Samstag, 10. August 2019

Rezension: Der Mann, der nicht mitspielt - Christof Weigold

© DAV
Der Mann, der nicht mitspielt
| Christof Weigold |

Verlag: DAV 2018
Dauer: 18 h : 05 min 
ASIN: B079K3X5NN
Sprecher: Uve Teschner

MEINE BEWERTUNG

 
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Stumme Filme, tote Starlets & ein berauschendes Alkoholverbot

Hollywood in den 1920er-Jahren. Der deutschstämmige Privatdetektiv Hardy Engel erhält den Auftrag, nach dem Starlet Virginia Rappe zu suchen. Kurz darauf stirbt die Gesuchte und Hardy weiß, dass der Aufschrei der Öffentlichkeit nicht nur dem offensichtlichen Sündenfall Hollywoods gilt. Nun liegt es an ihm, die Wahrheit ans Licht zu bringen.

„Der Mann, der nicht mitspielt“ ist ein Reihenauftakt um den Privatdetektiv Hardy Engel, den es von Deutschland nach Hollywood verschlagen hat. Meiner Meinung nach zeichnet sich Christof Weigolds Kriminalroman durch die umgreifende Atmosphäre, dem Gefühl für diese Zeit und den Zauber der Filmwelt aus.

Das Besondere ist meiner Ansicht nach die Zeit, in der dieser Krimi angesiedelt ist. Der Leser kommt nach Kalifornien und landet schnurstracks in der Filmstadt Hollywood. Das Filmgeschäft ist überall, allerdings in seiner rudimentären Form. Der Stummfilm regiert die Leinwände, es sind die Sketches, nach denen das Publikum lechzt und Film ist für’s Kino gemacht.


Daher befindet man sich in einem Hollywood, in dem die Sternchen zu Stars werden, der Alkoholkonsum dank der Prohibition zum Dauerrausch führt, und verschmitzte Geschäftsmänner den Film zum Business erklären.


Mitten in dieser glamourösen Welt wird Privatdetektiv Hardy Engel beauftragt, das Starlet Virginia Rappe zu finden. Aus Geldnot heraus nimmt er den Fall gerne an, auch wenn er eigentlich von einer Karriere beim Film träumt. Diese Karriere steht ihm eindeutig bevor, doch anders als er es sich wünscht. Denn Virginia Rappe stirbt wenige Tage später. Ihr Tod wird zum Mordfall, der alle Filmstudios aus den Angeln hebt.


Schon allein als Hardy den Auftrag für die Ermittlungen erhält, wird man sofort in die Atmosphäre des Romans gezogen. Klassisch - wie wir es aus alten Schwarzweiß-Filmen kennen - erwartet die schöne, junge Auftraggeberin Pepper Murphy den Detektiv Hardy Engel in seinem Büro. Es wird geraucht, getrunken und manch eindeutiger Augenaufschlag verteilt. 


Diese Stimmung zieht sich quer durch den gesamten Roman. Sagenhaft, wie es Christof Weigold schafft, das Hollywood der 1920er-Jahre auf die innere Leinwand zu holen. Man riecht den billigen Fusel, ist geblendet vom schönen Schein, und merkt, dass jeder hinter der Fassade gefährlich viel Dreck am Stecken hat. 


Außerdem brilliert Weigold mit schillernden Details aus der Filmwelt, die sie bis heute prägen. Sei es Leo, der Löwe - der als Vorspann brüllend unsere Vorfreude anfacht - der exzessive Lebensstil der Stars, oder warum Zensur manchen Film in den USA zu schaffen macht. Bemerkenswert ist an dieser Stelle, dass der Mordfall an Virginia Rappe auf einer wahren Begebenheit beruht, und vom Autor fiktional ausgearbeitet wird.


Der Erzählstil ist etwas träge, und der Fall kommt nicht so recht vom Fleck. Die Handlung ist gleichförmig, wenige Spitzen treiben Spannung  - wenn überhaupt - voran. Sie hätte etwas mehr Schwung vertragen. Trotzdem bleibt der Roman aufgrund des Ambiente durchgängig fesselnd und interessant.


Insgesamt hat mir „Der Mann, der nicht mitspielt“ gut gefallen. Details aus der Entstehungsgeschichte Hollywoods sind fesselnd erzählt, der Mordfall ist interessant, und aufgrund der genial aufgebauten Stimmung fühlt man sich sofort an Ort und Zeit versetzt.

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MEINE BEWERTUNG

Bisher in der Hardy-Engel-Reihe erschienen:
1) Der Mann, der nicht mitspielt
2) Der blutrote Teppich

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Kommentare:

  1. Hallo liebe Nicole,

    ich bin eigentlich gar kein Krimi-Fan. Warum macht mich dann deine Rezension so neugierig? :D
    Aber die Atmosphäre klingt unheimlich cool. Ich glaube, zu den 20ern kenne nur "the Great Gatsby" und die "Cold Fury"-Reihe, letztere spielt allerdings in unserer zeit und hat nur einen Nachhall von Prohibition und Kriminalität in den 20ern.
    Hmmm, aber da ich eh öfter mein Stammgenre verlassen will, merke ich mir dieses Buch mal vor, danke. :D

    Liebe Grüße
    Dana

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    1. Hallo Dana,

      Bücher zu den 1920er-Jahren finde ich meistens recht interessant. Dann gibt's u.a. auch noch "The Diviners". Kennst du die Reihe? Band 1 hat mich nicht umgehauen, aber den 2. Teil fand ich großartig.

      Bei diesem Buch hier muss man den sehr langsamen Erzählstil mögen. Es ist halt kein spannender Action-Thriller. Doch die ganze Glamour-Atmosphäre von Hollywood in seinen Beginnzeiten ist absolut packend.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Hey Nicole,

    endlich finde ich mal wieder Zeit, bei dir ein wenig zu kommentieren. Irgendwie klappt das alles überhaupt nicht mehr, seit bei mir die FH angefangen hat, hat es hat mir einfach den gewohnten Rhythmus zerrissen, den ich zum Kommentieren hatte ...

    Aber offensichtlich haben wir derzeit wieder einmal dieselben Bücher am Radar :D. "Der Mann ..." hab ich nämlich auch gehört, allerdings nicht am Blog rezensiert, weil es für mich nach einem tollen Start leider ein ziemlicher Reinfall war. Vielleicht hätte ich es lesen sollen, aber so bin ich dank Uve Teschners Leseart immer wieder mal weggedriftet, es passierte für mich einfach viel zu lange viel zu wenig. Auch wenn ich die Atmosphäre und das Setting einfach toll fand.

    Liebe Grüße
    Ascari

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    1. Hallo Ascari,

      da muss ich dir auf jeden Fall zustimmen! Die Handlung ist - zumindest in der Hörbuchversion - ziemlich träge, und hätte mich die Atmosphäre dieser Zeit nicht so gepackt, dann wären es bestimmt keine vier Sterne geworden. Also, ich habe es gern gehört und es hat mich gefesselt, nur eben nicht aufgrund der Handlung.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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