Dienstag, 20. Oktober 2020

Rezension: Matthew Corbett in den Fängen des Kraken - Robert McCammon

Matthew Corbett in den Fängen des Kraken
© Luzifer Verlag
Matthew Corbett in den Fängen des Kraken
| Robert McCammon |

Verlag: Luzifer Verlag 2020
Seiten: 522 
ISBN: 9783958355019

MEINE BEWERTUNG 

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In den Fängen

Es ist der Winter 1703 in New York. Matthew Corbett hat sein letztes Abenteuer nicht verdaut, während explosionsartig seine Aufmerksamkeit erregt wird: Manhattan wird von Kanonenkugeln beschossen und Matthew sieht sich mit dem nächsten Problem konfrontiert. 

„Matthew Corbett in den Fängen des Kraken“ ist der vierte Fall - aber auf Deutsch das sechste Buch - der historischen Reihe um den jungen New Yorker Matthew Corbett, die in den Kolonien von Amerika um 1700 spielt.

Matthew ist für die New Yorker Zweigstelle der Londoner Herrald-Vertretung tätig. Er ist Problemlöser, eine Mischung aus Detektiv und Agent, der gemeinsam mit seinem Kollegen Greathouse der Schattenseite des Lebens aus beruflicher Sicht in die Augen sieht. 

Bisher liegen dramatische Abenteuer hinter ihm, die man als Leser aufgeregt begleitet hat. Matthew selbst hat die Jagd nach dem Massenmörder Mister Slaughter nicht verarbeitet. Er kämpft mit den psychischen und physischen Konsequenzen, die der Fall mit sich gebracht hat.

Als Manhattan von Explosionen erschüttert wird, merkt Matthew, dass ihm damit eine Nachricht übermittelt wird: Der berüchtigte Professor Fell lädt zur Audienz. Es ist eine Einladung, die Matthew beim besten Willen nicht ausschlagen kann.

Es folgt eine packende Reise, die weg vom eisigen New Yorker Winter in wärmere Gefilde führt. Matthew wird mitten in ein schillerndes Verbrecher-Nest gesetzt, wo er ausgerechnet für Professor Fell ein Problem zu lösen hat.

Den vierten Fall habe ich - nach der temporeichen Jagd vom letzten Mal - als gemächlicher, dafür aber geheimnisvoller empfunden, weil das Rätsel um Professor Fell besonders im Vordergrund steht.

Diesmal lernen Matthew und der Leser die verbrecherische Welt von Professor Fell kennen. Es gibt galante Abendessen, die dank des makabren Einfallsreichtums des Verbrecherbosses zu einschneidenden Erlebnissen werden. Hinzu kommen bedrohliche Figuren, imposante Erscheinungen, schmierige Gauner und herzliche als auch schmerzliche Wiedersehen, die das bisherige Geschehen der Reihe spiegeln.

Der Fall ist von Anfang an fesselnd, erinnert insgesamt aber eher an einen Agenten-Roman. Die historischen Details sind stimmig, wobei ein Hauch Steampunk spürbar ist. Dabei empfand ich den geschichtlichen Rahmen als nicht ganz so greifbar wie es in den vorherigen Bänden war.

Mir hat Matthews viertes Abenteuer wieder Spaß gemacht, wobei es nicht mein bevorzugter Teil der Reihe ist. Der Hergang ist stark von den unterschiedlichen Figuren und weniger von der historischen Atmosphäre bestimmt.

Die Handlung ist daher eher von verbrecherischen Charakteren und Matthews unfreiwilliger Rolle als Geheimagent geprägt, wobei sein Hang zur Lösung von Rätseln gut zur Geltung kommt. Diesmal entspricht er insgesamt mehr einen teilweise ungeschicktem James Bond als einem überlegenen Sherlock Holmes, was ich ein bisschen schade finde.

Robert McCammon erzählt elegant, humorvoll und charmant. Souverän setzt er amüsante Passagen genauso wie nachdenklich stimmende Abschnitte ein, wobei er schreibtechnisch in Bestform ist. 

Im Endeffekt ist "Matthew Corbett in den Fängen des Kraken" eine erfreuliche Fortsetzung einer großartigen Reihe. Es begann 1699 als historischer Krimi und wurde - im Jahr 1703 angelangt - zum historischen Agenten-Thriller, der auf jeden Fall Lust auf ein weiteres Abenteuer in den Kolonien von Amerika macht.
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MEINE BEWERTUNG
★★
Die Reihe:
1) Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Band I [Rezension lesen]
2) Matthew Corbett und die Hexe von Fount Royal Band II [Rezension lesen]
3) Matthew Corbett und die Königin der Verdammten Band I [Rezension lesen]
4) Matthew Corbett und die Königin der Verdammten Band II [Rezension lesen]
5) Matthew Corbett und die Jagd nach Mister Slaughter [Rezension lesen]
6) Matthew Corbett in den Fängen des Kraken
7) Matthew Corbett und der Fluss der Seelen

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6 Kommentare:

  1. Hi Nicole!

    Schön dass es dir so gut gefallen hat, auch wenn du ein paar Abstriche gemacht hast.
    Dass die historische Zeit nicht so spürbar war, ist mir gar nicht so aufgefallen muss ich zugeben. Ich fands gerade spannend, dass es wieder einen Ortswechsel gab und grade dieses Gauner-Flair hat mir sehr viel Spaß gemacht :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hallo Aleshanee,

      McCammon hat ja mit dem vorherigen Band schon eine sehr hohe Messlatte vorgelegt. Von daher wäre es schon erstaunlich gewesen, wenn er hier auch noch eins drauf setzt.

      Das Gauner-Flair (das Wort gefällt mir) fand ich gut, aber die historische Stimmung hat mir schon etwas gefehlt. Jetzt ging es ja schon fast in Richtung Steampunk. Das war zwar interessant, aber ich hoffe mal, dass wir beim nächsten Abenteuer wieder mehr von Zeit mitbekommen. Spaß hat es auf jeden Fall gemacht!

      Liebe Grüße,
      Nicole

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    2. Steampunk hab ich da jetzt nicht so wirklich entdeckt ... das wäre mir dazu jetzt gar nicht eingefallen :D Aber es war definitiv anders und ich bin schon gespannt, wo wir uns im nächsten Band hinbegeben werden!

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    3. Hm, naja, diese komische Verkleidung hatte schon etwas von der Richtung für mich. :D Oh ja, auf den nächsten Band bin ich auch gespannt. :)

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  2. Huhu Nicole :D

    Du bist ja schon viel weiter als ich, ich habe erst noch die Königin der Verdammten vor mir.
    Angenehm ist aber, dass es hier mal nicht in zwei Bücher aufgeteilt haben, aber schade, dass Matthew Corbett nicht mehr mit seinem Scharfsinn zu glänzen scheint. Allgemein klingt dieser Teil von der Story auch nicht so interessant wie die Vorgänger!

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      ja, ich habe dieses Jahr einiges bei der Reihe aufgeholt. Eigentlich habe ich sogar 4 Matthew-Corbett-Bände 2020 gelesen. :D

      Nein, ich fand den Band hier nicht ganz so schön historisch beschrieben wie die anderen. Dafür ist viel Gaunerflair - wie Aleshanee es nennt - vorhanden. Das ist natürlich auch nicht schlecht.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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