischstämmigen Mexikanern und zeigt dabei, wie tief die Folgen von Kolonialismus und Ausbeutung bis in den Alltag hineinreichen. Vor allem die Hazienda selbst wird dabei zu einem Sinnbild für die gesellschaftlichen Ungleichheiten, die das Land prägen.

Ebenso spannend fand ich die religiösen Konflikte, die eng mit den übernatürlichen Ereignissen verwoben sind. Besonders Padre Andrés ist eine Figur, die mir sehr gut gefallen hat. Sein innerer Zwiespalt zwischen christlichem Glauben und dem Wissen seiner Vorfahren wird glaubwürdig und feinfühlig dargestellt. Überhaupt mochte ich, dass Isabel Cañas ihren Figuren viele Facetten verleiht und dabei auch Themen wie Herkunft, Identität und Vorurteile aufgreift. Selbst Beatriz bleibt von gesellschaftlichen Erwartungen und Ausgrenzung nicht verschont.

Insgesamt ist "Die Hazienda" faszinierend zu lesen. Der Roman bietet nicht nur zahlreiche unheimliche Momente, sondern verbindet diese mit einem interessanten historischen Hintergrund und einem Schauplatz, der lange seine Geheimnisse wahrt. Wer in erster Linie einen waschechten Schauerroman erwartet, könnte möglicherweise etwas anderes bekommen als gedacht. Für mich hat der Blick auf die Geschichte Mexikos und die damit verbundenen gesellschaftlichen Spannungen den Roman ausgemacht. Solche Perspektiven begegnen einem vergleichsweise selten und genau deshalb fand ich das auf jeden Fall bereichernd.

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MEINE BEWERTUNG
★★★

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