Mittwoch, 26. August 2026

Rezension: Devil's Playground - Craig Russell

Rezension
Devil's Playground
Craig Russell
Meine Bewertung
★★★★★
Verlag · Rütten & Loening Berlin · 2024
Seiten · 496
ISBN · 978-3352009945
Horror der Stummfilm-Ära
Im Hollywood des Jahres 1927 wird PR-Frau Mary Rourke in die Villa eines Stummfilmstars gerufen. Sie findet dort eine Tote vor. Ein geheimnisumwitterter Film, ein angeblicher Fluch und ein Auftrag, der alles vertuschen soll, ziehen sie immer tiefer in eine gefährliche Geschichte hinein.

Als „Devil's Playground“ von Craig Russell damals unter Horrorliteratur angeführt wurde, war ich sofort interessiert. Ganz trifft diese Einordnung allerdings nicht zu. Horror ist vorhanden, aber in Form der Thematik und einiger ausgesprochen unheimlicher Elemente. Im Grunde ist dieses Buch eine faszinierende Mischung aus historischem Roman, Spannungsroman, ein bisschen Thriller und eben ein paar sehr feinen Spritzern Horror. Und trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, ist es für mich ein wahres Meisterwerk. Ich war von der ersten bis zur letzten Seite absolut gebannt.

Die Rahmenhandlung spielt Ende der 1960er-Jahre. Der Filmhistoriker Paul Conway ist darauf spezialisiert, verschollene Werke in verstaubten Archiven oder vergammelten Privatsammlungen aufzuspüren. Sein neuester Auftrag ist die Suche nach dem Stummfilm „Devil's Playground“. Angeblich ist der Film längst vernichtet. Doch Paul Conway ist verdammt gut in dem, was er tut. Er findet einen Hinweis, der ihn in ein verlassenes, längst geschlossenes Hotel führt.

Die eigentliche Geschichte führt uns weg von diesem Ort und zurück ins Jahr 1927, und zwar in das Hollywood der Stummfilmzeit. Und damit hat mich der Autor vollkommen erwischt.

Ich fand es unglaublich spannend, in diese Welt einzutauchen. 1927 stehen die Stummfilme kurz vor ihrem Ende, denn der Ton hält Einzug in die Kinos. Für die Schauspieler:innen bedeutet das eine gewaltige Veränderung. Plötzlich reicht es nicht mehr, mit dem ganzen Körper zu spielen und Emotionen über Mimik und Gestik zu transportieren. Jetzt muss die Stimme funktionieren. Eine schlechte Aussprache, ein schwerer Akzent oder schlicht eine ungeeignete Stimme wird in Kürze die strahlendsten Sterne von Hollywoods Himmel holen.

In dieser Stimmung wird wunderbar deutlich, was für eine außergewöhnliche Leistung die großen Stars der Stummfilmzeit vollbracht haben. Dabei begegnen dem:der Leser:in historische Größen wie zum Beispiel Charlie Chaplin. Gefallen haben mir die Anekdoten, etwa über Buster Keaton und seine spektakulären Stunts. Diese hat er nicht nur selbst entwickelt, sondern tatsächlich selbst unter lebensgefährlichen Umständen gedreht. Die historischen Details wirken nicht wie trocken eingestreute Fakten, sondern der Autor lässt die längst vergangene Filmwelt regelrecht lebendig werden.

Und mittendrin steckt Mary Rourke.
Mary arbeitet für die PR-Abteilung einer Produktionsfirma und wird zu einer ihrer Schauspielerinnen gerufen. Norma Carlton wurde tot aufgefunden. Für das Studio ist das eine Katastrophe und ein Skandal bahnt sich an, weil es nach Selbstmord aussieht. Also läuft die PR-Maschinerie an und es wird möglichst schnell ein hübscheres, annehmbareres Drama daraus gesponnen. Immerhin sind wir in Hollywood, wo sogar das echte Leben nach Drehbuch verläuft.

Allerdings hat Norma bei „Devil's Playground“ mitgespielt. Um diesen Film rankt sich eine düstere Legende. Er soll verflucht sein und allen, die an seiner Entstehung beteiligt sind, den Tod bringen. Da das Studio Unsummen in das Projekt gesteckt hat, fürchtet es nun um den Erfolg. Deshalb soll Mary herausfinden, was tatsächlich passiert ist. Gleichzeitig soll sie alles dafür tun, damit die Wahrheit unter Verschluss bleibt.

Ich habe es geliebt, wie Craig Russell das alte Hollywood auferstehen lässt. Mary bewegt sich durch Flüsterkneipen, trifft Agenten und deren Schauspieler:innen, arbeitet mit einem Kommissar und versorgt die Öffentlichkeit mit ausreichend Klatsch und Tratsch, damit niemand auf die wirklich wichtigen Ereignisse aufmerksam wird.
Und je tiefer Mary in die Geschichte hineinrutscht, desto undurchsichtiger wird alles. Es geht um Ruhm, Ehre, Liebe, Geld und Macht. Jeder verfolgt seine eigenen Interessen und ständig verändert sich das Bild. Hinzu kommen die vielen unheimlichen Aspekte rund um den berüchtigten Film und eine ganze Reihe von Menschen, denen man besser nicht vertrauen sollte.

Der Erzählstil hat mir ausgesprochen gut gefallen. Er ist spannend, charmant und unglaublich fesselnd. Russell schafft es, die Atmosphäre des alten Hollywoods einzufangen, ohne dabei in eine trockene historische Abhandlung abzurutschen. Vielmehr hatte ich beim Lesen ständig das Gefühl, mitten in dieser glamourösen und gleichzeitig ziemlich skrupellosen Welt zu stecken.

Und es gibt natürlich auch noch den Stummfilm „Devil's Playground“ selbst.
Die Legende um den Film zieht sich bis ins Jahr 1967, als Paul Conway nach ihm sucht. Seine Erkenntnisse sind mindestens genauso überraschend wie unheimlich. Dazu darf ich hier nicht zu viel verraten. Paul Conway wird jedenfalls feststellen, dass die Suche nach diesem Film ihre ganz eigenen Gefahren birgt. Welche das sind, muss man beim Lesen schon selbst erfahren.

Mein Fazit
Meiner Meinung nach ist „Devil's Playground“ eine großartige Hommage an die Stummfilm-Ära. Craig Russell verbindet packende Hollywood-Historie, düstere Mystery und feine Horror-Nuancen zu ganz großem Kino!
★★★★★
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5 Kommentare:

  1. Schönen guten Morgen!

    Jetzt bin ich als erstes über den 26. August gestolpert ... ich trödele schon wieder ganz schön hinterher *lach* Aber dennoch wollte ich hier gerne noch meinen Kommentar dazu geben - denn du hast mich sehr neugierig gemacht!
    Es ist zwar nicht die Zeit, über die ich gerne Geschichten lese, aber deine Begeisterung hat mich jetzt schon angesteckt muss ich zugeben *g* Ich bin ja offen und schaue auch gerne mal über meinen Tellerrand und diese Geschichte scheint dafür ja richtig gut zu sein! Die kommt mal auf meine Merkliste ;)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hallo Aleshanee,

      naja, die Rezension hat ja kein Ablaufdatum und außerdem ist der 26. August wirklich noch nicht so lange her. :D

      Magst du die 1920er-Jahre nicht? Ich finde die total spannend und gerade, wenn es irgendwie mit Hollywood zusammenhängt, lese ich Romane darüber sehr gern. Falls du dir das Buch mal schnappst, bin ich gespannt, was du dazu sagen wirst.

      Liebe Grüße
      Nicole

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    2. Ja, da hast du natürlich recht :) Aber mir kommt es sehr lange vor... ich kommentiere ja schon immer gerne zeitnah, also direkt, wobei es ja wirklich noch nicht lange her ist. Aber für mich sind 2-3 Wochen irgendwie schon lang. Zumindest fühlen sie sich so an *lach*

      Auch bin ich momentan ein bisschen genervt. Martina hat sich da ja schon öfter beschwert, aber mir fiel es noch nicht so auf: der Blogroll wird extrem langsam aktualisiert. Das geht schon länger so, aber ich hab das Gefühl, es dauert immer länger. Seit 2-3 Tagen werden mir keine neuen Posts angezeigt von den Blogs, denen ich folge. Das nervt schon ein bisschen.

      Die 1920 ... 30er etc. ne, darüber lese ich so gut wie nie, nur in Ausnahmefällen. Das ist einfach so gar nicht die Zeit, die mich interessiert oder die mein Interesse weckt. Wobei ich grad in letzter Zeit das ein oder andere Buch gelesen habe, das mich jetzt schon neugierig gemacht hat.
      Während ich das jetzt geschrieben hab, hab ich überlegt, welche Bücher das wohl waren *lach* Ich glaube, das waren eigentlich nur die Graphischen Viertel von Kai Meyer xD

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    3. Ich habe mich schon daran gewöhnt, dass ich ewig hinten nach. :D Dabei denke ich mir immer, dass die Beiträge ja nicht schlecht werden und man sich auch später darüber freut, wenn sie gelesen und kommentiert werden.

      Au weh, das ist ja blöd mit der Blogroll. Ich folge meinen Blogs ganz klassisch über einen Feedreeder namens Feedly und habe davon bisher nichts mitgekriegt. So weit ich merke arbeitet Google wohl im Hintergrund fleißig an Blogger, weshalb es wohl manchmal etwas unrund läuft. War ja auch so als plötzlich die Kommentare bei vielen nicht funktioniert haben.

      Ich finde die 1920er total faszinierend. Irgendwie war zu der Zeit alles schon so modern und trotzdem ist es mittlerweile 100 Jahre her. Vieles war im Auf- und Umbruch, für mich eine ganz spannende Zeit. Mit den 1930er-Jahren kann ich auch nur wenig anfangen.

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    4. Das mit dem Kommentieren hat google ja dann doch recht schnell in den Griff bekommen. Es war an sich nur 1 Tag - mir kam es viel länger vor ^^
      Ich hab da ja auch im Hilfeforum geschaut und das Problem war weltweit.
      Auch dass die neuen Posts vom Blogroll nicht angezeigt werden gibt es weltweit und das aber schon länger, also schon mehrere Wochen. Ich hoffe, dass die da noch was machen.
      Vielleicht schau ich mir auch diesen Feedreeder an, weil das ist schon echt nervig. Seit vier Tagen seh ich keinen neuen Post mehr :(

      Hm 1920 - 1930 - das ist für mich überhaupt kein Unterschied *lach* Aber eben weil ich so wenig darüber weiß, was da genau los war. Ich lese nur manchmal ein bisschen was, bekomme ein bisschen mit - gerade die Agatha Christie Krimis zum Beispiel, die spielen ja in den 30 bis 50er Jahren. Aber da ist die Krimihandlung im Vordergrund, aber von den gesellschaftlichen Gepflogenheiten bekommt man natürlich viel mit. Und das finde ich schon genial weil die Dame es ja auch persönlich erlebt hat und es für mich dann auch so stimmt wie sie es schreibt.

      Bei aktuellen Autoren weiß ich immer nicht, wie sicher die Quellen dann sind... aber ja, ich könnte in der Richtung ruhig mal mehr ausprobieren!

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