Samstag, 13. Juni 2026

Rezension: Die Klippe - Ulf Kvensler

Die Klippe - Ulf Kvensler
© Penguin
Die Klippe
| Ulf Kvensler |

Verlag: Penguin 2026

Seiten: 384
ISBN: 978-3328114031

MEINE BEWERTUNG 
- ★★★
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Böse verspieltes Funkeln zwischen den Seiten
 
Marcus steckt seit Längerem in einer kreativen Krise und wartet vergeblich auf den nächsten großen Erfolg. Als ihn ein alter Bekannter um einen scheinbar harmlosen Gefallen bittet, gerät eine Kette von Missverständnissen ins Rollen. Plötzlich wird er als Autor eines gefeierten Krimis gehandelt. Der schöne Schein hat seinen Preis. Schon bald entwickelt sich daraus eine böse Spirale aus Täuschung, Geheimnissen und immer neuen Lügen.

Mit Ulf Kvensler ist für mich vor einigen Jahren ein Thrillerautor aufgetaucht, an dessen Neuerscheinungen ich kaum vorbeikomme. Er erzählt anders, düster und mit einem böse verspielten Funkeln zwischen den Seiten, ohne dabei ins Überzeichnete abzurutschen oder blutig zu werden. Seine Geschichten überraschen mich immer wieder mit ihren Abgründen. Meinem Eindruck nach hat er sich mit „Die Klippe“ selbst übertroffen.

Im Mittelpunkt steht Marcus, dessen glanzvolle Zeiten als erfolgreicher Autor längst vorbei sind. Einst wurde er für seinen Bestseller gefeiert, heute trägt er Briefe aus und kämpft mit einer Schreibblockade.

Die Einblicke in die Welt des Schreibens haben mir ausgesprochen gut gefallen. Als Vielleserin musste ich dabei unweigerlich an jene literarischen One-Hit-Wonder denken, die von der Bildfläche verschwunden sind. Ulf Kvensler zeichnet diesen Erfolgsdruck und die Angst vor dem Scheitern unglaublich authentisch nach.

Anfangs scheint die Geschichte in eine recht offensichtliche Richtung zu laufen. Das Missverständnis um einen fremden Bestseller und die daraus entstehende Erpressbarkeit liegen beinahe auf der Hand. Doch daraus entwickelt sich etwas, das mich vollkommen gefesselt hat. Immer tiefer gerät der Protagonist in einen Strudel aus Lügen, Schuldgefühlen und verhängnisvollen Entscheidungen. Dabei erinnerte mich seine innere Zerrissenheit stellenweise sogar an „Schuld und Sühne“ von Fjodor Dostojewski. Man spürt förmlich, wie der Druck auf ihm lastet, wie er nach Auswegen sucht und sich gleichzeitig immer weiter in seine unangenehme Lage hineinmanövriert.

Besonders beeindruckt hat mich, wie vielschichtig Marcus gezeichnet ist. Lange hielt ich ihn für einen gewöhnlichen Menschen, der in eine ausweglose Situation geraten ist. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto deutlicher offenbaren sich seine dunklen Seiten. Seine Entscheidungen geschehen nie aus dem Affekt heraus. Er denkt nach, zweifelt, redet sich vieles schön und versucht, sein Handeln vor sich selbst zu rechtfertigen. Diese Gedankenspiralen haben mich regelrecht an das Buch gefesselt.

Die Nebenfiguren tragen ihren Teil dazu bei, dass sich die Schlinge immer enger zieht. Manche Beziehungen verändern sich auf von ihm unerwartete Weise und Marcus wird mit neuen Problemen konfrontiert. Kaum glaubt man, er hätte den Tiefpunkt erreicht, öffnet sich bereits die nächste Falltür. Dadurch entwickelt die Geschichte einen regelrechten Sog, dem ich mich kaum entziehen konnte.

Auch das Ende hat für mich hervorragend funktioniert. Ulf Kvensler liefert keine bis ins letzte Detail ausformulierte Auflösung, sondern entlässt seine Leserinnen und Leser mit vielen offenen Fragen. Ich weiß, dass genau solche Schlussakkorde nicht jedermanns Sache sind und manche sich mehr Eindeutigkeit wünschen. Meiner Meinung nach hat es jedoch perfekt zur Geschichte gepasst. 

Im Nachhinein finde ich auch den Titel ausgesprochen passend. Der Hauptcharakter steht während der gesamten Handlung bildlich an einer Klippe. Mit jeder Entscheidung wagt er sich näher an den Abgrund, ohne zu wissen, ob und wann er endgültig abstürzen wird.

Für mich war „Die Klippe“ ein packender, böser Spannungsroman und zugleich eine faszinierende Studie über Schuld, Selbsttäuschung und die dunklen Seiten der menschlichen Natur. Mich hat die Handlung nicht losgelassen und ich war bis zum Schluss begeistert. Meiner Meinung nach ist dieser Roman der bisherige Höhepunkt des Autors. 
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MEINE BEWERTUNG

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