Mittwoch, 14. April 2021

Rezension: Der Tausch - Julie Clark

| Julie Clark |

Verlag: Random House Audio 2021
Dauer: 10 h : 14 min 
ISBN: 9783837153125
Sprecher: Britta Steffenhagen

MEINE BEWERTUNG

 
★★★★- 



Eher ein guter Roman als Thriller

Am Flughafen in New York ergibt sich eine folgenschwere Situation: Claire und Eva tauschen die Tickets. Während Claire auf diese Weise vor ihrem übergriffigen Mann flieht, heckt Eva einen völlig anderen Plan aus.

Obwohl „Der Tausch“ von Julie Clark als Thriller geführt wird, ordne ich es eher als Roman mit Spannungsmomenten ein, weil es doch am nötigen Spannungsniveau fehlt. Jedenfalls ist es eine gute Geschichte, die ich auf jeden Fall empfehle. 

Zuerst lernt der Leser Claire kennen. Sie ist in einer aussichtslosen Lage. Ihr Mann ist ein prominenter Politiker, der nach Außen mit schönem Schein zu blenden weiß. Kaum jemand ahnt, wie übergriffig er sich gegenüber seiner Frau verhält, welche Kontrolle er über die kleinsten Details ihres Lebens ausübt, und wie brutal er wird, wenn ihm etwas zuwider läuft. 

Daher spinnt Claire einen Plan, um der Ehehölle zu entgehen. Doch weil sich die Realität nicht gern in Pläne zwingen lässt, geht einiges schief und sie bekommt es mit der Angst zutun. 

Aus dieser Situation heraus begegnen sich Claire und Eva am Flughafen in New York, wo sie kurzerhand die Plätze tauschen, weil Eva ebenfalls auf der Flucht vor ihrem aktuellen Leben ist. 

Die Ausgangslage ist auf jeden Fall interessant und bietet reichlich Konfliktpotential. Anfangs erlebt man Claires Ehehölle und merkt, dass es für sie realistisch betrachtet kein konventionelles Entrinnen daraus gibt. Dann schöpft man kurz Hoffnung, steht vor einem Scherbenhaufen und in dem Moment taucht Eva als Rettungsanker auf. Als Leser ist man Claire um einiges voraus, weil man sofort weiß, dass Eva nicht mit offenen Karten spielt. 

Im weiteren Verlauf steht Eva im Mittelpunkt. Anhand von Rückblenden erfährt man, welcher Weg sie zu diesem Moment an Flughafen führte. Gleichermaßen ist man mit Claire der Entschlüsselung von Evas Geheimnis auf der Spur, weil sie sich ihrer Identität bedient, um über die Runden zu kommen.

Der Roman fängt mit einem Knall an und ist extrem fesselnd erzählt. Ich empfand es als bedrückend, wie Claire in dieser Ehefalle sitzt und kaum an einen Ausweg zu denken wagt. Im Gegensatz dazu steht Eva, die zwar frei und auf den ersten Blick unabhängig ist, dennoch das Bild einer eingesperrten Frau in sich trägt, weil auch sie in ihrem Leben gefangen ist.

Thematisch spielt Julie Clark vermutlich auf gesellschaftliche Fesseln von Frauen an, die sich nur durch Taktik und feinfühligen Überlegungen gegen eine Männerwelt behaupten. So ganz kann ich das nicht unterschreiben, weil meiner Ansicht nach Männer gleichfalls in ihrem Rollenbild und in gesellschaftlichen Verpflichtungen gefangen sind. Dennoch gefällt mir, dass die Autorin ihre weiblichen Figuren in Grauschattierungen beschreibt, und zeigt, dass der erste Eindruck trügt. 

Die Handlung war nach dem spektakulären Tausch und einem tragischen Flugzeugabsturz eher interessant anstatt spannend. Mich haben vor allem die Rückblicke auf Evas Leben interessiert, während der Part um Claire eher stagniert ist. Es fehlt definitiv ein großer Wow-Effekt, wobei die Geschichte trotzdem ein gelungenes Ende findet.

Alles in allem habe ich Julie Clarks „Der Tausch“ gerne gelesen und mich ausgezeichnet unterhalten gefühlt.
 
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MEINE BEWERTUNG
★★★★

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Kommentare:

  1. Huhu Nicole :D

    Schön, dass dich das Buch auch unterhalten konnte. Ich halte es auch weniger für ein Thriller und mehr für einen sehr interessanten Roman über zwei Frauen, die sich aus ihrer "Gefangenschaft" herauskämpfen müssen. Evas Geschichte hat mich auch echt mitgenommen, obwohl sie tatsächlich "freier" ist als Claire ... Aber da zeigt sich wieder, dass falsche Entscheidungen manchmal in Sackgassen führen können!

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      dank deiner Rezension bin ich mit der richtigen Einstellung an das Buch gegangen, und wie du siehst, ich mochte es. Zuerst mochte ich Claire mehr als Eva, doch zum Ende hin war Eva mein Favorit. Wie war das bei dir?

      Stimmt, es gibt so viele Arten von Gefangenschaft. Zurückblickend tun mit die Männer in dem Roman leid, weil sie insgesamt nicht gut weggekommen sind.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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    2. Huhu Nicole :D

      Ich glaube, als Leser hatte man ja erst Claire etwas besser kennengelernt mit ihrer ganzen Hintergrundgeschichte. Ich hatte auch echt mit ihr mitfühlen können, irgendwie fand ich Eva von Anfang an aber etwas interessanter, auch eben von ihrer Geschichte.

      Irgendwie hat mich die Autorin auch etwas an Joy Fielding erinnert, die schreibt ja auch vorwiegend sehr feministische Romane, in denen die Männer Frauen unterdrücken ... Zum Glück sind aber in der echten Welt nicht alle Männer so :D

      Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
      Jessi

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  2. Ich nochmal (=

    Ach ja, die Thriller die vielmehr ein Spannungsroman sind ... versteh das manchmal wirklich nicht, warum nicht lieber Spannungsroman drauf schreiben?! Mir reicht ja interessant aus und das scheint es laut deiner Worte zu sein! Ich habe das Hörbuch bereits in meiner Merkliste und werde beim Kauf auch das Format nehmen und den "Thriller" einfach aus meinem Kopf streichen - ist eh nicht mehr das Genre, welches ich gerne lese oder höre.

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    1. Ja, das verstehe ich auch nicht ganz. Ich wusste schon vorher - durch andere Rezensionen - dass es kein Thriller sein wird. Von daher war es für mich ok. Eigentlich reicht es nicht einmal ganz zum Spannungsroman. Roman würde ausreichen. :D Hauptsache, es lässt sich gut lesen oder hören und das ist der Fall.

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