Samstag, 19. September 2020

Rezension: Böses Wesen Gier - M. F. Hakket

Cover: Böses Wesen Gier
© Blutwut Verlag
Böses Wesen Gier
| M. F. Hakket |

Verlag: Blutwut Verlag 2019
Seiten: 432
ISBN: 9783426524008

MEINE BEWERTUNG
- ★★★★★ -




Böse Geschichte, schwacher Erzählstil

Im Städtchen Coppenbroich geht Merkwürdiges vor. Das neue Casino zieht die Erwachsenen in seinen Bann, während sich die kleine Kati mit verstörenden Visionen plagt. Wer ist das Mädchen darin, das ihr zum Verwechseln ähnlich sieht?

„Böses Wesen Gier“ ist ein solider Gruselroman, der an der Schwelle zum Horror-Schocker steht, mich vom Erzählstil her aber nur bedingt überzeugt.

Wie im Titel unheilvoll verkündet, ist das leitende Thema die Gier. Der Roman handelt von der Gier nach Geld, dieses Gefühl im Casino, dass man mit einem Schlag reicher als reich sein kann. Es geht um die Verlockung der Möglichkeit, die Verheißung des uneingeschränkten Glücks und die Tatsache, dass es niemals genug sein wird. 

Daher siedelt Autor M. F. Hakket in der kleinen Stadt Coppenbroich ein neues Casino an. Die Gegend steht finanziell gesehen wackelig da, und politische Führung beabsichtigt, mithilfe des funkelnden Spieltempels wirtschaftlichen Aufschwung zu bringen.

Mitten in diesem Umfeld geht das Mädchen Kati zur Schule. Sie hat eine beste Freundin, legt sich schon einmal mit der führenden Haudrauf-Else ihrer Klasse an, und ist grundsätzlich ein quietschfideles Kind. Doch mit dem Bau des Casinos schleicht sich etwas Dunkles in ihr Leben ein. Visionen plagen sie, in denen eine andere Kati erscheint. Zudem macht der Fluch des Casinos vor ihrem Elternhaus nicht halt. 

Ich hatte mich sehr auf „Böses Wesen Gier“ gefreut. Der knappe Titel versprüht bedrohlichen Horror-Esprit, die Covergestaltung verströmt verheißungsvolle Düsternis und der Klappentext lädt zum wohligen Schaurigsein ein. 

Den Plot und die Geschichte an sich empfinde ich als solide und einem klassischen Horror-Roman entsprechend gelungen eingefädelt. Ich mag die Elemente, die M. F. Hakket in diesem Werk vereint: Die Todsünde Gier als zerstörende Kraft, die Vergangenheit, die nach der Zukunft greift, das unschuldige Kind, das nach Rettung strebt und die Geborgenheit der Familie, die der Vernichtung entgegengeht.

Leider hat mich der Schreibstil nicht überzeugt. Meiner Meinung nach wird die Handlung beschrieben und nicht erzählt. Mir fehlt es an Dichte, an gruseligen Momenten, die ich nicht lesen, sondern erleben will, und an Schlussfolgerungen, die sich aus der Handlung ergeben anstatt mir erklärt zu werden.

Gestört hat mich außerdem die Konstellation der beiden Katis. Es gibt die Kati aus der Realität und die Kati aus der Vision. Diese Namensgleichheit führt beim Wechsel zwischen den Abschnitten manchmal zu Verwirrung. Obwohl ich durchaus nachvollziehe, warum zwei Katis tragend für die Geschichte sind. 

Ich finde es schade, dass der simple, nüchterne Erzählstil die Handlung bremst. Eigentlich wäre der Roman genau der Stoff, aus dem die besten Horror-Bücher ersonnen sind. Aber da es mehr stockt als fließt, habe ich kein Gefühl für die Atmosphäre entwickelt.

Es gab nur eine Szene, die ich nicht nur faktisch, sondern emotional als gruselig empfand. In der Nacht kehrt Kati von einem Abenteuer auf einer Baustelle zurück, was ein schauriger Anblick gewesen ist.

Trotzdem ist es ein solider Gruselroman, der durchaus seinen Reiz aufgrund des exzellenten Plots zu bieten hat. Ich denke, wer mit Kati gegen die unersättliche Wesenheit der Gier kämpfen will, sollte dem Buch eine Chance geben, und sich selbst ein Urteil bilden. 
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MEINE BEWERTUNG
★★★★★

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Kommentare:

  1. Huhu Nicole :D

    Ach, jetzt dachte ich, mal wieder ein gutes Horrorbuch bei dir zu entdecken ... Aber das klingt wirklich nicht allzu gut, "show dont tell" heißt es ja schließlich, manchmal habe ich auch bei Büchern das Gefühl, dass Autoren viel zu viel beschreiben und kein Leben hineinbringen ... Es ist aber auch echt schwer, gerade im Grusel/Horrorbereich eine gute Atmosphäre zu schaffen. Aktuell bin ich auch wieder auf der Suche nach gruseligen Büchern, da ja bald Halloween ist! ;)

    Liebe Grüße
    Jessi

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    1. Hallo Jessi,

      nein, leider, es ist nicht ganz nach unserem Horror-Geschmack. :D Ich denke auch, dass Grusel- und Horror-Bücher zur Königsdisziplin beim Schreiben gehören. Die Story soll stimmig sein, die Atmosphäre passen, Übernatürliches muss reinspielen, aber nicht so, dass es lächerlich wirkt. Bestimmt kniffelig, aber wir beide picken uns schon die Perlen raus. :)

      Liebe Grüße,
      Nicole

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