Donnerstag, 6. Dezember 2018

Rezension: Der Tod so nah - Belinda Bauer

© Random House
Der Tod so nah
| Belinda Bauer |

Verlag: Goldmann Verlag 2018
Seiten: 448 
ISBN: 9783442488353

MEINE BEWERTUNG 

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Guter Thriller mit ernstem Hintergrund-Thema

Die Reporterin Eve Singer muss für ihren True-Crime-Sender immer die Erste am Tatort sein. Denn ihr Publikum lechzt nach blutigen Details. Fernsehjournalismus ist ein hartes Geschäft und die Konkurrenz fährt ebenso die Ellbogen aus. Als ein Serienmörder Eve live zu einem Mord einlädt, kann sie daher nicht widerstehen ...

Für dieses Buch habe ich mich entschieden, weil meiner Erfahrung nach die Autorin Belinda Bauer für exzellente, fesselnde und außergewöhnliche Thriller steht. Zwar treffen diese Eigenschaften nicht komplett auf "Der Tod so nah" zu, dennoch ist es ein beispielhafter Spannungsroman, den man gut lesen kann.

Die Handlung an sich ist nicht neu und beschäftigt sich mit dem typischen Serienkiller- und Gegenpart-Spiel. 


Im Mittelpunkt steht die Reporterin Eve Singer, die den Tod für ihr berufliches Überleben braucht. Sie berichtet schon mal live von Tatorten, setzt sich über Absperrungen hinweg oder steckt den Konkurrenten den Mittelfinger ins Gesicht. Obwohl sie absolut taff und selbstsicher wirkt, zeigt sich schnell, dass sie privat eine schwere Last zu tragen hat, und aus diesem Grund für ihren Job (fast) alles macht.


Eve Singer habe ich als glaubhafte, authentische Figur empfunden, die weit weg vom typischen Ermittler ist. Zwar hat sie privat mit äußerst widrigen Umständen zu kämpfen, aber diese liegen fern vom Genre-Einheitsbrei. Dadurch ergibt sich ein thematisch tiefsinniger Spannungsroman, der sich mit der Krankheit Demenz beziehungsweise Alzheimer auseinandersetzt.


Denn Eves Vater ist ein Pflegefall, weil er meistens gar nicht mehr weiß, wer sie oder er überhaupt ist. Sie sorgt sich um ihn, pflegt ihn und hat mit einer emotionalen Berg- und Talfahrt zu kämpfen, die sich auf den Zustand ihres Vaters bezieht.


Den Aspekt der Demenz-Erkrankung hat Belinda Bauer exzellent in die Thrillerhandlung eingebaut. Sie zeigt die Belastung von Angehörigen Demenzerkrankter auf, den Zwiespalt, in dem sie sich befinden, ihre zerstörten Hoffnungen, die Tiefpunkte und die schönen, liebevollen Momente, an die man sich trotz des Vergessens klammern kann.


Dazu kommt die Perspektive des Serienkillers, der Eve in sein perfides Spielchen zieht. Hier lässt sich die Autorin voll und ganz auf das übliche Thriller-Schema ein, und schildert solide den Wahn, der einen Menschen zu solchen Taten führen kann.


Von Beginn an konnte mich Belinda Bauer mit ihrem lebendigen, dichten Schreibstil begeistern. Sie hat ein Auge für's Detail und setzt eine beispielhafte 'Kameraführung' in ihren Romanen ein. Sie zoomt heran, geht in die Vogelperspektive über oder beleuchtet einen Ausschnitt, indem sie alles andere völlig ausblendet. Daraus ergibt sich ein fesselndes Leseerlebnis, das man kaum unterbrechen will.


Insgesamt ist „Der Tod so nah“ ein guter Thriller mit ernstem Hintergrundthema, der aber Belinda Bauers Originalität vermissen lässt. Für Leser, die sich vor laufender Kamera auf ein Spiel mit dem Tod einlassen wollen, ist dieser Spannungsroman trotzdem absolut empfehlenswert.

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MEINE BEWERTUNG

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Kommentare:

  1. Huhu Nicole :D

    Na, bei dir hat das Buch tatsächlich besser abgeschnitten! :D Ich war irgendwie echt enttäuscht, weil ich von Belinda Bauer durch "Totenkind" mehr erwartet hatte. Irgendwie hat mich das Buch auch stellenweise echt gelangweilt, diese Demenzerkrankung von Vater fand ich irgendwie auch unwichtig für die Haupthandlung und deswegen musste ich mich bei den Abschnitten echt zwingen, am Ball zu bleibe ;/

    Leider fand ich, durch die Rolle des Vaters, das Ende irgendwie extrem lächerlich ;/ Es hatte so was von einem Actionfilm, als müsste es immer "so" einen Showdown geben!

    Aber ich bin echt froh, dass du das Buch genießen konntest! Ich hoffe mal, das nächste Buch besitzt aber wieder diese typischen Belinda Bauer-Stil! :D

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      ich war durch dich ja 'vorgewarnt' und habe einen 'typischen' Thriller erwartet. Von daher fand ich es überhaupt nicht schlecht, aber mir gefallen diverse Krimi-Elemente meistens besser als dir. Grad das ganze Geschehen drumherum hat mich sehr gefesselt - eben auch diese Rolle des Vaters.

      Was den Showdown angeht, da stimme ich dir vollkommen zu. Und trotzdem war es meinem Gefühl nach solides Thriller-Handwerk, das Belinda Bauer hier gezeigt. Ihre ganz persönliche Note - wie wir aus "Totenkind" kennen - die ist leider komplett auf der Strecke geblieben.

      Ja, mir hat's gefallen. :)

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Hach maaaan, was machst du denn?! Hatte das Buch schon im Visier, aber es klang nach Mainstream - ein interessantes Buch, welches wohl doch wieder nur nach Schema F läuft. Nun kommst du daher und machst mich doch verdammt neugierig _ also zurück auf die Wunschliste mit dem Titel (=

    Liebst,
    Janna

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    1. Hallo Janna,

      grundsätzlich ist es schon ein typischer Thriller. Also, recht viel Neues steckt nicht drin. Aber den Rahmen mit dem kranken Vater und die solide Erzählweise haben mir recht gut gefallen.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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