Freitag, 14. Januar 2022

Rezension: Hotel Zum verunglückten Bergsteiger - Arkadi & Boris Strugatzki

Hotel Zum verunglückten Bergsteiger - Arkadi & Boris Strugatzki
© Golkonda Verlag
Hotel Zum verunglückten Bergsteiger
| Arkadi & Boris Strugatzki |

Verlag: Golkonda Verlag 2019
Seiten: 254 
ISBN: 9783946503576

MEINE BEWERTUNG 

 
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Whodunit-Krimi im Stil eines überforderten Hercule Poirot

Polizeiinspektor Gebski freut sich auf zwei Wochen Winterurlaub und steigt im Hotel Zum verunglückten Bergsteiger ab. Doch statt erholsame Tage auf Skiern und vor dem Kaminfeuer zu genießen, landet er mitten in einem Haufen skurriler Menschen, die seine Ermittlungsfähigkeit unter Beweis stellen. 

Die Brüder Arkadi und Boris Strugatzki sind mir immer wieder aufgefallen, weil manche ihrer Werke verfilmt sind und als Klassiker gepriesen werden. Gelesen hatte ich bisher nichts von ihnen und ich wusste überhaupt nicht, was inhaltlich und stilistisch auf mich zukommt. Bei diesem Buch fühlte ich mich vom merkwürdigen Titel und dem Setting um das Hotel in den Bergen angesprochen, daher habe ich dazu gegriffen. Die schrägen Vögel und die seltsamen Umstände haben zudem mein Interesse geweckt. 

Inspektor Gebski kehrt ins Hotel Zum verunglückten Bergsteiger zum Winterurlaub ein. Endlich kann er abschalten, sich durch den Tag treiben lassen und das winterliche Ambiente genießen. Schon bei seiner Ankunft merkt er, dass die Hotelbezeichnung Programm im gewählten Etablissement ist. Der verunglückte Bergsteiger, der als Namenspatron dient, treibt post mortem seine Späßchen mit den Gästen, in dem er in geisterhafte Erscheinung tritt.

So ergeben sich abstruse Situationen, die manchen an Gespenster glauben lassen. Sei es eine Pfeife, die im Zimmer des Verunglückten vor sich hin raucht, entwendetes Schuhwerk oder eine lautstark besetzte Dusche, in der niemand ist.

Gebski ist mit den Merkwürdigkeiten nicht allein, denn es werden ihm wahrlich schräge Vögel zur Seite gestellt: Das vermögende Ehepaar Moses, der Bruder des verunglückten Bergsteigers samt einem jugendlichen Jungen oder Mädchen, wobei das Geschlecht dieser Figur für viele Spekulationen sorgt, ein nordischer Hüne und ein Anwalt für Minderjährige.

„Zu viele Verrückte in diesem Fall. Zu viele Verrückte, Betrunkene und Bekloppte …“ (S.153)

Die Handlung erinnert an einen Whodunit-Krimi im Stil eines überforderten Hercule Poirot, wobei lange keine konkrete Tat untersucht wird. Vielmehr erscheinen Gebski und dem Wirt viele Ereignisse außerordentlich seltsam, sodass der Inspektor von der anbahnenden Urlaubsstimmung rasch in den Arbeitsmodus verfällt.

Inspektor Gebski und sämtliche Figuren kamen mir eigenartig antriebslos vor. Merkwürdigkeiten wurden kaum in Frage gestellt, man verhält sich defensiv, hält sich bewusst zurück und mischt sich nicht in die Angelegenheiten anderer ein. Vielmehr schlüpft Gebski zuerst in die Rolle des Beobachters. Er ist bemüht, sich keinesfalls stören zu lassen, doch dann übernimmt das berufliche Pflichtgefühl die Oberhand. 

„Hotel Zum verunglückten Bergsteiger“ ist ein skurriler Krimi, den man so vermutlich noch nicht gelesen hat. Die Strugatzki-Brüder erschaffen eine Pracht an facettenreichen, kuriosen Figuren, die Gebski und den Leser lange Zeit in die Irre führen. 

Zum Ende hin treiben es die Autoren an die Spitze der Skurrilität, was mir ausgezeichnet gefallen und für mich das Highlight an diesem Werk ausgemacht hat.

Der Schreibstil ist intellektuell, teilweise sprunghaft und manchmal fordernd, was vermutlich auch an der verstrickten Handlung liegt.

Ich denke, wer sich auf einen außergewöhnlichen Whodunit-Krimi einlassen und die Strugatzkis kennenlernen will, hat mit „Hotel Zum verunglückten Bergsteiger“ die passende Lektüre im Blick.

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MEINE BEWERTUNG
★★★★

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5 Kommentare:

  1. Hi Nicole!

    Also das klingt definitiv nach einem ganz außergewöhnlichen Buch und ich hoffe echt, dass ich es auch endlich bald lesen kann! Mich hat ja im ersten Moment das Cover angesprochen, damals, als ich es auf die Wunschliste gepackt habe, vor gefühlt einer Ewigkeit *lach*
    Aber auch das wenige, was ich darüber gehört habe, hat mich neugierig gemacht und was du hier beschreibst klingt definitiv nach meiner Wellenlänge :D

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Hallo Aleshanee,

      ich denke, dass du es mögen wirst. Es ist schon recht ungewöhnlich und merkwürdig. Aber das hat dafür einen besonderen Charme.

      Jetzt bin ich gespannt, was du dazu sagen wirst. :D Es hat schon was.

      Liebe Grüße
      Nicole

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  2. Liebe Nicole

    Oh, das Buch hatte ich noch gar nicht im Blick, aber es klingt sehr, sehr spannend und auch unterhaltsam.

    Vielen lieben Dank für den Tipp
    Livia

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    1. Hallo Livia,

      das ist ein ganz eigenartiges Lesevergnügen. Falls du dich dazu entschließt, bin ich gespannt, was du dazu sagst. :D

      Liebe Grüße
      Nicole

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  3. Liebe Nicole,

    das Buch stand schon auf meiner Wunschliste (ich weiß nur nicht mehr, wie es dahin gekommen ist ...), und deine Rezension hat mich noch mal mehr neugierig gemacht. Da muss ich gleich mal schauen, ob es es in unserer Bib gibt. :-)

    LG Sabine

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