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| © Heyne |
| Linda Schipp |
Verlag: Heyne 2026
Seiten: 400
ISBN: 978-3453443983
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★ -
ISBN: 978-3453443983
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★ -
Etwas abgehobene Entwicklungen
Das Hotel Guilty Pleasure erfüllt seinen Gästen jeden geheimen Wunsch. Es liegt abgeschottet von der Außenwelt und verborgen auf einer tropischen Insel. Für Besucher scheint es der perfekte Ort zu sein, um ihren Fantasien freien Lauf zu lassen. Doch keiner weiß, dass jede Bewegung überwacht wird.
Um diese Jahreszeit greife ich gerne zu Thrillern mit Urlaubsflair. Dabei muss die Handlung für mich gar nicht besonders raffiniert sein. Ein außergewöhnlicher Schauplatz, ein bisschen Sommerfeeling und gute Unterhaltung reichen oft schon aus, um mich glücklich zu machen. „Guilty Pleasure“ von Linda Schipp schien dafür eigentlich die perfekte Wahl zu sein. Ein luxuriöses Resort auf einer tropischen Insel, mysteriöse Gäste und dunkle Machenschaften hinter verschlossenen Türen. Auf dem Papier klang das genau nach meinem Geschmack. Leider wollte der Funke am Ende nicht so recht überspringen.
Das titelgebende Hotel Guilty Pleasure ist ein Ort, an dem die reichsten Menschen der Welt ihre verborgensten Wünsche ausleben können. Der Standort ist streng vertraulich. Die Gäste geben vor ihrer Anreise sämtliche Kommunikationsgeräte ab und verschwinden für die Dauer ihres Aufenthalts praktisch von der Bildfläche. Allein diese Ausgangslage hat sofort meine Neugier geweckt.
Zu Beginn begleiten wir Zoe, die als neue Mitarbeiterin auf der Insel ankommt. Schon ihre Anreise fand ich unglaublich spannend. Vor allem deshalb, weil sie ein Geheimnis mit sich trägt, das von Anfang an viele Fragen aufwirft. Als schließlich klar wird, was sie versteckt und weshalb sie überhaupt in der Anlage gelandet ist, nimmt die Geschichte eine Richtung, mit der ich nicht gerechnet hatte. Grundsätzlich habe ich nichts gegen überraschende Entwicklungen, allerdings entfernte sich die Handlung damit immer weiter von dem, was ich mir ursprünglich von diesem Thriller erhofft hatte.
Dazu kommen zahlreiche weitere Perspektiven. Ein Bodyguard verfolgt seine ganz eigenen Ziele und hinter den Kulissen wird ein gefährliches Spiel gespielt. Als wäre das nicht genug, wird der Aufenthalt der Gäste heimlich gefilmt und live in die Welt übertragen. Die Idee dahinter fand ich durchaus reizvoll. Gleichzeitig hatte ich jedoch das Gefühl, dass sich der Roman immer weiter verzettelt. Jeder einzelne Handlungsstrang bringt interessante Ansätze mit, doch gemeinsam nehmen sie sich gegenseitig den Raum, den sie eigentlich gebraucht hätten.
Dadurch blieb vieles für mich überraschend oberflächlich und ich empfand den Thriller als äußerst distanziert. Die Figuren waren zwar ständig in Bewegung und gerieten in brenzlige Situationen, wirklich nahegekommen ist mir jedoch niemand. Mir fehlte das Mitfiebern mit den Charakteren und das Gefühl, dass man unbedingt wissen will, wie es ausgeht.
Enttäuscht hat mich zudem das Setting. Die Seychellen spielen anfangs eine kleine Rolle und wecken genau jene Urlaubsatmosphäre, auf die ich gehofft hatte. Danach tritt die Umgebung in den Hintergrund. Auch vom eigentlichen Leben im Resort bekommt man deutlich weniger mit, als der Klappentext vermuten lässt. Statt luxuriösem Hotelalltag, versteckten Wünschen und exklusiven Gästen stehen bald ganz andere Dinge im Mittelpunkt. Das ist schade, denn genau dieser Aspekt war für mich der eigentliche Reiz der Geschichte.
Trotzdem habe ich das Buch keineswegs ungern gelesen. Linda Schipp bringt einige ungewöhnliche Ideen mit und versucht spürbar, etwas Eigenständiges zu erzählen. Für meinen Geschmack wollte der Roman allerdings etwas zu viel auf einmal. Viele Ansätze fand ich spannend, doch meiner Meinung nach erhielt kaum einer genügend Raum, um sich voll zu entfalten.
„Guilty Pleasure“ ist ein Thriller mit einer interessanten und spannende Grundidee, der, meinem Lesegeschmack nach, hinter seinen Möglichkeiten geblieben ist. Wer Freude an mehreren Perspektiven, etwas abgehobenen Entwicklungen und Twists hat, könnte hier gut unterhalten werden. Ich selbst hätte mir vor allem mehr Resort und mehr Inselatmosphäre gewünscht.
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