Dienstag, 9. März 2021

Rezension: Zimmer 103 - Simone St. James

Zimmer 103 - Simone St. James
© Random House
Zimmer 103
| Simone St. James |

Verlag: Goldmann Verlag 2021
Seiten: 480 
ISBN: 978342491193

MEINE BEWERTUNG 
- ★★★★ - 



Stimmiger Gruselthriller

1982 arbeitet Viv Delaney als Rezeptionistin im Sun Down Motel. Die Nächte sind einsam und lang. Und Viv spürt, dass sie im Motel eine Bedrohung umgibt. Dreißig Jahre später fängt Carly Kirk als Nacht-Rezeptionistin im Sun Down Motel an. Sie will herausfinden, warum ihre Tante Viv vor Jahrzehnten verschwunden ist. 

„Zimmer 103“ ist ein gelungener Mystery-Thriller von Simone St. James, die mit soliden Grusel-Elementen, einer packenden Handlung und spannenden Entwicklungen ausgezeichnet zu unterhalten weiß.

Ich habe von der Autorin „Die schwarze Frau“ gelesen und war auf ihr neues Buch gespannt. Ich mag, wie Simone St. James Gruselgeschichte, Romanhandlung und Spannungsmomente zu einem Gesamtwerk vereint. 

Bei „Zimmer 103“ reist der Leser ins Jahr 1982 zurück. Viv nimmt einen Job als Rezeptionistin im Sun Down Motel an, wo sie über den Rest ihres Lebens sinniert. Die junge Frau ist von zuhause abgehauen und hat für die Zukunft keinen Plan. Da kommt ihr die Anstellung in der Nacht gerade recht. Doch bald stellt sich heraus, dass im Motel etwas Bedrohliches durch die Zimmer zieht. 

In der Gegenwart will Carley unbedingt herausfinden, was mit ihrer Tante Viv geschehen ist. Sie ist vor dreißig Jahren im Sun Down Motel verschwunden und niemand weiß etwas über ihren Verbleib. Daher nimmt Carly die Anstellung als Nacht-Rezeptionistin in genau diesem Motel an, und kommt einer Bedrohung auf die Spur.

Simone St. James hat mit ihrem Sun Down Motel eine bedrohliche Kulisse geschaffen. Das Motel ist seit dem Erbau in den 1970er-Jahren unverändert. Die Farbe blättert von den Türen ab und die gleichen Schlüssel wie damals sperren die Schlösser. Die wenigen Gäste sind meist zweifelhafte Gestalten, die jeder für sich genommen schon eine Gefahr darstellen. Dazu spielt das Geschehen fast nur in der Nacht, wo zusätzlich gruselige Dinge passieren. 

1982 ist das Sun Down Motel deutlich heruntergekommen, während es in der Gegenwart schon eine bemerkenswert baufällige Übernachtungsmöglichkeit ist. Die Geschichte des Motels wird in beiden Zeitsträngen aufgearbeitet, woraus sich ein gutes Gesamtbild auf die Chronologie ergibt. 

Dieser schaurige Ort ist Schau- und Arbeitsplatz von Viv und Carly, die - mit dreißig Jahren Unterschied - ähnliche Dinge erleben und trotz übernatürlicher Elemente einer realen Gefahr auf die Schliche kommen.

Von der Handlung her ist es eine Mischung aus mysteriösen Grusel-Elementen und Ermittlungsarbeit. Viv und Carly gehen gleichermaßen einem grauslichen Geheimnis auf den Grund, was sie zur Spurensuche während der Arbeits- und in der Freizeit animiert, und woraus sich eine Gefahr für sie selbst ergibt.

Dadurch entsteht ein packender Vergleich zwischen den Zeitspannen, weil in den 1980er-Jahren mehr Handarbeit als in der Gegenwart notwendig ist. Archive müssen durchforstet, Telefonnummern gefunden und Negative entwickelt werden, während heutzutage viele Informationen mit einem Mausklick abrufbar sind.

Die Jahre und Figuren wechseln sich kapitelweise ab. Während man mit Viv 1982 im Sun Down Motel die Gäste empfängt, stöbert man mit Carly in der Gegenwart am Pool des Motels herum. Dabei sind die jeweiligen Kapitel mit Jahr und Perspektive gekennzeichnet, was für das Verständnis unbedingt notwendig ist. Leider waren Viv und Carly manchmal schwierig voneinander zu unterscheiden, weil sie sich in ihrer Art und ihrem Erleben zu ähnlich sind.

Den Plot habe ich als extrem gelungen und fesselnd empfunden. Außerdem weiß die Autorin, wie man die Spannung hält. Sie überrascht mit etlichen Wendungen und schafft es exzellent, eine Geschichte anhand von zwei Jahrzehnten zu erzählen. 

Bis auf dieses kleine Manko mit den ähnlichen Figuren, lässt sich „Zimmer 103“ richtig gut lesen. Die düstere Stimmung und die Neugier treiben die Ermittlungen an, das Gruselgeschehen heizt so manchen Augenblick mit Angst und Schrecken auf, und am Ende wird man mit einer stimmigen Geschichte belohnt, die genial aufgebaut ist. 

Ich denke, wer Mystery-Thriller mit sanfter Schaueratmosphäre auf unterschiedlichen Zeitebenen und mit wohlportionierter Spannung mag, hat damit den passenden Lesestoff zur Hand. 

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MEINE BEWERTUNG

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Kommentare:

  1. Liebe Nicole,
    ah, hier ist sie...deine Rezension zu "Zimmer 103". Wenn die Auflösung nicht in die Welt der fantasy/Mystik geht, dann ist das Buch auch etwas für mich....magst du mir dazu einen Tipp geben?
    LG Martina

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    1. Hallo Martina,

      insgesamt kann ich mir schon vorstellen, dass dir gefällt. Bezüglich des Ausgangs schreibe ich dir eine Mail.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Huhu Nicole,

    von der Autorin hat mir "Die schwarze Frau" schon echt gut gefallen, besonders von dieser leicht gruseligen Atmosphäre. Die Autorin setzt die Gruselelemente wirklich geschickt ein, manch andere aktuelle "Horror/Grusel"-Sachen wirken da viel zu überladen.

    Das Buch hier werde ich auf jeden Fall auch lesen, es klingt einfach absolut nach meinem Geschmack, schon allein mit dem Motel. Ich schreibe gerade ja auch ein Jugendgruselbuch, das in einem Hotel spielt, da merke ich, wie gruselig es da doch sein kann :D

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      ja, genau! Ich habe auch "Die schwarze Frau" von ihr gelesen, daher wurde ich auf "Zimmer 103" aufmerksam. Das Buch ist ähnlich aufgebaut, etwas gruseliger, dafür kommt aber - meinem Gefühl nach- mehr Ermittlungsarbeit vor. Ich kann mir trotzdem vorstellen, dass es dir gefällt.

      Hotels und Motels haben von sich aus ja schon so eine gewisse Gruselatmosphäre, oder? Auf der einen Seite stehen solche Orte für pulsierendes Leben, wenn sie besucht sind, und auf der anderen Seite wirken sie rasch trostlos, wenn die Gäste weg sind. Das hat schon für sich einen Schauereffekt.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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    2. Huhu Nicole,

      absolut! Ich habe letztens auf Netflix auch die neue Doku über das "Cecil Hotel" gesehen, mit der Studentin, die damals da in einem Wassertank ertrunken ist und fand das alles so gruselig. Wie du so schön sagtest, ein Hotel kann voller Leben stecken, aber auch eine gewisse Einsamkeit ausstrahlen, wenn keine Gäste dort sind.

      Auf dieses Buch bin ich auf jeden Fall schon sehr gespannt, danke, dass du mich darauf aufmerksam gemacht hast, dass die AUtorin was Neues geschrieben hat!

      Liebe Grüße
      Jessi

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    3. Hallo Jessi,

      die Doku klingt ja spannend. Jetzt ärgere ich mich, dass wir momentan kein Netflix haben. XD Derzeit fehlt uns aber auch die Zeit dafür. Ich merke es mir mal, wenn wir hoffentlich mal ruhigere Zeiten haben.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  3. Hallo Nicole!
    Ich bin mir nicht so sicher, ob ich das Buch lesen möchte. Es klingt schon interessant mit den Gruselelementen, aber mich stört das Mysterie dabei. Spontan würde ich wohl eher zu einem anderen Buch greifen, wenn ich Lust auf diese Richtung hätte.
    Trotzdem danke für deine Rezension. :)
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

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    1. Hallo Diana,

      also, mit Ermittlungsarbeiten musst du dich anfreunden können, damit dir das Buch gefällt. Wobei ich mit "Mystery" eher die Schaueratmosphäre als den Rätselcharakter meine. Trotzdem, den kriminalistischen Part muss man mögen.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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    2. Grundsätzlich habe ich nichts gegen Ermittlungsarbeit, aber lieber mag ich das in einem Krimi. Weiß nicht warum, aber diese ganze Genre-Vermischung mag ich nicht immer.

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  4. Liebe Nicole

    Bei dir auf dem Blog grusele ich mich ja immer ein wenig, ich bin so ein Schisser und diverse Cover lassen mich schnappatmen, so auch dieses...die Hand...schrecklich ;-)

    Aber das klingt auch total spannend. Aktuell bin ich nicht so in Krimi/Thriller/Grusel-Laune, aber im Herbst könnte das (oder ein ähnliches Buch in diesem Stil) durchaus etwas für mich sein.

    Ganz liebe Grüsse
    Livia

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    1. Hallo Livia,

      au weh, das war mir gar nicht bewusst, dass allein mein Blog für manche zu gruselig sein könnte. :D Das Cover finde ich eigentlich harmlos. Es öffnet oder schließt ja nur jemand eine Tür. XD

      Stimmt, für den Herbst ist es bestimmt die ideale Lektüre. Ich fand es auch nicht zu gruselig - genau richtig, wenn man nicht unbedingt zu den absoluten Genre-Freunden zählt.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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