Samstag, 17. Februar 2018

Rezension: Trümmerkind - Mechthild Borrmann

© Knaur
Trümmerkind
| Mechthild Borrmann |

Verlag: Droemer Knaur 2017
Seiten: 304 
ISBN: 9783426304921

MEINE BEWERTUNG 

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Verzweiflung der Nachkriegszeit

Hamburg, 1946/47. Der 2. Weltkrieg ist vorbei und Hamburg ist zerstört. Tausende Menschen sind in den Trümmern der Stadt mit dem täglichen Überlebenskampf konfrontiert. Da findet der 14jährige Hanno eine nackte Frauenleiche. Wenige Schritte von ihr entfernt ist ein kleiner Junge, den er kurzerhand mit nachhause nimmt. Der Kleine wird fortan Joost genannt, weil er kein Wort über die Lippen bringt. 

„Trümmerkind“ ist ein historischer Roman, der in der Nachkriegszeit des 2. Weltkriegs in Hamburg spielt. Dabei greift die Autorin wahre Begebenheiten auf und verarbeitet sie zu einer fiktiven Geschichte.

Die Handlung ist in drei Erzählstränge unterteilt, wovon zwei unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg angesiedelt sind. Es geht nicht nur um Hanno und seine Familie in Hamburg, sondern auch um Clara Anquist und wie sie von ihrem Gut aus der russischen Besatzungszone fliehen muss. Eine weiterer Handlungsstrang findet in den frühen 1990er-Jahren statt, wo Lehrerin Anna einem gut gehüteten Geheimnis auf die Schliche kommt.


Der 14jährige Hanno bringt sich und seine Familie einigermaßen durch. Er stöbert in den Trümmern nach Brauchbarem, um es am Schwarzmarkt zu verkaufen. Seit der Vater in den Krieg gezogen ist, fühlt er sich als Mann im Haus. Diesem Verantwortungsgefühl ist es wohl auch geschuldet, dass er den kleinen Joost aufklaubt, weil er ihn nicht allein in den Trümmern lassen will.


Clara Anquist ist eine Frau in den 20ern. Sie hat mit ihrer Familie auf einem ansehnlichen Gut am Land gelebt. Mit dem Ende des Krieges kommen die Russen in die Region und nehmen sich alles, was ihnen ihres Erachtens zusteht. Clara merkt, dass es in ihrer Heimat keine Zukunft für sie gibt und geht die Flucht Richtung Spanien an.


Anna ist Lehrerin. Ihre Generation hat den Krieg und seine Nachwehen längst hinter sich. Dennoch nagen ihr Gewissen und die Sorge um ihre Mutter an ihr. Die Mutter spricht niemals vom Kriegsgeschehen und Anna ahnt, dass sie etwas zu verbergen hat.


Thematisch hält sich die Autorin an den Wirren der Nachkiegszeit fest. Dabei nimmt sie die Trümmermorde aus dem Winter 1946/47 als Grundlage und überlegt, was damals geschehen sein kann. Denn in den Trümmern von Hamburg wurden damals tatsächlich vier nackte Leichen gefunden, deren Ermordung niemals aufgeklärt wurde.


Mir gefällt, dass Mechthild Borrmann diese Morde aus dem Sog des Vergessens zieht und damit Bewusstsein für den harten Winter, die umgreifende Armut und die Verzweiflung der Menschen schafft.


Die Handlung ist nachvollziehbar, baut sich langsam auf und spielt mit spannenden Momenten. Am Ende trumpft Mechthild Borrmann noch mit einer Überraschung auf, die ich so nicht erahnt hätte.


Mir hat es etwas an atomsphärischer Dichte gefehlt, einige Stimmungen und Ereignisse wurden mir zu distanziert beschrieben. Manche Szenen werden nur angedeutet und enden abrupt, obwohl hier mehr Hintergründe interessant gewesen wären. Dafür wirkt „Trümmerkind“ äußerst authentisch, weil genau diese Aussparungen Wissenslücken vermuten lassen. Zum Schluss habe ich sogar gezweifelt, ob es nicht doch die Beschreibung einer wahren Begebenheit ist, weil es durch den nüchternen Erzählstil tatsächlich so wirkt.


„Trümmerkind“ von Mechthild Borrmann ist ein guter historischer Roman, der auf die Trümmermorde Hamburgs aufmerksam macht, den Blick auf die Verzweiflung der Nachkriegszeit richtet und das harte Leben der damaligen Menschen vor Augen führt. Bei Interesse sollte dieser Roman unbedingt gelesen werden!

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MEINE BEWERTUNG

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Kommentare:

  1. Hallo Nicole,
    ich habe das Buch im letzten Jahr gelesen und empfand sowohl den Schauplatz wie auch die Charaktere und das Geschehen als sehr gut ausgearbeitet. Volle fünf Sterne sind es auch bei mir nicht geworden, da mich der Part der Gegenwart und somit auch das Ende nicht so ganz überzeugen konnte.
    Auf die Autorin bin ich im Übrigen durch ein anderes Buch - Die andere Hälfte der Hoffnung - gekommen...falls ich auch mal einen Buchtipp in deine Richtung schieben darf. :D
    Ich wünsche dir ein wundervolles Wochenende. <3
    Liebst, Hibi

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    1. Hallo Hibi,

      von "Die andere Hälfte der Hoffnung" haben wir sogar in der Leserunde gesprochen und werde es wohl auch gemeinschaftlich angehen. :) Dann dürfte es sich wohl lohnen!

      Mir hat's hier etwas an Dichte und Atmosphäre gefehlt, was aber dann doch zu Authentizität geführt hat. Es war gut zu lesen und die Spekulation um die Trümmermorde fand ich interessant.

      Ich wünsche dir auch ein grandioses Wochenende! Lass' die Seele baumeln. :)

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Liebe Nicole,
    ich habe das Buch auch letztes Jahr gelesen und ebenfalls 4 Sterne vergeben. Wie Hibi fand ich vorallem das Ende nicht ganz überzeugend. Doch im Großen und Ganzen ist der Roman sehr gut.
    Liebe Grüße
    Martina

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    1. Hallo Martina,

      lag es am Ende der Gegenwart oder der Vergangenheit? Den Gegenwartsstrang fand ich ok, mich hat der abrupte Schluss bei der Vergangenheit verstört.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  3. Huhu!

    Dieses Buch habe ich mir vor einer Weile auf der entsprechenden Lesung gekauft, und natürlich subbt des seitdem vor sich hin... Ich habe mir für 2018 aber vorgenommen, es auf jeden Fall zu lesen.

    Eine Bekannte, die sich das Buch auch auf dieser Lesung gekauft hat, hat es seither gelesen und fand es gut.

    Schöne Rezension!

    Liebe Grüße,
    Mikka.

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    1. Hallo Mikka,

      ich denke, dass dir das Buch gefallen wird. Es ist sehr authentisch geschrieben und man meint fast, eine wahre Begebenheit erzählt zu bekommen.

      Hast du dir dein Exemplar signieren lassen?

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  4. Schöne Rezension, Liebes. ♥
    Wie schon in der Leserunde gesagt: Ich mochte es von vorne bis hinten und habe überhaupt nichts daran auszusetzen. ;) Ich freue mich schon, wenn es mit der Leserunde zu den anderen Büchern wirklich klappen sollte. Sie liegen zumindest beide schon parat. :)
    Fühl dich gedrückt
    Alles Liebe
    Kitty
    P.S. Ich werde deine Rezension bei mir verlinken, ist das okay?

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    1. Hallo Kitty,

      oh ja, grade das Tschernobyl-Buch fände ich auch sehr interessant! Das muss ich mir jetzt mal aktiv auf die WL setzen, damit es beim nächsten Buch-Shopping mitgeht und ich vorbereitet bin. :)

      Natürlich, vielen Dank für's Verlinken! ♥

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  5. Hallo Nicole,

    ich kann nur sagen, dass wir (vielleicht auch durch die Leserunde) da ziemlich gleich empfunden haben. Ich war zwar hier am Ende durchaus betroffen, aber ich glaube, hätte ich da noch mehr Tiefe in der Erzählung bekommen, wäre es noch einmal näher gegangen. :)

    Liebe Grüße
    Silke

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    1. Hallo Silke,

      das Ende hat mich überrascht, aber auch mit einem dumpfen Gefühl zurückgelassen. Dabei denke ich, dass es sogar Absicht war, damit die Erzählung diesen authentischen Nachhall hat. Kann das sein?

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  6. Hallo Nicole.

    Mir hat "Trümmerkind" sehr gut gefallen. Ich glaube gerne, wenn man die Geschichte in einer Leserunde liest, dass man teilweise eine ganz andere Sichtweise hat.

    Deine schöne Besprechung verlinke ich gerne bei meiner.

    Liebe Grüße,
    Gisela

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    1. Hallo Gisela,

      bestimmt. Ich denke auch, wenn man ein Buch gemeinsam liest, dann ergeben sich ganz andre Perspektiven. Grad das finde ich an Leserunden auch immer so schön.

      Dankeschön!

      Ich wünsche dir einen tollen Sonntag!

      Liebe Grüße,
      Nicole

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