Dienstag, 1. September 2026

Rezension: Orakel - Thomas Olde Heuvelt

Rezension
Orakel
Thomas Olde Heuvelt
Meine Bewertung
★★★★★
Verlag · Heyne · 2025
Seiten · 656
ISBN · 978-3453323001
Ein unheimlicher Blick durch die Luke
Mitten auf einem Blumenfeld entdecken zwei Jugendliche ein mysteriöses Schiffswrack. Als alle verschwinden, die sich hineinwagen, wird Okkultspezialist Robert Grim hinzugezogen und stößt auf ein Geheimnis, das besser am Meeresgrund geblieben wäre.

Ein uraltes Wrack mitten auf einem brachliegenden Tulpenfeld? Das klingt schon einmal nach einer ziemlich guten Ausgangslage für einen Horror-Roman. Als Emma Reich neugierig in den Kahn hineinklettert und anschließend spurlos verschwindet, ist schnell klar, dass mit der "Orakel" etwas ganz und gar nicht stimmt.

Ich mag Thomas Olde Heuvelt sehr gern. Seine Bücher empfinde ich als ganz besondere Komposition. Sie lesen sich locker und beinahe mühelos, während zwischen den Seiten etwas Dunkles lauert. Zwar zeigt "Orakel" diesen großartigen Erzählfluss, trotzdem konnte es mich nicht ganz so wie "Hex" oder "November" vereinnahmen.

Es beginnt jedenfalls an einem nebligen Morgen in den Niederlanden. Luca und Emma entdecken auf dem Weg zur Schule ein Schiff, das dort nicht sein dürfte. Augenscheinlich entstammt es einer längst vergangenen Zeit. Richtig merkwürdig ist, dass Menschen, die in die Luke klettern, einfach verschwinden. Es ertönt eine Glocke und dann ist nichts mehr zu hören.

Mit diesem Anfang verströmte der Roman genau diesen schönen, schaurigen Reiz. Ein geheimnisvolles Wrack liegt plötzlich mitten in der Landschaft und Menschen verschwinden darin. Das hätte ich sehr gerne länger ausgekostet. Besonders, weil man nicht weiß, was in der "Orakel" passiert. Es dauert lange, bis das Geheimnis gelüftet wird.

Immer wenn ich dachte, jetzt könnte ich langsam verstehen, worauf die Geschichte hinausläuft, kam ein neues Detail dazu. Manche davon fand ich herrlich unheimlich, andere haben mich ratlos zurückgelassen. Denn der Roman verlangt durchaus, dass man sich auf seine Regeln einlässt.

Es wird nicht alles in allen Nuancen erklärt. Manche Zusammenhänge muss man akzeptieren, ohne sie vollständig nachvollziehen zu können. Manchmal klappt so etwas richtig gut, hier hat es bei mir hin und wieder dazu geführt, dass ich etwas unbefriedigt zurückblieb.

Dafür habe ich diese heuveltische Leichtigkeit geliebt. Selbst wenn die Situation äußerst düster ist, taucht etwas auf, das den Hergang ein wenig auflockert. Manchmal sind es Essen, Musik, Farbe und jugendliche Leichtigkeit, die etwas Wärme hineinbringen. Ein wirklich witziger Einfall war eine rosa Ente, die als Fluchtfahrzeug dient. Es gefällt mir am Autor, dass er in seinen Horror-Romanen nicht ständig mit ausgestreckter Hand auf die Schaueraspekte zeigt.

Mit der Zeit nimmt die Story ordentlich an Fahrt auf und wird größer, actionreicher und stellenweise überdreht. Das ist recht unterhaltsam, nimmt dem Roman aber ein wenig von seinem Schrecken. Zudem erinnert es an die TV-Serie "Stranger Things". Es ist nicht unbedingt die Handlung, sondern das Gefüge aus unterschiedlichen Menschen, einem übernatürlichen Phänomen, mittendrin Jugendliche und außenrum Erwachsene mit ihren ganz eigenen Geheimnissen, während eine Bedrohung immer größer wird.

Richtig gut hat mir außerdem das maritime Thema gefallen. Es geht um alte Schiffe, Legenden, Aberglauben und Geschichten, die besser auf dem Meeresgrund geblieben wären. Und natürlich kommen Fragen um die "Orakel" selbst auf, wie zum Beispiel, was mit den Menschen geschieht, die hineingehen.

Meiner Meinung nach ist es ein Horror-Roman, der mit einer unheimlichen Ausgangsidee anfängt und daraus eine Geschichte mit vielen Facetten und Ebenen entwickelt. Es gibt unheimliche Situationen, Mythen, menschliche Abgründe, etwas Romantik, trockenen Humor und viele Fragen. Zwar hat Heuvelt bei manchen Szenen in die Kitschkiste gegriffen, dafür gibt es aber ausreichend Momente, die durch den gewissen Schauer-Touch im Gedächtnis bleiben. Ich habe mich jedenfalls sehr gerne auf diese ungewöhnliche Passage eingelassen, und freue mich, dass bald das nächste Buch des Autors erscheint.

Mein Fazit
Wer wissen will, was es mit dem alten Schiff mitten auf einem Tulpenfeld auf sich hat, sollte unbedingt selbst einen Blick durch die Luke werfen. Aber Vorsicht, man weiß nie, was darin wartet.
★★★★★
Diese Bücher hängen lose zusammen, können aber unabhängig voneinander gelesen werden:
2 · Orakel → Rezension
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10 Kommentare:

  1. Schönen guten Morgen!

    Jetzt bist du tatsächlich eher dran mit der Rezension :D Aber meine kommt auch demnächst! Insgesamt hat es uns beiden ja richtig gut gefallen, ich hab am Ende noch einen halben Stern drauf gelegt, also 4,5 vergeben. Es ist für mich wirklich knapp vorbei geschrammt, weil mich alles ziemlich gut abholen konnte. Etwas besser als es für dich der Fall war, was ich jetzt so lese. Du hast es wieder äußerst gut beschrieben!

    Die kleinen Verbindungen zu Stranger Things mochte ich sehr, die Figuren, das ganze Szenario mit den mythischen Zusammenhängen... also ich war wirklich sehr begeistert!

    Die letzte Geschichte der Jamie Gunn - da dachte ich auch zuerst, das gehört hier dazu, dann hab ich aber gelesen, dass es völlig eigenständig ist. Lassen wir uns überraschen :D

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hallo Aleshanee,

      stimmt. XD Ich wollte die Rezension vorziehen, weil ich das Buch in meinen "Schaurigen Sieben 2026" unterbringen will. Bei mir läuft das Rezensieren derzeit kreuz und quer und das Posten der Rezensionen ebenso. Vermutlich sollte ich mir mittlerweile mal ein System zulegen. XD

      Mir war es fast ein bisschen zu leichtfüßig. Die Schwere von "November" und "Hex" hat mir ja so gefallen. Ich mag diesen subtilen Horror so gern und im Vergleich zu den beiden Büchern, hat "Orakel" bei mir ein bisschen schlechter abgeschnitten. Trotzdem hat es mir extrem gut gefallen. Für 5 Sterne hat's daher nicht gereicht und ich vergebe ja immer nur volle Sterne.

      Oh ja, diese Verbindungen zu "Stranger Things" mochte ich auch. Ein bisschen weniger aufdrehen hätte er mir können. Dafür haben's mir diese Mythen total angetan. Da kam schon der düstere Heuvelt durch.

      Laut meiner Online-Recherche müsste Jamie Gunn auch irgendwie mit den anderen beiden zusammenhängen. Schauen wir mal im November, wie es wirklich ist. Das Cover finde ich richtig arg. XD Da ist mir schon fast ein bisschen mulmig zumute gewesen, als ich den (ich bleibe jetzt einfach beim der) Banner gemacht habe. Jedenfalls freue ich mich sehr auf das Buch!

      Liebe Grüße
      Nicole

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    2. Kann ich absolut verstehen! Orakel wird auch bei mir im Herbst noch gepostet, da passt es halt auch so schön :) Wie so einige die ich gerade lese, dafür schiebe ich anderes wieder nach hinten! Auf deine schaurigen Sieben bin ich schon gespannt! Da werde ich gerne wieder mit dabei sein :) Hast du schon angepeilt wann der Beitrag ungefähr kommt?

      Ich fand es eigentlich recht angenehm dass es nicht gar so arg "schwer" war. Ich weiß was du damit meinst und obwohl ich das in den anderen Büchern gut fand, muss es jetzt nicht so arg sein. Hex fand ich damals gar nicht so schlimm, da war November heftiger für mich ^^

      Ja, das Cover zu Jamie Gunn ist sehr genial! Der rote Schriftzug stört mich etwas, aber diese "Fratze" ist schon irre xD

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    3. Die Schaurigen Sieben erscheinen schon kommenden Montag bei mir. :)

      Hier habe ich den Jamie Gunn mal als lose zusammenhängend entfernt. Da gibt es nämlich sehr unterschiedliche Informationen dazu. Richtig schlau werde ich daraus nicht daraus.
      Oh ja, dieses "Gesicht". Beim Gestalten des Banners ist mir dabei ein paar mal wummrig geworden. Bin sehr gespannt, welche Geschichte dahinter steckt.

      Stimmt, "November" war wirklich heftig. Ich fand das sehr genial. Das war halt richtig schwerer Horror, obwohl Heuvelt dennoch immer viel Verspieltheit reinbringt.

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    4. Und das habe ich natürlich vergessen: Ich freue mich, wenn du bei den Schaurigen Sieben wieder dabei bist! :)

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    5. Oh nächsten Montag schon O.O Ich dachte im Oktober! Nächste Woche ist schon so viel verplant... und auch mein Bloggeburtstagsbeitrag. Außerdem wollte ich noch das ein oder andere schaurige Buch lesen, das ich da neu mit reinbringen kann - mal schauen, ich werd das schon zusammen gebastelt bekommen :D

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    6. Das geht sich alles gut aus. :) Es ist ohnehin bis 31.10. Zeit, um die Schaurigen Sieben zu posten.

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    7. Joa, an sich eine lange Zeit... aber irgendwie kann ich kaum was verschieben, oder ich bin grade zu doof ^^ Jedenfalls hab ich den Beitrag jetzt momentan mal auf den 19. Oktober geparkt, irgendwie ist es schwierig vorher. Aber vielleicht klappt es ja noch, mal sehen :)

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    8. Der 19.10. passt doch perfekt. :)

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    9. Ich weiß, es läuft bis Halloween, aber ich bin halt lieber etwas früher dran - sollen ja Buchtipps zur Spooky Season sein, auch wenn viele Horror übers ganze Jahr lesen. Ich bin da manchmal komisch :D

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