Freitag, 20. März 2026

Rezension: Diabolisch - Jonas Wagner

| Jonas Wagner |

Verlag: Harper Collins 2023

Seiten: 320
ISBN: 978-3365003039

MEINE BEWERTUNG 
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Böser Thriller voll menschlicher Abgründe
 
Im Jahr 1995 machen sich der sechsjährige Alex und seine ältere Schwester Lotte ohne Begleitung auf den Heimweg. Doch nur Lotte erreicht das Elternhaus. Alex bleibt verschwunden. Siebenundzwanzig Jahre später erschüttert eine Reihe grausamer Morde das Dorf. Während Oberkommissarin Larissa Flaucher blutige Tatorte untersucht, stößt sie auf düstere Geheimnisse aus der Vergangenheit.

Manche Bücher stehen viel zu lange ungelesen im Regal. Bei „Diabolisch“ von Jonas Wagner frage ich mich im Nachhinein wirklich, warum ich so lange gewartet habe. Denn was mich hier erwartet hat, ist ein Thriller, der mich von der ersten Seite an gepackt und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen hat.

Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Im Jahr 1995 machen sich die Geschwister nach dem Sport allein auf den Weg nach Hause, weil sie vergeblich darauf gewartet haben, abgeholt zu werden. Der Autor beleuchtet diesen Tag aus verschiedenen Perspektiven und zeigt, wie es überhaupt dazu kommen konnte, dass die Kinder schließlich auf sich gestellt waren. Dabei begegnen wir nicht nur den Eltern, sondern auch zahlreichen Bewohnern von Holzhausen. Jeder von ihnen ist mit seinem eigenen Leben beschäftigt, mit Sorgen, Sehnsüchten oder den eigenen Schattenseiten. Beeindruckt hat mich, wie lebendig Jonas Wagner diese Figuren zeichnet. Obwohl viele Menschen eine Rolle spielen, bekommt jede Person eine eigene Stimme und wirkt erstaunlich greifbar. Auf vergleichsweise wenigen Seiten entsteht so eine dichte Atmosphäre, die ein echtes Gespür für das damalige Dorfleben vermittelt.

Knapp drei Jahrzehnte danach kehren wir nach Holzhausen zurück. In der Gegenwart wird der Ort von einer Reihe grausamer Todesfälle heimgesucht. Ein Bewohner nach dem anderen kommt ums Leben, und Oberkommissarin Larissa Flaucher versucht, die Zusammenhänge zu verstehen. Während sie sich durch die vielen Spuren arbeitet, wird schnell klar, dass die Vergangenheit eine größere Rolle spielt, als es zunächst scheint.

Die Konstruktion der Handlung hat mir hervorragend gefallen, denn ich fand sie richtig raffiniert. Vergangenheit und Gegenwart greifen exzellent ineinander und ergeben nach und nach ein stimmiges Gesamtbild. Nichts wirkt erzwungen oder übertrieben dramatisch. Stattdessen entfaltet sich eine böse Geschichte voller menschlicher Abgründe. Gerade der Handlungsstrang aus den Neunzigerjahren hat mich beim Lesen stark mitgenommen. Während sich die Ereignisse zuspitzen, ahnt man bereits, dass alles auf ein Desaster zusteuert. Doch der Autor geht noch einen Schritt weiter und konfrontiert seine Leser:innen mit Szenen, die wirklich unter die Haut gehen.

Auch die Gegenwartsebene hat mich überzeugt. Die Ermittlungen von Larissa Flaucher sorgen für Tempo, wobei immer neue Fragen auftauchen. Wagner schreckt zudem nicht davor zurück, die brutalen Seiten seiner Erzählung ungeschönt darzustellen. Einige Todesarten sind so drastisch, dass sie mir den Magen umgedreht haben. Zumindest denke ich jetzt jedes Mal daran, wenn ich an einer Autowaschanlage vorbeifahre.

Für mich war „Diabolisch“ ein Thriller, der mich komplett in seinen Bann gezogen hat. Die Handlung ist klug konstruiert, die mörderische Atmosphäre wird von entsetzlichen Motiven getragen und die Ereignisse gehen stellenweise richtig an die Substanz. Ein Buch, das zeigt, wie intensiv dieses Genre sein kann, wenn Plot, Stimmung und Figuren überzeugend zusammenspielen.
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