Donnerstag, 5. März 2026

Rezension: Don't Let the Forest In - CG Drews

Don't Let the Forest In - CG Drews
© Fischer
Don't let the Forest In
| CG Drews |

Verlag: Fischer 2025
Seiten: 400
ISBN: 978-3737375658

MEINE BEWERTUNG 
- ★★★
 - 
 


Wie eine flackernde Kerze in einem dunklen Raum 

An der Wickwood Academy werden Andrews düstere Märchen durch Thomas’ Kunst zu einer tödlichen Realität. Als die Monster im Wald zum Leben erwachen, müssen die Freunde gemeinsam gegen das Grauen kämpfen.

"Don’t Let the Forest In" habe ich mit klarer Erwartung aufgeschlagen und dann wurde mir diese Stück für Stück unter den Füßen weggezogen. Der Roman wird als botanischer Akademie-Horror angepriesen und für Freunde der Scholomance-Reihe empfohlen. Ich rechnete mit dunkler Magie, mit einem gefährlichen Internat, vielleicht mit Monstern zwischen Baumwurzeln und Klassenzimmern. Bekommen habe ich irgendwie alles und doch etwas komplett anderes.

CG Drews schickt uns gemeinsam mit Andrew zurück an die Wickwood Academy. Auf Andrew wirkt alles leicht verschoben, so als würde man einen vertrauten Traum betreten, der plötzlich nicht mehr gehorcht. Freundschaften, die einst Halt gaben, fühlen sich brüchig an. Gespräche verhallen, Blicke weichen aus. Und über allem liegt dieses leise Gefühl, dass etwas Entscheidendes fehlt oder nicht wahrgenommen wird.

Schon früh wird klar, dass diese Geschichte weniger mit klassischen Horror-Elementen arbeitet. Es geht eher darum, was im Inneren des Erzählers lauert. Der Wald am Rand der Schule ist dabei weniger ein Ort als ein Zustand. Er ist dunkel, undurchdringlich und voller Dinge, die man lieber nicht benennen möchte. Je weiter man liest, desto schwerer fällt es, zwischen Märchen, Monstern und Realität zu unterscheiden, was mir zwar weniger gefällt, wovon aber die Handlung letztendlich lebt.

Andrew, sein bester Freund Thomas und Andrews Schwester Dove sind über die Jahre im Internat zusammengewachsen. Kreativität, Loyalität und gegenseitiger Halt sind selbstverständlich. Andrew schreibt düstere Märchen, poetisch und unheimlich. Es sind Geschichten, die sich anfühlen wie flackerndes Kerzenlicht in einem zu großen Raum. Thomas verleiht diesen Texten ein Gesicht, indem er Monster, Albträume und Schatten zeichnet. Zusammen erschaffen sie etwas Eigenes, etwas Dunkles, das sie verbindet. Dove bildet den Gegenpol zu den beiden. Sie ist organisiert, zielstrebig und wirkt oft wie der Anker, der verhindert, dass Andrew und Thomas sich vollständig in ihren Fantasien verlieren.

Nach den Sommerferien passt dieses Bild nicht mehr ganz. Andrew kehrt mit Erwartungen zurück, die an der Realität abprallen. Thomas zeigt kaum noch Interesse an seiner Kunst, Dove zieht sich zurück, und das vertraute Miteinander fühlt sich seltsam hohl an. Diese Verschiebung ist leise, fast unauffällig und beunruhigend. Es ist der erste Hinweis darauf, dass hier nicht nur Monster im Wald lauern, sondern auch Risse in den Beziehungen, die Andrew verzweitelt zu übersehen versucht.

Als die von Thomas gezeichneten Monster beginnen, den angrenzenden Wald zu bevölkern, geht die Geschichte scheinbar in Richtung dunkles Abenteuer. Es gibt nächtliche Streifzüge, das Verstecken zwischen Bäumen und das Wissen, dass etwas Jagd auf sie macht. Für einen Augenblick dachte ich, der Roman würde sich nun klar im Genre verorten und Fahrt aufnehmen.

Doch im Wald fühlte sich für mich vieles orientierungslos an. Die Monster tauchen auf und verschwinden wieder, sie wirken bedrohlich und gleichzeitig flüchtig, fast unwirklich. Auch die Versuche von Andrew und Thomas, Strategien zu entwickeln oder Kontrolle über die Situation zu gewinnen, bleiben seltsam vage. Nichts greift richtig ineinander, nichts lässt sich festhalten. Dabei hatte ich beim Lesen das Gefühl, selbst durch einen dunklen Wald zu gehen, ohne Weg, ohne Ziel.

Ab diesem Zeitpunkt fühlte sich das Lesen zäh an. Die Handlung schien zu verharren, die Faszination der Monster verlor an Schärfe, und der Fokus auf Andrews innere Konflikte ließ mich stellenweise auf Distanz gehen. Ich war kurz davor, das Buch als zu langatmig und zu verschwommen einzuordnen. Mittlerweile weiß ich, dass mich die Autorin genau da haben wollte.

Denn was am Ende folgt, trifft nicht sanft. Die Erkenntnis schmerzt, weil der Stillstand auf einmal Sinn ergibt und man vor einem emotionalen Abgrund steht. Es bleibt das Gefühl, dass dieser Roman nicht unterhalten, sondern auf eine merkwürdige Art verletzen will.

Letztendlich weiß ich nicht, ob man "Don’t Let the Forest In" als Horror bezeichnen möchte. Wer auf klare Bedrohungen und durchgehende Spannung hofft, könnte hier enttäuscht werden. Wer sich jedoch auf eine dunkle, schmerzhafte Reise in einen bedrohlichen Wald einlässt, wird eine Geschichte finden, die schockiert und verstört. Mich hätte das Buch zwischendrin fast verloren, nur um mir am Ende unter die Haut zu gehen.

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MEINE BEWERTUNG
★★★

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