Freitag, 11. September 2020

Rezension: Meine Schwester, die Serienmörderin - Oyinkan Braithwaite

Cover: Meine Schwester, die Serienmörderin
© Audible Studios *
Meine Schwester, die Serienmörderin
| Oyinkan Braithwaite |

Verlag: Audible Studios 2020
Dauer: 05 h : 30 min 
ASIN: B0875K77FN
Sprecher: Sabina Godec

MEINE BEWERTUNG

 
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Mörderische Schwesternbeziehung

Ayoola ist wunderschön und steht als Lieblingskind im Vordergrund. Daneben verblasst die praktisch veranlagte Korede, obwohl sie es ist, die hinter ihrer Schwester aufräumt.

„Meine Schwester, die Serienmörderin“ ist ein ungewöhnlicher Roman, über die Beziehung von Geschwistern, deren Bekanntschaft für Männer tödlich ist.

Auf dieses Buch war ich neugierig, weil er als witzig, feministisch und regelrecht heiß beschrieben wird. Die ungewöhnliche Ausgangslage ist ansprechend, der Schauplatz Nigeria vielversprechend und die familiäre Konstellation um eine mörderische Schwester, hat sofort mein Interesse geweckt.    

Korede ist die Praktische, Pragmatische und arbeitet als Krankenschwester. Sie weiß, wie man Blut entfernt, wo mögliche Spritzer sind, genauso, wie und wo eine Leiche am besten zu entsorgen ist. Denn ihre Schwester Ayoola ist nicht nur schön, sondern tödlich. Sie hat die fatale Neigung, Männer um den Verstand und ihr Leben zu bringen.

Der Roman wird aus Sicht von Korede erzählt. Sie führt ein solides Leben, arbeitet in führender Position im Krankenhaus, und versucht sich eine gute Existenz mit ihrer Familie aufzubauen, während ihre Schwester ihren eigenen Kopf durchsetzt. 

Von Aussehen und Wesen her könnten Ayoola und Korede nicht unterschiedlicher sein. Ayoola ist wunderschön und wird im gesamten Roman auf ihre Schönheit und die daraus resultierende Lebensführung reduziert. Sie ist unbedacht, egoistisch und scheint niemals einen Gedanken an ihre Angehörigen zu verschwenden. 

Es geschieht, was früher oder später passieren muss: Korede entwickelt Sympathie für einen Arzt, der mit ihr Krankenhaus arbeitet. Ausgerechnet dieser Arzt hat ein Auge auf Ayoola geworfen. Jetzt überlegt Korede, wie gefährlich ihre Schwester tatsächlich ist. 

Obwohl die Ausgangslage witzig, charmant und interessant ist, konzentriert sich der Roman ausführlich auf den familiären Hintergrund wie auf die Beziehung zwischen den Schwestern. Ehrlich gesagt, für mich ist es nicht nachvollziehbar, warum sich Korede nicht von Ayoola distanziert, und zur Abwechslung sich selbst in den Vordergrund stellt. Ihre Gedanken kreisen ständig um Ayoola und deren Gräueltaten, laufend hat sie die Rechnung zu bezahlen, während ihre jüngere - wohlgemerkt äußerst schöne - Schwester im unverbrauchten Bunny-Stil durch das Leben hüpft.

Dieses Thema ist tonangebend für den gesamten Roman. Ayoola wird in allem bevorzugt, sie scheint perfekt, weil ihre Schönheit die Umwelt blendet und niemand erkennt, welch fatales Wesen sich hinter der Kulisse verbirgt. 

Neben Koredes Sorgen um den Arzt und die Angst davor, doch als mörderisches Duo entdeckt zu werden, gibt es Rückblenden in ihre Kindheit, als die Familie patriarchalen Verhältnissen ausgesetzt war. Die Mutter und die beiden Töchter haben harte Zeiten hinter sich, die sich bis in die Gegenwart ziehen.

Besonders gefallen hat mir der afrikanische Hintergrund und das Kennenlernen nigerianischer Verhältnisse. Die Kultur und die Umgebung des Romans tropfen stellenweise durch, was ich gierig aufgesogen habe.

Der Erzählstil ist eher leise, dennoch selbstbewusst. Dabei fühlte ich unterdrückte Wut, die zwischen den Zeilen steckt. Die Handlung bietet unerwartete Wendungen, die am Ende in einem aufregend-ruhigen Abschluss münden. 

Mir war die Geschichte dieser Schwestern zu blass erzählt. Die ständige Betonung von Ayoolas Schönheit und die greifbare Wut von Korede fand ich anfangs witzig-charmant, allerdings hat sich dieser Eindruck bald abgenutzt. Für mich war die Handlung zu sehr auf die Gefühle und die Beziehung der beiden fokussiert. Unterm Strich bleibt eine eifersüchtige, ältere Schwester, die sich dennoch um das junge Kücken sorgt.

Im Endeffekt ist „Meine Schwester, die Serienmörderin“ definitiv ungewöhnlich, allerdings stark auf die Beziehungsebene bezogen, was schon eher einem frauenbetonten Familienroman als einem feministischen Mords-Werk entspricht.
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MEINE BEWERTUNG

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