Sonntag, 4. August 2019

Rezension: Anne Frank Tagebuch - Anne Frank

© Fischer Verlag
Anne Frank Tagebuch
| Anne Frank |

Verlag: Fischer Verlag 2019
Seiten: 496 
ISBN: 9783596152773

MEINE BEWERTUNG 

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Zeitloses Zeitdokument

Anne Frank hat dieses Tagebuch im Hinterhaus - dem Versteck ihrer jüdischen Familie - in den nationalsozialistisch besetzten Niederlande geführt. Damit ermöglicht sie der Nachwelt einen Einblick in Hoffnungen, Ängste und den Alltag dieser Schreckenszeit.

Anne Frank ist wohl jedem ein Begriff. Das Mädchen ist Ende der 1920er-Jahre geboren. Ihre jüdische Familie ist in den 1930er-Jahren aus Deutschland nach Amsterdam geflohen, wo sie sich vor dem Nationalsozialismus in Sicherheit wähnten. Als die Nationalsozialisten weiter ihre Macht ausbreiteten, hat sich Annes Familie mit anderen Juden ab 1942 im  sogenannten Hinterhaus versteckt. Anne hat im Alter von 13 Jahren mit ihren Aufzeichnungen in ihr Tagebuch begonnen. 1944 reißen ihre Einträge ab, als das Versteck ausgehoben und die Untergetauchten in Konzentrationslager verfrachtet werden.

Anne Franks Tagebuch ist, was es ist. Ein Tagebuch. In erster Linie erzählt das Mädchen von Begebenheiten, ihren Gedanken und Gefühlen. Ich denke, viele Passagen würden heutzutage von Mädchen in diesem Alter genauso geschrieben werden. Sie streitet mit ihrer Mutter, verachtet die Schwester, vergöttert den Vater und die anderen Untergetauchten nerven sie mal mehr, mal weniger.


Hier zeigt sich meiner Meinung nach das typische Gefühlschaos, in dem Pubertierende nun mal stecken. Bei manchen Stellen habe ich mich beim Lesen unwohl gefühlt, weil Anne diese Gefühle ihrem Tagebuch, und damit nicht mir, anvertraut. 


Gleichzeitig steckt Anne in einer erschütternden Situation. Ihre Familie ist in diesem Amsterdamer Hinterhaus untergetaucht. Sie halten sich vor den Nazis versteckt, werden von Unterstützern mit lebensnotwendigen Gütern versorgt, und bangen Tag für Tag dem Kriegsende entgegen. 


Anne skizziert die Räumlichkeiten, beschreibt den Alltag, die täglichen Pflichten und geht auf das enge Leben ein. Obwohl sich sämtliche Personen bemühen, reibt der Mangel an Privatsphäre die Untergetauchten nervlich auf. Es kommt zu Gezänk, Unvorsichtigkeit, Gezeter und Streitereien, die Anne meiner Meinung nach gekonnt beschreibt. 


Zudem kommt die Angst vor Entdeckung, den Fliegerbomben, und, dass sie auf ewig im Hinterhaus eingepfercht sein könnten. All das beschreibt das Mädchen nachvollziehbar, obwohl ich mir dieses Leben - die Zeit während des Zweiten Weltkriegs allgemein - kaum vorstellen kann. 


Ich las die Einträge mit aufrichtiger Beklemmung in der Brust, weil man von vornherein weiß, wie Annes Geschichte ausgehen wird. Da hat sie aufgrund einer ersten, zarten Liebe Herzchen in den Augen, und gleichzeitig hatte ich Bilder von zu Tode gehungerten, ausgezehrten Juden im Kopf. 


Meiner Meinung nach ist Anne Franks Tagebuch ein wichtiges Zeitdokument, das jeder gelesen haben sollte. Dank Anne Frank bekommen die tausenden jungen Mädchen, ihre Eltern und Großeltern, ihre Freunde und Bekannten ein Gesicht. Sie steht als Sinnbild für all die Verfolgten, denen dieses Unrecht widerfahren ist. Sie zeigt, dass die Opfer des Nationalsozialismus in erster Linie Menschen sind. 


Ich bedaure, dass Anne Frank nie erwachsen geworden ist. Es tut mir leid, dass sie sich nie richtig verlieben durfte, keine eigene Familie gegründet, kein Buch geschrieben und das Gute nach dem Zweiten Weltkrieg nicht gesehen hat. Aber ich bin froh, dass der Welt ihr Tagebuch bleibt, damit wir nie (wieder) vergessen, dass jeder Mensch ein Recht auf sein Menschsein hat.

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MEINE BEWERTUNG

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Kommentare:

  1. Hey Nicole,
    ich gebe dir eigentlich bei allem recht. Es ist wichtig bescheid zu wissen. Ich finde es auch richtig, dass viele das Tagebuch in der Schule lesen. Da kommen dann auch die nicht-Leser damit in Berührung. Ich selber habe es vor ein paar Jahren gelesen und habe, wie du meine Probleme zu Glauben, dass so etwas real war. Sich in die Situation zu versetzen...

    Ich hab zum Beispiel auch "Aus der Hölle zurück" gelesen. Ein Buch eines Mannes, der mehrere Konzentrationslager überlebt hat (seinen Bericht habe ich dazu in der Schule gehört) und dachte mir einfach wie irreal das alles klingt. Dass man mit Menschen so umgegangen ist...
    Auch sehr gut ist "Unter Bauern" eine Geschichte einer jüdischen Familie, die im Wechsel bei Bauernfamilien versteckt wurden. Ich finde es sehr berührend, dass es in der schrecklichen Zeit auch sehr gute Menschen gab, die Menschen mit ihrem eigenen Leben beschützt haben.

    Liebe Grüße und schönen Sonntag,
    Eva

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    1. Hallo Eva,

      bei uns war es gar keine 'richtige' Schullektüre. Wir haben im Unterricht lediglich Auszüge aus dem Tagebuch besprochen. Daher wollte ich das unbedingt mal nachholen. Ich finde es wichtig, dass man sich mit Annes Schicksal auseinandersetzt.

      Heute habe ich erst mit einer Arbeitskollegin über das Thema gesprochen. Es ist unglaublich, wie wir Menschen agieren und reagieren. Man kann sich das gar nicht vorstellen, welche Bedingungen u. a. Juden damals ertragen mussten. Und wie sie dann alle in dieser Tragik umgekommen sind. Natürlich, es gab viele gute Menschen, was genauso unglaublich ist, weil sie so viel Mut und Stärke gezeigt haben.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Hallo liebe Nicole,

    eine sehr schöne Rezension, die viele meiner Gedanken widerspiegelt, die ich damals beim Lesen hatte. Mir tat es so unglaublich leid, dass sie nie erwachsen werden konnte. Ich will deiner Rezension auch gar nicht viel hinzufügen, weil du das alles schon wunderbar in Worte gefasst hast - viel besser, als ich das damals gekonnt habe.

    Liebe Grüße
    Dana

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    1. Hallo Dana,

      herzlichen Dank! Ich finde es total schwierig, dass man zu Anne Franks Niederschrift eine 'Rezension' schreibt. Aber ich wollte meine Gedanken dazu unbedingt ausdrücken, allein um zu zeigen, dass sie nicht vergessen wird.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  3. Hallo Nicole

    Was für eine schöne Rezension zu einem so wichtigen, aber auch traurigen Buch. Ich habe das Tagebuch vor ein paar Jahren auch zum ersten Mal gelesen und mir ging es ähnlich wie dir. Einerseits war ich beeindruck von der Reife und Wortgewandtheit von Anne Frank, die im Tagebuch zutage kamen, andererseits war die Situation, in der sie sich befunden hat, tatsächlich sehr beklemmend.
    Ich war letztes Jahr im Amsterdam und es war mir ein Anliegen, das Hinterhaus zu besuchen, in der Anne sich versteckt hat. Das Haus wurde zu einem Museum umfunktioniert, das aber wirklich sehr gut gemacht ist. Man kann sich nicht nur die Räumlichkeiten anschauen (die in der Realität noch einmal erschreckend kleiner sind, als ich sie mir vorgestellt habe), sondern auch noch weitere Fotos usw. von damals anschauen. Falls du noch nie in Amsterdam warst, kann ich dir den Besuch im Anne Frank Museum sehr empfehlen - auf tragische Weise natürlich. Aber es führt einem noch einmal vor Augen, wie die Situation für Anne damals gewesen sein muss, die sie in ihrm Tagebuch schildert.

    Liebe Grüsse
    Mel

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    1. Hallo Mel,

      danke schön! Und herzlichen Dank für den Tipp. Mir war gar nicht bewusst, dass man dieses Hinterhaus besuchen kann. Irgendwann werde ich mir Amsterdam ansehen, und da garantiert dieses Hinterhaus aufsuchen. Ich bin mir sicher, dass Annes Schicksal dadurch noch 'realer' wird, und finde es großartig, dass die Räumlichkeiten als Museum erhalten bleiben.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  4. Hey Nicole,

    schön, dass Du es auch gelesen hast ♥
    Ich mag das Buch sehr gerne, weil es für mich das beste bisher gelesene Zeitdokument aus dem Zweiten Weltkrieg ist.

    Mit Deiner Rezension sprichst Du mir aus der Seele, denn ich stimme in vielen Punkten mit Dir überein :-)

    Liebe Grüße Melli

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    1. Hallo Melli,

      ich hatte es ewig am SuB liegen. Dafür muss man wirklich in der richtigen Stimmung sein. Stimmt, aus dem Zweiten Weltkrieg gibt's ansonsten ja kaum so offene Aufzeichnungen. Alles Schriftliche ist - der allgemeinen Stimmung entsprechend - verhalten.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  5. Hallo Nicole,
    deine Rezension ist wirklich sehr toll, sie sagt eigentlich alles aus, was man zu diesem Tagebuch sagen kann. Und es ist wie du schon sagst, so wichtig, das man nicht vergisst und da hilft dieses Zeitdokument ungemein.
    Ich habe mich damals schwer getan eine Rezension zu dem Tagebuch von Anne Frank zu schreiben. Aber bei dir ist alles rund.
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

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    1. Hallo Diana,

      vielen Dank! Es ist alles aus dem Bauch heraus geschrieben. Oh ja, wem sagst du das! Es ist wohl eher ein Buch, dass sich für einen Leseeindruck besser eignet als eine 'normale' Rezension. Daher habe ich gar nicht viel drüber nachgedacht, sondern einfach geschrieben, was mir in den Sinn kam.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  6. Huhu Nicole :D

    Ich stöbere gerade von unterwegs durch deine Beiträge! Schade, dass ich verpasst habe, wie du "Anne Frank" gelesen hast, das Buch hat mich damals wirklich sehr berührt. Es war aber schön, das alles durch deine Rezension noch einmal aufleben zu lassen! Ein sehr trauriges Thema, das nicht in Vergessenheit geraten sollte. Zum Glück sorgen Bücher dafür!

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich gefreut habe, als ich deine Kommentare in meinem Mail-Postfach aufblitzen sehen habe! :) Schön, von dir zu lesen!

      Ja, unbedingt! Dieses Buch ist absolut wichtig, und ich hoffe, dass Anne noch viele Leser an ihrem kurzen Leben teilhaben lassen wird.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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