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| © Droemer |
| Judith W. Taschler |
Verlag: Droemer 2020
Seiten: 352
ISBN: 978-3426306468
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★ -
ISBN: 978-3426306468
MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★ -
Idylle trifft auf Überlebenskampf
Zum 50. Geburtstag von Kim Mey planen seine Kinder eine Überraschung. Sie laden Tevi Gardiner ein. In ihrer Kindheit sind Kim und Tevi aus Kambodscha geflohen und er hat sie seit 25 Jahren nicht mehr gesehen. Doch statt Freude zeigen Kim und auch seine Frau Ines ein unerwartet abweisendes Verhalten. Lange Verborgenes über die dramatische Flucht vor den Roten Khmer und das tragische Ende einer großen Liebe kommen ans Licht.
Als ich mit diesem Buch begonnen habe, war mir nicht klar, dass ich in eine völlig andere Welt gezogen werde. Denn die Geschichte um ein scheinbar harmloses Geburtstagsfest, hat mich ordentlich gefordert und nachhaltig erschüttert.
Es ist die Geschichte um Kim Mey, der mit Tevi Gardiner als Kind aus Kambodscha nach Österreich flieht. Und es handelt von der Familie, die die beiden aufnimmt. Jahrzehnte später, an Kims 50. Geburtstag, bringt ein Überraschungsgast alte Geheimnisse und längst verdrängte Erinnerungen ans Licht.
Der Einstieg ist recht bodenständig beschrieben. Man erfährt, wie Monika auf die Idee kommt, Flüchtlingskinder aufzunehmen. Es ist keine heroische Geste, sondern geschieht aus Sorge um ihre Tochter Ines, der etwas im Leben fehlt. Gemeinsam mit ihrer resoluten Mutter Martha führt sie den Drei-Generationen-Haushalt und nimmt Kim und Tevi in ihren Alltag auf.
So gelangen Kim und Tevi aus Kambodscha in einen kleinen österreichischen Ort zu dieser „Drei-Mäderl-Familie“. Hier spürt man die Unsicherheit, das vorsichtige Herantasten und leise Veränderungen im Alltag aller Beteiligten.
Man bleibt aber nicht in Österreich, sondern wendet sich der Herkunft der beiden Flüchtlingskinder zu. Ich habe beim Lesen bemerkt, wie wenig ich über die 1970er-Jahre und über Kambodscha wusste. Der Unterricht hierzulande dreht sich meist um andere historische Schwerpunkte, und die Rote Khmer war für mich eher ein verschwommener Begriff. Judith W. Taschler schafft es, mir Zeit und Land vor Augen zu führen.
In einem Vergangenheitsstrang begegnet man den Familien Mey und Chang und sieht das Leben vor der Diktatur. Man erhält einen Blick auf Kambodscha, wie es vor der Machtübernahme aussah. Die Menschen hofften auf Besserung, sie strebten Wohlstand an und wurden abrupt in ein System gestoßen, das jede Menschlichkeit auslöschte.
Aufwühlend war für mich, wie radikal die Rote Khmer die Menschen entwurzelt hat. Familien wurden auseinandergerissen und Jugendliche sowie Kinder zu Werkzeugen der Gewalt gemacht. Die Autorin beschreibt all dies absolut mitreißend, ohne in Geschmacklosigkeiten zu verfallen. Dabei spart sie nichts aus. Sie führt klar vor Augen, was im Dickicht des Dschungels geschehen ist. Da spritzt Blut. Und Menschen sterben, sogar von Kinderhand.
Erst durch diese Rückblenden ahnt man, was Kim und Tevi mit sich herumtragen, und dass sich das einstige Leben nicht so leicht abstreifen lässt.
Die Frauen in Österreich bilden dabei den Ankerpunkt des Romans. Ines, Monika und Martha wirken so normal, dass man beim Lesen fast vergisst, wie außergewöhnlich ihre Situation mit den Flüchtlingskindern ist. Sie geben der Handlung einen soliden Boden und zeigen, wie dramatisch der Unterschied zu einem Leben in Kambodscha ist.
Und dann ist da dieser 50. Geburtstag im Jahr 2016, der eigentlich ein freudiges Familienfest sein sollte. Von Anfang an ist klar, dass die „schöne“ Überraschung alles in Bewegung setzen wird. Es ist kein lautes Drama, sondern eine drastische Wende, die auf unausgesprochenen Verletzungen und unvergessenen Erinnerungen baut.
Judith W. Taschler hat mich mit ihrem Stil durch den Roman getragen. Ich habe die Figuren und ihre Umgebung deutlich vor Augen gehabt, sodass ich bei Ines, Monika und Martha in der warmen Küche saß und mit Kim und Tevi im blutigen Morast im Dschungel mit dem Gesicht nach unten lag.
Die Atmosphäre wechselt zwischen Hoffnung und Bedrohung, zwischen österreichischer Idylle und erschütterndem Überlebenskampf. Die Geschichte lässt einen nicht los, fordert emotional und wühlt Seele und Geist gleichermaßen auf.
„Das Geburtstagsfest“ ist ein außergewöhnlich intensives Leseerlebnis. Ich habe mitgelitten, mitgefühlt und vor Entsetzen innegehalten. Und dann habe ich wieder die Wärme von Verbindungen gespürt, gesehen, was Menschen überleben, und wie sie eines Tages verzeihen. Absolute Empfehlung.
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MEINE BEWERTUNG
★★★★★
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Servus Nicole, diese Buch habe ich schon gelesen und kann es nur weiter empfehlen. Besonders Menschen die sich für Kambodschas Geschichte interessieren werden sie hier mit erleben. Bürgerkrieg und die Auswirkungen auf viele Leben.
AntwortenLöschenLG aus Wien
Hall Frau Mayer,
Löschenoh ja, das war eine Geschichte! Auch wenn man sich nicht für Kambodscha interessiert, fand ich es total interessant zu lesen. Für mich war das ein komplett neues Thema und die Autorin hat wirklich hervorragende Arbeit geleistet. Das Buch ist mir ordentlich unter die Haut gegangen.
Liebe Grüße
Nicole
Liebe Nicole,
AntwortenLöschenwie schön, dass dir dieses Buch auch so gut gefallen hat! Ich war damals, als ich es gelesen habe, ja absolut begeistert, auch wenn es nicht leicht zu lesen ist. Wie du habe ich kaum etwas über Kambodscha und die Rote Khmer gewusst. Judith W. Taschler kommt ja aus einer Familie in OÖ, wo viele Flüchtlinge damals untergekommen sind und auch in ihrer Familie. Dieses Jahr war sie auch in Kambodscha mit ihrer Tochter.
Liebe Grüße
Martina
Hallo Martina,
Löschenvielen Dank für die Empfehlung! Und es ist mal wieder viel zu lang am SuB gelegen.
Es war sehr interessant mehr über Kambodscha zu erfahren und auch wie es war, als in Österreich Flüchtlinge aufgenommen wurden. Das war mir alles nicht bekannt. Die Autorin hat das wirklich sehr genial aufgearbeitet und wunderbar in ihrem Roman transportiert.
Liebe Grüße
Nicole