Freitag, 23. September 2022

Rezension: Sunset - Stephen King

| Stephen King |

Verlag: Heyne 2010
Seiten: 496 
ISBN: 9783453434677

MEINE BEWERTUNG 
- ★★★★★ - 



Kingsches Sammelsurium

„Sunset“ kündigt trotz sommerlicher Aufmachung Gänsehaut an: Stephen King greift in seine Horrorkiste und präsentiert fünfzehn Kurzgeschichten, die zum Fürchten einladen.

Wie üblich ist es schwierig, eine Rezension zu einer Anthologie zu schreiben. Verschiedene Geschichten sorgen für unterschiedliche Eindrücke und ich starte den Versuch, mein Leseempfinden überblicksmäßig in Worte zu fassen.

In „Willa“ warten Passagiere auf einen Zug, weil es einen Unfall gegeben hat. Nun ist David seine Verlobte abhandengekommen und er macht sich auf die Suche nach ihr.

„Das Pfefferkuchen-Mädchen“ läuft mit wehenden Armen in ihr Verderben, als sie sich nach einem Schicksalsschlag ganz dem Laufsport hingibt. 

„Harveys Traum“ entpuppt sich als Albtraum, den niemand erleben möchte.

„Der Rastplatz“ ist ein gefährlicher Ort, noch dazu, wenn man sich mit einem Universitätsprofessor anlegt.

Die negativen Seiten des Sports werden in „Der Hometrainer“ beschrieben. Denn unter Umständen ist es dem eigenen Körper gar nicht so recht, dass man derart auf die Fitness achtet. 

„Hinterlassenschaften“ konfrontiert Protagonist Scott Staley mit den Ereignissen des 11. Septembers als er nicht an seinem Arbeitsplatz im 110. Stock des World Trade Centers erschien.

Mit „N.“ nimmt sich ein empathischer Arzt zu sehr seines Patienten an, was ihn selbst ein Unglück beschert.

In „Die Höllenkatze“ beschreibt Stephen King schwarz auf weiß, was für jeden Katzenbesitzer Alltag ist.

„Die New York Times zum Vorzugspreis“ sorgt für Gruselstimmung, als Annie von ihrem verstorbenen Ehemann angerufen wird.

Während Arnie in „Stumm“ seine Sünden beichtet, obwohl niemand weiß, ob er überhaupt Schuld an der Misere trägt.

Hingegen bringt „Ayana“ ein Wunder in ein Krankenzimmer, welches sich von da an weiter ausbreitet.

Zum Abschluss steckt einer so richtig „In der Klemme“, was im wahrsten Sinne des Wortes beschissen ist. 

Als meisterhaft empfand ich „In der Klemme“, weil es gar so minutiös und grausig beschrieben ist. Ich enthalte mich bewusst weiteren Details, denn dieses Schmankerl des Horrors sollte zweifellos selbst gustiert werden. Dafür braucht es unbedingt einen starken Magen und ich bewundere King für seine Vorstellungskraft.

Tiefgründig und schockierend waren die „Hinterlassenschaften“, welche Scott mit dem 11. September verbindet. Meiner Meinung nach hat der Autor mit seiner Geschichte Hinterbliebene geehrt, sowie die Tatsache, dass dieser Tag die ganze Welt in Atem hielt und das Grauen bis heute unvergessen bleibt.

„Die New York Times zum Vorzugspreis“ hat mich gleichfalls berührt, wobei ich für Kings Geschichten über Eheleute ohnehin empfänglich bin. Mich trifft er damit jedes Mal mitten ins Herz, weil er zeigt, dass Liebe und Verbundenheit etwas Besonderes sind.

Insgesamt empfand ich „Sunset“ als Sammlung etwas mager, weil mich nur drei von fünfzehn Geschichten überzeugt haben. Obwohl ich Stephen King äußerst schätze und seine Werke verschlinge, hat mir diese Auswahl weniger gefallen. Meinem Gefühl nach waren die meisten Eindrücke zu kurz, der Einstieg in die Episoden zog sich, während die Pointen zu schnell gekommen sind und die jeweilige Geschichte ein abrupt abgehandeltes Ende fand. 

Meiner Meinung nach ist in „Sunset“ zwar für jeden Horror-Geschmack etwas dabei, aber seine Glanzstücke hat Stephen King eher für andere Sammlungen aufbewahrt. 

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MEINE BEWERTUNG
★★★

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4 Kommentare:

  1. Hi Nicole!

    Ja, mit seinen Kurzgeschichten bin ich auch nicht immer so warm geworden. Allerdings hab ich schon lange keine mehr gelesen - oder? Jetzt muss ich direkt mal nachschauen *lach* Denn bewusst ist mir nur der Band Frühling, Sommer, Herbst & Tod, wo die vier Geschichten ja doch relativ lang sind.
    Jap, Blutige Nachrichten, aber auch vier Geschichten, die eher Novellen sind (für mich) ... deshalb überlege ich grade, welches Buch das war, wo auch die "Omi" drin ist. Anscheinend hab ich dazu gar keine Rezension geschrieben ... ah ich musste noch etwas weiter zurückgehen. Das war "Im Morgengrauen".
    Sorry für das wirre Schreiben, es ist einfach noch zu früh *lach*
    Jedenfalls sind diese Kurzgeschichten für mich auch nicht immer das richtige und mir gefallen oft nur wenige davon.

    Schade, aber immerhin hast du damit wieder ein weiteres von der King-Liste abgehakt :D

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hallo Aleshanee,

      mit Kurzgeschichten tue ich mir allgemein schwer, weil sie eben zu kurz sind. :D Da habe ich kaum Zeit in der Handlung anzukommen, dann ist sie schon wieder vorbei.

      Mit Novellen geht es bei mir schon eher. Zum Beispiel mochte ich "Der Nebel" sehr! Doch da ist auch mehr Substanz vorhanden.

      "Omi" ist (auch) in "Blut" drin. Das lesen wir ja gerade und es ist ein Abschnitt in der Leserunde. Aber ich habe "Omi" auch schon einzeln gelesen und ich fand die Geschichte wirklich gut.

      Liebe Grüße
      Nicole

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    2. Ja, das ist das Problem :D Das muss der Autor halt können, in dem kurzen Zeitraum etwas zu erzählen, was nicht mehr braucht, was einen aber gut unterhält und nicht unbefriedigt zurücklässt... Der Nebel mochte ich auch sehr, das war ja aber auch etwas länger :D

      Ahhh, Omi fand ich auch gut, glaub ich, da kann ich mich noch dran erinnern xD

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  2. Hallo liebe Nicole

    Das stimmt, Anthologien sind wirklich irgendwie eine Sache für sich. Von Stephen King habe ich als Kind "Im Kabinett des Todes" gelesen, das war wirklich sehr faszinierend und unterhaltsam, ich erinnere mich aber auch, dass mich längst nicht alle Geschichten überzeugen konnten (obwohl ich mich sonst nicht mehr an sehr viel erinnere).

    Hast du "Im Kabinett des Todes" gelesen?

    Alles Liebe an dich
    Livia

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