Samstag, 29. November 2025

Rezension: Not Quite Dead Yet - Holly Jackson

Not Quite Dead Yet - Holly Jackson
© Lübbe
Not Quite Dead Yet
| Holly Jackson |

Verlag: Lübbe Audio 2025
Dauer: 12 h : 20 min 
ASIN: B0FGDJFMFW
Sprecher: Vera Teltz, Nicolás Artajo

MEINE BEWERTUNG

 
★★★★- 




Mehr ein Entwicklungsroman als ein Krimi

In einer Halloween-Nacht wird Jet Mason, Erbin einer wohlhabenden Familie aus Vermont, von einem unsichtbaren Angreifer attackiert. Die Ärzte geben ihr nur noch sieben Tage zu leben. Während ihr Zustand sich verschlechtert, beginnt Jet, ihr Umfeld mit neuem Misstrauen zu betrachten. Familie, Freunde und ehemalige Wegbegleiter wirken plötzlich verdächtig. Unterstützt von ihrem Jugendfreund Billy beschließt sie, die verbleibende Zeit zu nutzen, um Antworten zu finden. Jet setzt alles daran, herauszufinden, wer sie töten wollte, bevor ihr eigenes Leben endet.

Auf dieses Buch bin ich wegen des Hypes aufmerksam geworden. Die Grundidee hat mich auch sofort begeistert. Es wirkt schon ziemlich ungewöhnlich, wenn eine Figur versucht, ihren eigenen Mord zu klären, bevor er überhaupt eingetreten ist. Das hat mich neugierig gemacht. Da ich die Autorin bereits durch "A Good Girl’s Guide to Murder" kannte, war ich gespannt, wie sie sich im Erwachsenenbereich schlägt. Für mich klang es jedenfalls nach einer vielversprechenden Weiterentwicklung.

Relativ schnell wurde mir allerdings klar, dass Holly Jackson ihrem vertrauten Stil kaum verändert hat. Obwohl Jet Mitte zwanzig ist, lies sich vieles sehr jugendlich. An manchen Stellen hätte ich mir einen erwachseneren Ton erwartet, der Jet und ihrer Situation mehr Reife verleiht. Unterm Strich hat es für mich aber gepasst.

Jet selbst hat es mir am Anfang nicht leicht gemacht. Als Mitglied einer extrem wohlhabenden Familie bewegt sie sich in einer Welt voller Privilegien. Ihre rebellische Attitüde soll vermutlich cool wirken. Bei mir kam das anders an. Sie wirkt ziellos, eigensinnig und hängt an Mustern fest, die total trotzig sind. Sie ist eine Person, der ich im echten Leben vermutlich aus dem Weg gehen würde. Trotzdem schafft die Autorin früh Verständnis für sie, denn Jet bekommt innerhalb kürzester Zeit die härteste Wahrheit ihres Lebens präsentiert. Dieser Schlag traf mich auch als Leser:in, und ab dem Punkt an wird Jets Entwicklung richtig interessant.

Mir hat gefallen, wie die innere Unruhe von Jet geschildert wird, sobald ihr klar wird, dass ihre Tage gezählt sind. Zum ersten Mal richtet die junge Frau den Blick auf ihr eigenes Leben. Sie erkennt, was sie jahrelang verdrängt hat und beginnt, Verantwortung zu übernehmen. Genau in diesen Abschnitten hat mich die Geschichte gepackt. Ihre Familie spielt dabei eine Rolle. Denn nach und nach zeigt sich, wie tief verwurzelt ihre Konflikte sind. Hinter der privilegierten Fassade lauern viele Abgründe. Es war interessant zu sehen, wie ein Netz aus Heimlichkeiten aufgedeckt wird.

Jets private Ermittlungen fand ich äußerst gelungen. Sie stößt auf überraschend viele verborgene Zusammenhänge und Hintergründe, die man in diesem idyllischen Städtchen nicht vermuten würde. Die Autorin verknüpft Enthüllungen geschickt mit Jets Herkunft, ihrer Vergangenheit und den Einfluss, den Jets Eltern auf die Gemeinschaft haben. Jet schnüffelt daher nicht als Außenstehende herum, sondern sie bewegt sich mitten in einer Welt, die sie eigentlich kennen sollte, aber nie wirklich verstanden hat.

Obwohl ich kein Fan davon bin, hat es mir gefallen, dass zwischen den ernsthaften Entwicklungen eine leise Liebesgeschichte einen Platz gefunden hat. Diese fügt sich harmonisch ein und begleitet die Ermittlungen, ohne zu viel Raum zu beanspruchen.

Jets Humor verleiht der Handlung definitiv eine besondere Note. Gerade ihr Umgang mit ihrer gesundheitlichen Lage, die sich nach und nach verschlechtert, hat mich zum Schmunzeln gebracht und schlucken lassen. Ihr Trotz zieht sich bis ins Finale, der aber auch zeigt, wie mutig sie ist. Den körperlichen Abbau fand ich ungewöhnlich dargestellt und durch Jets Haltung hat er eine überraschende Leichtigkeit bekommen.

Der Schluss und der Epilog haben mich schließlich berührt. Holly Jackson hat ihr Programm durchgezogen, was mich erstaunt zurückgelassen hat. 

Insgesamt war "Not Quite Dead Yet" mehr ein Entwicklungsroman als ein Krimi für mich, der mich aber gut unterhalten hat. Die Ausgangslage ist frisch, die Mischung aus Humor, dramatischen Aspekten und Ermittlungsarbeit funktioniert, und trotz kleiner Schwächen hat mich die Aufklärung des Mordes nicht losgelassen. Holly Jackson bleibt jedenfalls ihrem Stil treu und es war ein erster Schritt in Richtung Erwachsenenliteratur.
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MEINE BEWERTUNG
★★★

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