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| © Penguin |
| Ulf Kvensler |
Verlag: Penguin 2026
Seiten: 384
ISBN: 978-3328114031
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★ -
ISBN: 978-3328114031
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★ -
Böse verspieltes Funkeln zwischen den Seiten
Marcus steckt seit Längerem in einer kreativen Krise und wartet vergeblich auf den nächsten großen Erfolg. Als ihn ein alter Bekannter um einen scheinbar harmlosen Gefallen bittet, gerät eine Kette von Missverständnissen ins Rollen. Plötzlich wird er als Autor eines gefeierten Krimis gehandelt. Der schöne Schein hat seinen Preis. Schon bald entwickelt sich daraus eine böse Spirale aus Täuschung, Geheimnissen und immer neuen Lügen.
Mit Ulf Kvensler ist für mich vor einigen Jahren ein Thrillerautor aufgetaucht, an dessen Neuerscheinungen ich kaum vorbeikomme. Er erzählt anders, düster und mit einem böse verspielten Funkeln zwischen den Seiten, ohne dabei ins Überzeichnete abzurutschen oder blutig zu werden. Seine Geschichten überraschen mich immer wieder mit ihren Abgründen. Meinem Eindruck nach hat er sich mit „Die Klippe“ selbst übertroffen.
Im Mittelpunkt steht Marcus, dessen glanzvolle Zeiten als erfolgreicher Autor längst vorbei sind. Einst wurde er für seinen Bestseller gefeiert, heute trägt er Briefe aus und kämpft mit einer Schreibblockade.
Die Einblicke in die Welt des Schreibens haben mir ausgesprochen gut gefallen. Als Vielleserin musste ich dabei unweigerlich an jene literarischen One-Hit-Wonder denken, die von der Bildfläche verschwunden sind. Ulf Kvensler zeichnet diesen Erfolgsdruck und die Angst vor dem Scheitern unglaublich authentisch nach.
Anfangs scheint die Geschichte in eine recht offensichtliche Richtung zu laufen. Das Missverständnis um einen fremden Bestseller und die daraus entstehende Erpressbarkeit liegen beinahe auf der Hand. Doch daraus entwickelt sich etwas, das mich vollkommen gefesselt hat. Immer tiefer gerät der Protagonist in einen Strudel aus Lügen, Schuldgefühlen und verhängnisvollen Entscheidungen. Dabei erinnerte mich seine innere Zerrissenheit stellenweise sogar an „Schuld und Sühne“ von Fjodor Dostojewski. Man spürt förmlich, wie der Druck auf ihm lastet, wie er nach Auswegen sucht und sich gleichzeitig immer weiter in seine unangenehme Lage hineinmanövriert.
Besonders beeindruckt hat mich, wie vielschichtig Marcus gezeichnet ist. Lange hielt ich ihn für einen gewöhnlichen Menschen, der in eine ausweglose Situation geraten ist. Je weiter die Handlung voranschreitet, desto deutlicher offenbaren sich seine dunklen Seiten. Seine Entscheidungen geschehen nie aus dem Affekt heraus. Er denkt nach, zweifelt, redet sich vieles schön und versucht, sein Handeln vor sich selbst zu rechtfertigen. Diese Gedankenspiralen haben mich regelrecht an das Buch gefesselt.
Die Nebenfiguren tragen ihren Teil dazu bei, dass sich die Schlinge immer enger zieht. Manche Beziehungen verändern sich auf von ihm unerwartete Weise und Marcus wird mit neuen Problemen konfrontiert. Kaum glaubt man, er hätte den Tiefpunkt erreicht, öffnet sich bereits die nächste Falltür. Dadurch entwickelt die Geschichte einen regelrechten Sog, dem ich mich kaum entziehen konnte.
Auch das Ende hat für mich hervorragend funktioniert. Ulf Kvensler liefert keine bis ins letzte Detail ausformulierte Auflösung, sondern entlässt seine Leserinnen und Leser mit vielen offenen Fragen. Ich weiß, dass genau solche Schlussakkorde nicht jedermanns Sache sind und manche sich mehr Eindeutigkeit wünschen. Meiner Meinung nach hat es jedoch perfekt zur Geschichte gepasst.
Im Nachhinein finde ich auch den Titel ausgesprochen passend. Der Hauptcharakter steht während der gesamten Handlung bildlich an einer Klippe. Mit jeder Entscheidung wagt er sich näher an den Abgrund, ohne zu wissen, ob und wann er endgültig abstürzen wird.
Für mich war „Die Klippe“ ein packender, böser Spannungsroman und zugleich eine faszinierende Studie über Schuld, Selbsttäuschung und die dunklen Seiten der menschlichen Natur. Mich hat die Handlung nicht losgelassen und ich war bis zum Schluss begeistert. Meiner Meinung nach ist dieser Roman der bisherige Höhepunkt des Autors.
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Huhu Nicole,
AntwortenLöschenDie Bücher von diesen Schriftsteller sehe ich in letzter Zeit erstaunlich oft und jeder scheint echt begeistert zu sein. Das klingt auch nach deiner Rezension nach einem echt gelungenen Thriller, mir gefallen Autoren als Protagonisten ja auch sehr. Mit ihnen kann ich mich auch echt gut identifizieren.
Aktuell komme ich zwar nicht mehr zu Bücherschränken, aber wenn es irgendwann mal so weit ist, hoffe ich, ihn auch mal ausprobieren zu dürfen.
Liebe Grüße
Jessi
Hallo Jessi,
Löschenich mag die Bücher von Ulf Kvensler echt gerne. Der Autor ist vor ca. zwei Jahren bei mir am Radar aufgetaucht. Mit seinen offenen Enden muss man umgehen könnten. Ich mag das ja recht gern, wenn es passt.
Hoffentlich findest du bei Gelegenheit mal ein Buch von ihm. "Die Klippe" hat mir bisher am besten gefallen.
Liebe Grüße
Nicole
Hi Nicole!
AntwortenLöschenDa scheint bisher was an mir vorbeigegangen zu sein? :D Der Name des Autors sagt mir jetzt nämlich im ersten Moment gar nichts muss ich gestehen. Wahrscheinlich mal gesehen und weiter gescrollt ... wie gut dass ich dieses Mal nachgeschaut habe!
Das klingt ja wirklich richtig gut und macht auch neugierig auf seine anderen Werke.
Das Spielfeld rund um die Schreiberei und Verlage finde ich eh sehr spannend und hatte das bisher noch wenig in Geschichten - und der Protagonist scheint auch richtig gut gelungen zu sein. Da bin ich jetzt echt gespannt und pack es mir mal auf die Wunschliste :)
Liebste Grüße, Aleshanee
Hallo Aleshanee,
Löschendas ist mittlerweile mein drittes Buch des Autors und bisher mochte ich alle recht gern. Er schreibt wirklich raffiniert und schön düster. Allerdings muss man bei ihm mit offenen Enden zurecht kommen.
Schriftsteller als Protagonisten kommen ja auch bei Stephen King recht häufig vor. Ich mag das eigentlich recht gern.
Liebe Grüße
Nicole