Freitag, 15. Mai 2020

Rezension: Effi Briest - Theodor Fontane

© Buchfunk Verlag
Effi Briest
| Theodor Fontane |

Verlag: Buchfunk Verlag 2013 (erstmals 1894/1895)
Dauer: 12 h: 32 min 
ASIN: B00CZECZLQ
Sprecher: Brigitte Trübenbach

MEINE BEWERTUNG

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Ein Klassiker, bei dem das Gesicht einschläft

Die siebzehnjährige Effi heiratet den doppelt so alten Baron von Innstetten, wodurch sie in ihr Unglück rennt. Innstetten ist besessen von der Karriere, behandelt die Angetraute wie ein Kind, und bemerkt nicht, dass seine Frau außerhalb der Ehe der Einsamkeit entflieht. 

„Effi Briest“ ist ein Klassiker von Theodor Fontane. Das Werk ist erstmals in den Jahren 1894 und 1895 erschienen, und hat damals angeblich für viel Furore gesorgt. 

An meiner Schule war dieses Werk keine Pflichtlektüre. Allgemein bin ich an Klassikern interessiert und wollte daher unbedingt diese Bildungslücke schließen. Im Endeffekt war hier schon fast schade um die Zeit, weil einem in Gesellschaft der lieben Effi das Gesicht einschläft. 


Zunächst beginnt es richtig interessant. Der Leser lernt Effi als junges, unverheiratetes Mädchen kennen. Sie ist wild, verspielt und zu jeder Zeit vergnügt unterwegs. In Gesellschaft ihrer Freundinnen fühlt sie sich wohl und zu den Eltern hat sie ein herzliches Verhältnis. 


Dann hält Baron von Innstetten um ihre Hand an, und sie nimmt den Antrag an. Die Eltern sind zufrieden, die Siebzehnjährige blickt einem angenehmen Leben entgegen, und könnte im Prinzip glücklich sein. 


Nach der Hochzeit nimmt das Ende schon seinen Gang: Innstetten kümmert sich viel zu wenig um die junge Frau, welche zusehends vereinsamt und sich vermutlich deshalb um andere Gesellschaft bemüht.


Auf diese Weise nimmt die Handlung ihren Lauf und insgesamt hört es sich sogar faszinierend an. Doch ab der Vermählung schleicht sich nicht nur Langeweile in Effis Alltag ein, sondern auch der Leser wird entsprechend gequält. Es geschieht nichts. Fontane berichtet von ellenlangen Spaziergängen, wie der Hund herumtollt, oder wer das Haus der Innstettens besucht. 


Einzig spannender Part wäre ein übernatürlicher Aspekt um einen Chinesen gewesen, der Effi um den Schlaf bringt. Sie fürchtet sich vor der Spukgestalt, und die Geschichte um den mysteriösen Chinesen ist auffallend präsent. Jedoch verläuft es sich im Sand, und ist im weiteren Verlauf kaum der Rede wert. 


Ab der Hälfte wollte ich das Hörbuch abbrechen, ich habe es dann aber doch durchgezogen. Immerhin war ich schon so weit gekommen, deshalb hörte ich es bis zum bitteren Ende. Effis außerehelicher Fauxpas wird der damaligen Zeit entsprechend dezent in den Raum gestellt. Es gibt keine bildhaften Szenen, sondern lediglich Andeutungen, die sie als Geächtete an den Rand der Gesellschaft führen.


Ich verstehe durchaus, dass dieser Roman bei Erscheinen für Aufregung sorgte. Fontane setzt sich mit der Motivation hinter dem Ehebruch auseinander, veranschaulicht, dass es nur bedingt an Charakterschwäche liegt, und führt an, dass immer zwei Menschen in einer Ehe sind. 


Allerdings ist es - meiner Meinung nach - für den Leser der Gegenwart schon mühselige Kost. Besonders während der vielen Spaziergänge sind meine Mundwinkel mit steigender Schrittzahl nach unten gesackt. Es war weder ein Vergnügen noch interessant, dennoch bin ich froh, dass ich jetzt weiß, was mit Effi Briest geschehen ist. 


Allgemein verstehe ich nicht, warum dieses Werk an vielen Schulen Pflichtlektüre ist. Zwar kann ich nachvollziehen, dass man sich mit dem Inhalt und der Wichtigkeit des Romans im schulischen Rahmen auseinandersetzt, doch als zwingende Lektüre fallen mir etliche andere, spannendere Klassiker ein, bei denen die Lust auf altehrwürdige Literatur eher bestehen bleibt. 


Lobend ist unbedingt die Sprecherin dieser Hörbuchversion - Brigitte Trübenbach - zu erwähnen. Sie verdient sich meine Bewunderung, weil sie dem Geschehen trotz der langweiligen Grundlagen Leben verliehen hat. Sie klingt vergnügt, schwungvoll und hat angenehm erzählt, was zumindest ein Trost in Anbetracht des einschläfernden Inhalts ist.


Im Endeffekt zählt „Effi Briest“ daher zu den Klassikern, die man meiner Ansicht nach nicht gelesen haben muss. 

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MEINE BEWERTUNG


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Kommentare:

  1. Hallo liebe Nicole,

    da bin ich ja fast dankbar, dass dies auch bei mir keine Pflichtlektüre war.
    Zudem vertrete ich die gleiche Meinung, was die Schullektüre.

    Kein Wunder, dass du das aktuelle Buch so genießt. :D

    Liebste Grüße, Hibi

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    1. Ich reiche eben noch `betrifft´ nach, damit der Satz Sinn ergibt. :D

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  2. Liebe Hibi,

    auf dieses einschläfernde Buch hinauf, genieße ich fast jedes Werk, das mir in die Hände kommt. :D

    Ich verstehe wirklich nicht, warum man das Jugendlichen antut. Wahrscheinlich haben viele Lehrer das Buch selbst gar nicht gelesen, ansonsten würden sie es nicht verlagen. ;) Es gibt so viele Klassiker, die Lust auf's Lesen machen. Hiermit ist es kein Wunder, wenn das Interesse am Lesen vergeht.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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  3. Huhu Nicole :D

    Puhh, das erinnert mich an mein Fachabitur :D Zum Glück mussten wir das Buch aber nicht komplett lesen, sondern nur Auszüge daraus und ich muss sagen, dass mir das schon reicht :D Ich werde mich Theodor Fontane genauso wenig warm wie mit Theodor Storm :D Aber unsere damalige Lehrerin war echt vernarrt in solche eingestaubten Klassiker, die den Jugendlichen noch zusätzlich die Leselust rauben ...

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      jetzt im Nachhinein kann ich verstehen, warum Auszüge davon reichen. :D Nein, diese Romane sind auch nicht meins. Von Storm mochte ich aber "Der Schimmelreiter" recht gern. Das war bei uns Pflichtlektüre und mir hat's damals gefallen. Aber das hier?!? :D

      Liebe Grüße,
      Nicole

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    2. Huhu Nicole,

      Vom Schimmelreiter habe ich noch immer Alpträume, ich fand das so nichtssagend und langweilig, ich hab's nie zuende gelesen. Und ich erinnere mich noch an den Aufstand der Lehrerin damals, weil sich niemand beiteiligen könnte, weil keiner wusste, worum es da geht. ;)

      Liebe Grüsse
      Jessi

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    3. Hallo Jessi,

      wirklich? :D Nein, ich hatte den Schimmelreiter recht gern. Vielleicht auch, weil ich das mit den Deichen und das Rundherum recht faszinierend fand. Das ist halt doch relativ weit weg von meiner alpenländischen Kultur. In der Schule haben wir das Buch eine halbe Ewigkeit durchgekaut. Und dann folgte "Der Besuch der alten Dame". :D Auch daran kann ich mich noch sehr gut - im positiven Sinn - erinnern.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  4. Hallo liebe Nicole,

    danke für diese tolle Rezension, die mich endgültig davon überzeugt, dieses Buch nicht lesen zu wollen! :D Ich habe damals im Deutschunterricht mal Ausschnitte gelesen und fand da den Schreibstil schon etwas anstrengend, habe aber trotzdem mit dem Gedanken gespielt, das Buch zu lesen, weil Klassiker und so ... andererseits komme ich mehr und mehr von der Einstellung ab, ein Buch nur deshalb lesen zu wollen, weil es ein Klassiker ist, und deine Rezension bestätigt mich darin, dass dieses Buch wohl eher Zeitverschwendung ist. ^^

    Liebe Grüße
    Dana

    PS: Ich veranstalte in zwei Wochen einen Lesemarathon, vielleicht hast du ja Zeit und Lust, mitzumachen!

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    1. Hallo Dana,

      es freut mich, dass ich dir das Buch erspart habe. :D Es gibt ja auch viele Klassiker, die wirklich toll sind. Manchmal muss man es eben am eigenen Leib erfahren, und in dem Fall, hätte ich auf die Erfahrung verzichten können. ;)

      Dank für den Hinweis mit dem Lesemarathon. Leider geht sich das bei mir an dem Wochenende nicht aus - vielleicht passt es ein anderes Mal.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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