Dienstag, 2. April 2019

Rezension: Der Fluch - Stephen King

© Random House
Der Fluch
| Stephen King |

Verlag: Heyne Verlag 2011
Seiten: 448 
ISBN: 9783453435780

MEINE BEWERTUNG 

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Verflucht!

Rechtsanwalt Billy tötet bei einem Verkehrsunfall eine Zigeunerin. Aufgrund seiner Verbindungen und den Umständen wird er vor Gericht freigesprochen. Doch ein alter Zigeuner erwartet ihn vor der Tür, als Billy das Gerichtsgebäude verlässt. Der Alte flüstert nur ein Wort. Von diesem Moment an nimmt der übergewichtige Anwalt ab - egal, wie viel er isst.  Und er begreift, dass dünner zu werden auf Dauer kein Segen sondern ein wahrer Fluch ist ...

"Der Fluch" ist ein klassischer Horror-Roman vom Meister des Grauens, der geschickt reale Ängste mit übernatürlichem Schauer verwebt.

William - Billy genannt - ist Anwalt und fährt die Zigeunerin um. Die Schuldfrage ist rasch geklärt und dank seiner Verbindungen wird er mit einer weißen Weste vom Gericht entlassen. Doch da erwartet ihn schon ein alter Zigeuner, der ihm einen Fluch ins Ohr flüstert, der Billy ab da seines Gewichts beraubt.


Anfangs ist Billy noch ein richtig fetter Kerl, der sich kaum die Schuhe zubinden kann. Sein Volumen hat sich die letzten Jahre in krankhafte Maße ausgedehnt. Trotz bester Vorsätze schafft er es nicht, sich bei der Nahrungsaufnahme einzuschränken - was ab sofort kein Problem mehr darstellt. 


'Dünner' hat der Zigeuner geraunt. Nun nimmt Billy mit jeden Tag weiter ab, egal wie viel Fast Food er sich in den Rachen stopft. Anfangs ist er erstaunt, dann kommt die Verwunderung bis sich langsam bei ihm und seiner Frau Heidi die Panik einschleicht. Ein Arztbesuch bleibt ohne Ergebnisse. Daraufhin ist sich Billy sicher, dass der Grund seines Schwindens in keiner natürlichen Erkrankung sondern in einem einzigen ausgesprochenen Wort zu finden ist.


Gleich zu Beginn hat mich Stephen King fasziniert. Zuerst geht es um die Schuldfrage des Tods der Zigeunerin. Billy ist sich sehr wohl bewusst, dass er seinen schuldlosen Abgang nur seiner beruflichen Position verdankt. Er weiß zu gut, dass er ein Leben auf dem Gewissen hat. Gleichzeitig ist er aber nicht allein im Wagen gesessen - und will sich auch nicht die alleinige Verantwortung dafür eingestehen. Dieser innere Konflikt wird in herrlichen Grauschattierungen beschrieben und zieht sich quer durch das gesamte Werk. Wer ist Schuld, wenn etwas Schreckliches passiert? Warum verdichten sich Ereignisse, sodass sie sich in einem Drama entladen?


Kurz danach stellt sich Billy erstmals seinem körperlichen Verfall, und der Panik, die daraus entsteht. Denn diese rasante Gewichtsreduktion kann seiner Meinung nach nur an einer furchtbaren Krankheit liegen. Als Leser steht man mit dem Protagonist Billy Furcht einflößende Szenarien durch, bis man im Angesicht des behandelnden Arztes sitzt.


Spätestens zu diesem Zeitpunkt kommt der Horror hervor, der unvermutet bestialisch zum Tragen kommt. Stephen King streut schaurige Verwünschungen über die Figuren seines Romans, lässt ihr Angesicht zu triefenden Fratzen verkommen, und zieht ihnen die Hautschuppen vom Leib. 


Einzig, mittendrin entspinnt sich eine langatmige Jagd, die leider das Lesevergnügen hemmt. Ich hatte das Gefühl, dass King die Passagen künstlich streckt, um auf einen größeren Seitenumfang zu kommen, statt ganz natürlich seine Geschichte zu erzählen. 


Die Entwicklung der Figuren ist nachvollziehbar, teilweise beeindruckend, und spitzt sich am Schluss zu einem eindrucksvollem Showdown zu. Stephen King hat trotz des eher verhaltenen Mittelteils noch die Kurve gekriegt. Denn das Ende hat es in sich, obwohl es mehrere mögliche Varianten enthält. Ich für meinen Teil habe mich für die dramatischste Version entschieden - und hoffe, dass „Der Fluch“ noch viele andere Ausgänge in den Köpfen begeisterter Leser nehmen wird.

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MEINE BEWERTUNG

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Kommentare:

  1. Huhu Nicole :D

    Es freut mich, dass wir wieder einen King zusammen gelesen haben! ;D Dieser Fluch war hier echt fesselnd, das mit den Längen im Mittelteil hatten wir zwar beide so empfunden, aber alles in allem doch ein guter King/Bachman :D

    Danke erneut für die tolle Leserunde!

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Guten Morgen, Jessi!

      Oh ja, es ist immer wieder ein tolles Erlebnis King in all seinen Facetten gemeinsam zu entdecken. Mittendrin hat er uns ein bisschen hängen lassen - im Endeffekt war es trotzdem wieder eine großartige Geschichte. Da waren schon einige grausame Szenen dabei.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Hey Nicole,
    das ist eines der wenigen Werke, die ich eher als etwas zu langgezogen in Erinnerung habe. Wenn es dann noch mal an der Reihe ist bei mir, weiß ich noch nicht, ob ich es tatsächlich re-reade oder zum nächsten Buch greife und es überspringe. Aber bei Dir klingt es jetzt doch wieder ganz interessant :D Mal sehen.
    Liebe Grüße Melli

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    1. Hallo Melli,

      ja, der Mittelteil ist in die Länge gezogen, und das nicht einmal im typischen King-Stil. Keine Ahnung, was da war. Jessi meinte, dass er irgendwie auf eine ordentliche Romanlänge kommen wollte/musste, was ich mir auch vorstellen kann. Insgesamt fand ich die Geschichte dennoch sehr, sehr gut. Wäre die Story nicht dieser künstlichen Streckung zum Opfer gefallen, wären es 5 Sterne geworden ...

      Liebe Grüße,
      Nicole

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