Dienstag, 19. Mai 2020

Rezension: Die Chroniken von Alice. Finsternis im Wunderland - Christina Henry

© Random House
Die Chroniken von Alice. Finsternis im Wunderland
| Christina Henry |

Verlag: Penhaligon Verlag 2020
Seiten: 352 
ISBN: 9783764532345

MEINE BEWERTUNG 

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Finsternis im Wunderland

Alice ist in einer Nervenheilanstalt eingeschlossen. Schon zehn Jahre vegetiert sie als Verrückte in einem Dämmerzustand dahin. Eingesperrt in eine triste Zelle wird sie nachts von Albträumen gequält, die von der Erinnerung an den Mann mit den Kaninchenohren durchzogen sind. Doch dann bricht ein Feuer im Hospital aus, was der verrückten Alice zur Flucht verhilft. 

„Die Chroniken von Alice. Finsternis im Wunderland“ ist der Auftakt einer dunklen-fantastischen Reihe, in der Christina Henry Kinderklassikern und Märchen einen schwarzen Anstrich verleiht. 

Ich habe mich beim ersten Blick in das Cover verliebt, die Inhaltsbeschreibung klingt genial, doch dann bin ich erstmal skeptisch geworden. Fantasy liegt mir nur bedingt, daher hatte ich meine Bedenken. Als ich dann in anderen Rezensionen gelesen habe, dass der Splatter-Anteil recht hoch ist, war ich erst hin- und hergerissen. Splatter steht zwar oft für Horror, kann mich als alleiniges Merkmal aber nur bedingt überzeugen. 


Man merkt schon, trotz der Zweifel war meine Neugier entfacht, und daher musste ich mich auf den Weg in die finstere Version vom Wunderland begeben. Und ja, ich bin begeistert, weil ich mich in der Dunkelheit verloren habe. 


Allerdings hatte ich am Beginn deutliche Schwierigkeiten in die Geschichte reinzukommen. Alice sitzt in ihrer Zelle im Hospital, steht unter Beruhigungsmitteln und schließt mit dem Insassen der Nachbarzelle zurückhaltend Freundschaft. Später gelingt ihnen die Flucht, und hier wusste ich nicht so recht, ob sich Alice und ihr Kumpane Hatcher in der echten Welt bewegen oder in ein Fantasyreich abgetaucht sind. 


Je tiefer ich mit der verrückten Alice und dem blutrünstigen Hatcher ins finstere Wunderland kam, umso weniger spielte diese Orientierung eine Rolle, weil die Geschichte, das Setting und die Figuren mitreißend sind. 


Für mich ist es eine Mischung aus Realität und fantastischer Welt, die ihre Grundelemente aus Lewis Carrolls Klassiker zieht. Genau wie es der klassischen Vorlage entspricht, klappern Alice und Hatcher die Stationen auf dem Weg zum Kaninchen ab. Trotzdem ist diese Welt düster, abartig, blutrünstig und bizarr, weil es trotz allem im Wunderland spielt.


Protagonistin Alice muss sich selbst erkennen. Sie erinnert sich kaum an ihr Leben oder die Ereignisse vor ihrem Aufenthalt in der Nervenheilanstalt. Von Zeit zu Zeit werden böse Erinnerungen geweckt. Nach dem Ausbruch liegt es an ihr, sich zu erinnern, sich kennenzulernen, und der wunderlichen Realität ins Auge zu blicken. 


Begleitet wird sie vom blutrünstigen Hatcher. Ihr Zellennachbar hat sich als Axt-Mörder einen Namen gemacht, und weicht ihr nicht von der Seite. Zudem ist er mindestens so verrückt wie die junge Frau, die er sich als Schutzbefohlene auserwählt hat. Vor ihm hatte ich zu Beginn richtig Angst, weil er ein unberechenbarer Charakter ist. Doch im Laufe des dunklen Abenteuers treten die Hintergründe um der Figur ans Licht, was für besseres Verständnis seines Verhaltens sorgt.


Auf das Setting des finsteren Wunderlands muss man sich einlassen. Christina Henry hat hier eine richtig abartige Finsternis zum Leben erweckt, die zudem gesellschaftliche Probleme thematisiert. Sie spricht über Sexualität, Vergewaltigung und Prostitution, Umweltverschmutzung, Kinderarmut und verkümmerte soziale Milieus. In ihren Beschreibungen ist sie hart, was sicherlich nicht für jeden Leser die ideale Lektüre ist.


Obwohl es thematisch drastisch zugeht, und - wie es für viele Vertreter des Horrors üblich ist - auch Blut spritzt, ist es meiner Meinung nach kein Splatter, weil die Blutrünstigkeit meinem Gefühl nach nicht Überhand nimmt. 


Von der Handlung bin ich jedenfalls schwer begeistert. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten bin ich im Endeffekt gut im finsteren Wunderland angekommen. Ich bin mit Alice und Hatcher auf dunklen Pfaden in Richtung Kaninchenbau gewandert, wo wir Absurditäten, Grausamkeiten, Extremen und Erkenntnissen begegnet sind. Der Weg mündet in einem unspektakulären Ende, was meiner Meinung nach perfekt zur ereignisreichen Geschichte passt. 


Verrückte Figuren, dunkle Wege, erstaunliche Erkenntnisse und wunderliche Absurditäten verhüllt in einer finsteren Version der Klassiker-Vorlage haben mir großen Spaß gemacht, und ich freue mich, wenn ich die Finsternis im Wunderland erneut betreten kann. 

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MEINE BEWERTUNG
★★


Die dunklen Chroniken:
1) Die Chroniken von Alice. Finsternis im Wunderland
2) Die Chroniken von Alice. Die Schwarze Königin
3) Die Chroniken von Peter Pan. Albtraum im Nimmerland
4) Die Chroniken der Meerjungfrau. Der Fluch der Wellen
5) Die Chroniken von Rotkäppchen. Allein im tiefen, tiefen Wald


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Kommentare:

  1. Hallo Nicole,

    dank so vielen positiven Meinungen musste das Buch auch vor kurzem bei mir einziehen und ich bin mega gespannt, wie es mir gefallen wird. Es freut mich, dass es dir, trotz deiner anfänglichen Schwierigkeiten noch begeistern konnte.

    Liebe Grüße,
    Uwe

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    1. Hallo Uwe,

      ich hoffe, du magst das Buch. Es ist halt richtig abartig-düster und recht grauslich erzählt. Mir hat das sehr gut gefallen. :D

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Huhu, ich war ja schon gespannt auf deine Eindrücke! Fein das dich die Adaption auch fesseln und einnehmen konnte, ich freu mich schon auf den Folgeband!

    Mukkelige Grüße!

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    1. Oh ja, hat mir wirklich gut gefallen. :) Ich bin auch schon auf das Abenteuer mit der schwarzen Königin gespannt. Allzu lange müssen wir ja voraussichtlich gar nicht warten.

      Liebe Grüße & schönes Wochenende!

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    2. Vielleicht passt es ja und wir lesen ein wenig gemeinsam dann <3

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    3. Das wäre sehr, sehr fein! <3 Nur bei Twitter bin ich leider raus. :(

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  3. Hallo!
    Oh ja, düster ist das Buch.
    Ich mochte es total! ;)
    Obwohl ich mir eine Warnung oder so beim Buch gewünscht hätte, denn auf einige Szenen war ich dann doch nicht so gefasst. Mir macht das nicht so viel aus, bin brutale Horrorszenen gewöhnt, aber manch einer erwartet das vielleicht nicht.
    Auf jeden Fall mag ich deine Rezension total gerne und bin schon gespannt wie der zweite Teil wird.
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

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    1. Hallo Diana,

      ich fand es schon sehr gut umgesetzt. Mir ist aber auch aufgefallen, dass vielen Lesern nicht klar war, dass es Horror ist. Ich habe sogar schon mitbekommen, dass es manche für ihre Kinder gekauft haben. Vielleicht, weil die Cover trotzdem so verspielt wirken?

      Im August soll ja der nächste Teil erscheinen. Ich freue mich sehr drauf.

      Liebe Grüße & schönes Wochenende,
      Nicole

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