Mittwoch, 11. Juli 2018

Rezension: A Head Full of Ghosts. Ein Exorzismus - Paul Tremblay

© Festa Verlag
A Head Full of Ghosts. Ein Exorzismus
| Paul Tremblay |

Verlag: Festa Verlag 2018
Seiten: 400 
ISBN: 97833865526595

MEINE BEWERTUNG 

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Ein Exorzismus

Als die 14jährige Majorie sich merkwürdig zu benehmen beginnt, wissen weder Eltern, Lehrer noch Psychologen weiter. Bald wird in Frage gestellt, ob es tatsächlich eine Geisteskrankheit ist. Oder treibt ein Dämon sein Unwesen? Der geplante Exorzismus heizt die Fantasie der Familie an. Außerdem kommen die Medien ins Spiel, die eine teuflisch unterhaltsame Reality-TV-Show aus dem verstörenden Verhalten der Teenagerin kreieren.

Für mich sind Bücher und Filme zum Thema Exorzismus der Inbegriff des Horrors. Leider gibt es kaum gute Romane dazu, weil meistens übertrieben von der katholischen Art der Teufelsaustreibung geschrieben wird. Doch "A Head Full of Ghosts" konnte mich von Beginn an überzeugen und hat mir wohliges Gruseln beschert.

Im Mittelpunkt steht allerdings nicht Majorie sondern ihre jüngere Schwester Meredith, die vom Exorzismus an ihrer Schwester erzählt. Denn die Ereignisse sind bereits jahrelang her als Meredith als kleines Mädchen im familiären Albtraum gefangen war. Eine Schriftstellerin interessiert sich nun dafür, das Geschehen aus Merediths Perspektive zu erzählen, wofür sie ihr gern ein Interview gibt.


Dieses Interview mit Meredith ist die Rahmenhandlung, aus der rückblickend Majories Besessenheit betrachtet wird. Meiner Meinung nach wurde damit ein exzellentes Gerüst gewählt, weil es authentisch und seriös wirkt. 


Meredith war zum Zeitpunkt des teuflischen Geschehens ein kleines Kind. Sie ist sich sehr wohl bewusst, dass man in dem Alter manche Situationen falsch einschätzt und interpretiert. Das betont sie während der Interviews immer wieder und führt entsprechende Beispiele an. 


Man geht also mit Meredith in ihre Vergangenheit zurück und merkt, wie sich innerhalb der Familie das Grauen anbahnt. Die große Schwester Majorie verhält sich zunehmend merkwürdig, weil sie von üblichen Teenager-Gepflogenheiten abweicht und makabre Geschichten erzählt. Psychiatrische Behandlungen schlagen nicht an und es reift der Entschluss, geistigen Beistand ins Haus zu holen. 


Dieses 'Vorspiel' bis zum Exorzismus nimmt viel Raum im Roman ein und lässt sich schaurig lesen. Merediths Erinnerungen wirken echt, als ob tatsächlich jemand von einem traumatischen Erlebnis aus der Kindheit erzählt. Sie neigt weder zu Übertreibungen noch heizt sie die Fantasie mit übernatürlichen Spekulationen an. Dennoch ist es gruselig, wenn man ihre Erzählung liest. Denn Majorie hat sich grausame Geschichten ausgedacht, spricht mit dem Priester auf Augenhöhe über Bibelverse und weiß Dinge, die sie beim besten Willen nicht wissen kann.


Außerdem kommt mit Majories anomalen Verhalten die Film-Crew der Reality-Show dazu. Jetzt wird aus dem Grauen der Familie Unterhaltung für die Massen gemacht, was weitere Probleme mit Nachbarn, Schule und sozialem Umfeld schafft.


Bezüglich des Exorzismus-Rituals wurden förmliche Fehler gemacht, die allerdings im Roman selbst aufgegriffen und kritisiert werden. Zum Beispiel darf ein Exorzismus nicht zum öffentlichen Spektakel skandieren, weil es dem Teufel eine Bühne verschafft. Der Vatikan oder die Diozöse würde einer Reality-TV genauso wenig wie Tonbandaufzeichnungen o. ä. niemals zustimmen. Und ohne ausdrückliche Genehmigung darf kein Exorzismus durchgeführt werden. 


Zu den Erinnerungen und der Rahmenhandlung kommt eine weitere Perspektive dazu, die sich mit der Reality-TV-Show auseinandersetzt. Dazu werden in Blogbeiträgen sämtliche Folgen regelrecht seziert und bis ins kleinste Detail analysiert. Etliche Parallelen zu den bekanntesten Horror-Schockern werden gezogen und Special Effects werden diskutiert. 


Damit hat man als Leser drei Perspektiven auf den Exorzismus von Majorie, der damit einen mysteriös-gruseligen, dennoch echt und glaubwürdigen Grundton hat. Teilweise liest es sich wie ein Sachbuch, aus Merediths Perspektive eher wie ein Coming-of-Age-Roman, um dezent die Grenze zum Horror zur überschreiten, der das düstere Leserherz höher schlagen lässt.


Meiner Ansicht nach ist Paul Tremblay ein hervorragender Exorzismus-Roman gelungen, der sich an bekannten Vorgängern bedient, gleichzeitig moderne Elemente anhand der Reality-TV-Show einfließen lässt und aufgrund des sachlichen Schreibstils fesselnd zu lesen ist.

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MEINE BEWERTUNG

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Kommentare:

  1. Huhu Nicole :D

    JAAA, da ist die Rezension ja schon und was soll ich sagen? Es klingt mehr als ansprechend, das Buch muss ich unbedingt auch lesen. Die Exorzismus-Thematik liebe ich ja schon, seit ich als Kind "Der Exorzist" gesehen habe! Es wird einfach nie langweilig! :D

    Ich finde es auch immer interessant, wenn Kinder besessen sind. Das ist dann noch mal extra gruselig! ;) Ich mag auch Horrorfilme, die in diese Richtung gehen!

    Also danke für den Tipp! :D Das Buch zieht auf jeden Fall bei mir ein!

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      nein, das Thema wird echt nie fad, wenn es nicht übertrieben umgesetzt wird. Horror-Schocker darfst du dir hier keinen erwarten, insgesamt ist es recht ruhig, weiß aber definitiv zu fesseln. Ein tolles Buch, wenn einem Bücher dieser Art gefallen. :) Hoffentlich magst du es ebenfalls.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  2. Hey Nicole,
    na das klingt doch mal wieder ganz nach meinem Geschmack! Vielen Dank für die Rezension, das Buch landet gleich auf meiner Wunschliste :D
    Liebe Grüße Melli

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    1. Hallo Melli,

      oh ja, da habe ich ein feines Exorzismus-Schätzchen entdeckt. Denke auch, dass es dir gefallen kann. Nur darf man sich nicht zu viel Horror erwarten, es geht mehr in die realistische Richtung.

      Liebe Grüße,
      Nicole

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  3. Gnah, ich hatte bei der letzten Bestellung noch überlegt, aber da ich keine Meinungen dazu im Kopf hatte, hat es den Warenkorb wieder verlassen ...
    Muss es wohl nächsten Monat doch einziehen :D

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    1. Dein 'Gnah' ist ja richtig süß! :D Ich hoffe, dass es dir gefallen wird. Es ist halt recht ruhig, eigen, authentisch, und doch unterschwellig gruselig. Ich mochte es sehr!

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