Dienstag, 17. Januar 2023

Rezension: Als das Böse kam - Ivar Leon Menger

Als das Böse kam - Ivar Leon Menger
© Audible Studios *
Als das Böse kam
| Ivar Leon Menger |

Verlag: Audible Studios 2022
Dauer: 06 h: 43 min 
ASIN: B0B4324GP2P
Sprecher: Luisa Wietzorek

MEINE BEWERTUNG

 
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Böse erwischt

"Das Böse ist näher, als du glaubst.
Sie leben in völliger Isolation tief in den Wäldern einer kleinen Insel: Mutter, Vater und zwei heranwachsende Kinder in einer Blockhütte, das Festland ist in der Ferne kaum sichtbar. Die 16-jährige Juno und ihr Bruder verbringen die Zeit mit Fischfang, Kuchenbacken und sonntäglichen Gesellschaftsspielen. Und in ständiger Angst. Denn schon auf der anderen Uferseite lauert das Böse. Fremde können jederzeit auftauchen. Und die wollen Rache nehmen für etwas, das der Vater ihnen vor langer Zeit angetan haben soll. Die Fremden werden kommen, um die ganze Familie auszulöschen. Aus diesem Grund hat der Vater einen geheimen Schutzraum gegraben. Dort können sie sich sicher fühlen. Noch..." (Klappentext: Audible Studios *)

„Als das Böse kam“ ist ein Thriller von Ivar Leon Menger, der an allen Ecken und Enden auf Social Media einen Hype ausgelöst hat. Ich hatte bereits vor dem allseitigen Lob ein Auge darauf geworfen, weil der Klappentext eine neuartige Geschichte versprach. Neuartig war es auf jeden Fall.

Juno ist 16 Jahre alt und lebt mit ihrer Familie aus Vater, Mutter und ihrem Bruder in einer Blockhütte auf einer Insel. Sie verstecken sich hier vor Fremden, weil ihnen diese etwas antun möchten. Daher wohnen sie zurückgezogen, gehen auf Fischfang, backen Kuchen und am Sonntag werden beim familiären Zusammensein Gesellschaftsspiele gespielt. Wenn Gefahr droht, müssen sich Juno und ihr Bruder verstecken. Im absoluten Ernstfall steht ein Schutzraum zur Verfügung, wohin sie bei einer Bedrohung fliehen.

Am Anfang fand ich die Geschichte sehr interessant. Man weiß weder zu welcher Zeit der Roman spielt noch, in welcher Gegend er anberaumt ist. Beim Lesen hantelt man sich von Hinweis zu Hinweis und versucht, die Situation einzuordnen und in einen Kontext zu bringen. Das empfand ich als sehr genial. 

Dabei ist man mit Protagonistin Juno unterwegs. Man folgt ihren Gedanken, fühlt ihre Verunsicherung und erträgt ihre Emotionen, was irgendwann nur mehr nervig ist. Mittendrin hatte ich das Gefühl, dass ich einen Liebesroman lese, während die herzschmachtende Juno kaum auszuhalten war. Gleichzeitig wirkt die Jugendliche extrem unglaubwürdig und in allem eher wie ein zwölfjähriges Mädchen als eine Sechzehnjährige. Mir ist bewusst, sie ist isoliert von der Außenwelt aufgewachsen und war nicht in der Lage, sich in anderen Menschen zu spiegeln, aber das erklärt meiner Meinung bei weitem nicht, was mit ihr schief gelaufen ist.

Viele Aspekte ihrer Figur und Handlungen ergeben für mich keinen Sinn. Einerseits fürchtet sie sich vor Fremden, andrerseits ist sie diesen zugänglicher als ihren Eltern. Während sie naiv durch die Handlung stolpert, entwickelt sie plötzlich einen Scharfsinn, der selbst Berufsermittlern zur Ehre reicht. 

Unterstrichen wird dieser kindlich-naive Zugang der Protagonistin durch die Sprecherin Luisa Wietzorek. Sie trägt die Hörbuchversion mit Engelszunge vor und betont kindische Gedanken und Auswüchse souverän, was allerdings im Kontext der Handlung für mich unpassend und nervig war.

Ich habe die Geschichte nur weiterverfolgt, weil ich wissen wollte, wie es letztendlich endet. 

Damit bin ich bei der Handlung angelangt, die einfallsreich aber an den Haaren herbeigezogen ist. Wobei, die Geschichte selbst gar nicht mal schlecht ist, doch die Art und Weise wie alles ineinandergreift, war für mich unglaubwürdig. Die Facetten des Romans haben nicht gepasst, der Hintergrund um das Böse und die Hütte auf der Insel empfand ich auf tragische Weise als einfallslos und die Nebenfiguren und deren Verhalten haben ebenso wenig ins Bild gepasst.

Ich verstehe, dass dieses Buch vielen Lesern und Leserinnen gefällt, weil es zumindest ein hohes Spannungslevel hält. Mich müssen Geschichte und Figuren überzeugen, und das hat „Als das Böse kam“ beim besten Willen nicht geschafft. 

Abschließend denke ich, dass das Buch eher etwas für sehr junge Jugendliche ist. Ich wurde damit eher böse erwischt.  
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MEINE BEWERTUNG


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5 Kommentare:

  1. Hallo Nicole,
    ich habe im letzten Jahr das Hörspiel "Monster 1983" von dem Autoren gehört und fand die erste Staffel richtig genial, die zweite und dritte hatten dann etwas nachgelassen, aber alles in allem war es sehr unterhaltsam und als Hörspiel eben gut gemacht. Daher habe ich den Autor auch auf dem Schirm, um irgendwann mal was von ihm zu lesen. Dieses Buch wird es dann aber vermutlich eher nicht, selbst wenn es so viele positive Stimmen dazu gibt. Ich glaube, die Punkte, die du angesprochen hast, könnten mich auch stören und nerven. Da helfen dann auch "neuartige" Ideen nicht ;) Wenn man es als zunehmend unlogisch und nicht passend empfindet und auch die Figuren einen nicht so richtig packen... dann kann es schon schwierig werden. Danke für deine ehrlichen Einblicke zu der Geschichte, die mir auf jeden Fall dabei helfen, zu entscheiden, ob das für mich in Frage kommt oder eher nicht.
    Liebe Grüße
    Dana

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    1. Hallo Dana,

      "Monster 1983" ist mir vom Sehen her bekannt. Davon haben einige geschwärmt, auch Andrea von LeseBlick. Ich habe es sogar auf meiner Merkliste und habe es mir schon ewig vorgenommen. Bisher hat es nicht geklappt.

      Ich glaube, wenn ich das Buch gelesen hätte, dann wären es 3 Sterne geworden. Aber die Stimme der Sprecherin hat genau die Aspekte, die mich so gestört haben, noch unterstrichen. Da hat's mir die Haare aufgestellt! Und wenn du auch Wert auf authentische Figuren und eine stimmige Handlung legst, würde ich dir nicht dazu raten. Da war vieles so unlogisch, was einem jungen Menschen vielleicht nicht einmal auffallen würde. Manche Nebenfiguren haben sich dermaßen abstrus verhalten, dass ich es schon fast als Beleidigung aufgefasst habe. XD

      Liebe Grüße
      Nicole

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    2. Hallo Nicole,
      ich hatte auch schon Hörbücher, bei denen Sprecher/Sprecherin für mich nicht so passten. Das kann echt viel ausmachen, wenn dann die Stimmung nicht rüberkommt oder irgendwas betont wird, was eine eh schon stört. Oder schräge Pausen mitten in den Sätzen und und und... all so Sachen, die man bei 5 Minuten Hörprobe eben nicht unbedingt mitbekommt.
      Was einem dann auffällt, was einen stört usw., das kann schon unterschiedlich sein. Ich möchte nicht ausschließen, dass ich auch mal Geschichten mochte, in denen Figuren sich seltsam verhalten haben, sie zu idealisiert oder zu konstruiert waren, wenn der Rest rundrum passt, kann das schon trotzdem gehen. Aber allgemein mag ich es schon lieber, wenn man irgendwie nachvollziehen kann, was da los ist, wieso sie sich so verhalten und man sich halbwegs vorstellen könnte, dass es authentisch/realistisch ist. Daher werde ich hier wohl wirklich Abstand nehmen, nicht nur vom Hörbuch, auch vom Buch, denn da ändert sich ja der Inhalt nicht, selbst wenn man die ungünstige Verstärkung durch die Sprecherin nicht hat.
      Liebe Grüße,
      Dana

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  2. Huhu Nicole :D

    Irgendwie habe ich geahnt, dass es dir nicht gefallen wird. Das Buch war ja super gehypt, fast so wie Fitzek und ich habe mittlerweile echt die Erfahrung gemacht, dass da dann meistens nur heiße Luft hintersteckt. Billige Unterhaltung für die breite Masse und eben nichts qualitativ Hochwertiges.

    Ich habe vor vielen Jahren "Darkside Park" von ihm als Hörspiel gehört, was ich bis auf das abstruse Ende noch ganz gut fand, aber später habe ich dann gemerkt, wie sehr sich dieser AUtor selbst vermarktet und war dann echt draußen. Leser hat er ja genug! ;)

    Ich hoffe, wir finden in diesem Jahr noch ein paar echte Thrillerperlen!

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      wahrscheinlich hast du recht. Ich habe den Hype überhaupt nicht mitbekommen und hatte ja schon lang vorher ein Auge auf das Buch geworfen. Total schade. Aber richtig junge Lesern kann es bestimmt gefallen. Es ist ja spannend. :D

      Bei Hypes habe ich unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Manche sind berechtigt, andere wurden künstlich aufgeblasen. Den Fitzek muss ich aber auch schon lange nicht mehr haben, obwohl ich ihn sympathisch finde. Aber seine Bücher sind nicht meins. Nur "Die Blutschule" hat mir extrem gut gefallen. Das kam bei den Fans hingegen weniger an. XD

      Aber egal, die Thrillerperlen warten auf uns! :D

      Liebe Grüße
      Nicole

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