Samstag, 12. November 2022

Rezension: Der Aufstieg - Amy McCulloch

Der Aufstieg - Amy McCulloch
© Piper
Der Aufstieg
| Amy McCulloch |

Verlag: Piper 2022
Seiten: 496 
ISBN: 978-3492063432

MEINE BEWERTUNG 
- ★★★
 - 



In eisiger Höhe wartet der Tod

Cecily bietet sich die berufliche Chance ihres Lebens, denn sie darf den berühmten Bergsteiger Charles McVeigh interviewen. An das Interview ist eine Bedingung geknüpft: Es findet erst statt, wenn Cecily den Manaslu bestiegen hat. Und mit jedem Höhenmeter steigt die Gefahr.

Bücher allgemein, vor allem Thriller, die in Gefilden hoher Berge führen, lese ich besonders gern. Deshalb war für mich auf den ersten Blick klar, dass ich zu „Der Aufstieg“ von Amy McCulloch greife. 

Cecily begibt sich gemeinsam mit einem Bergsteigerteam in Richtung Gipfel des Manaslu, eines Achttausenders in Nepal. Ihr Ziel ist es, die Bergspitze zu erreichen, um danach das ersehnte Interview mit dem alpinen Gipfelstürmer Charles McVeigh zu führen. Denn damit hätte sie den beruflichen Durchbruch geschafft.

Sobald man Cecily kennenlernt, merkt man sofort, dass es für sie keine leichte Aufgabe ist, einen gefährlichen Berg zu besteigen. Von Anfang an hatte ich den Eindruck, sie fühlt sich in dieser Welt nicht wohl, ist mangelhaft vorbereitet und sieht sich selbst dem Vorhaben als nicht gewachsen. Sie ist umgeben von begeisterten Bergsteigern, die zwar genauso verwundbar sind, jedoch jede Menge Erfahrung haben und von der richtigen Motivation getrieben sind.

Damit beginnt der Thriller gleich interessant, weil man sich fragt, was die junge Frau überhaupt in dieser lebensbedrohlichen Umgebung zu suchen hat. Beruflich hat sie sich zwar auf Berichte von Bergsteiger-Erlebnisse spezialisiert, aber so recht will das nicht zu ihrer Persönlichkeit und ihren Erfahrungen passen. Hiermit wurde für mich sofort die Anspannung angeheizt und der Gefahr des Berges eine weitere Ebene verliehen.

Denn Achttausender sind gewagte Ausflugsziele, die allein aufgrund der natürlichen Gefahren atemlose Spannung bieten: Die Höhenluft bringt einen Menschen oberhalb von 7000 Metern um. Sobald sich Bergsteiger in gewisse Regionen vorwagen, beginnt der Sterbeprozess. Nur Akklimatisierung und Sauerstoff dämmen den Zellenabbau so weit ein, dass man einigermaßen wohlbehalten den Weg fortsetzen kann. Zur drohenden Höhenkrankheit kommen das unwegsame Gelände, die Kälte und Verwirrung, die aus Höhenluft und körperlicher Überanstrengung resultieren. Wenn das allein nicht schon ein spannendes Setting ist!

Die Stimmung und die Anforderungen des Bergs und seiner Herausforderer hat Amy McCulloch perfekt eingefangen und in Szene gesetzt. Sie beschreibt exzellent, womit der Mensch in diesen Höhen kämpft, und veranschaulicht bildhaft, wie er nur den reinen Willen als Überlebensantrieb vorzuweisen hat.

Jetzt kommt Cecily auf diesen Berg: Unerfahren, im Vergleich zu anderen unvorbereitet und - wenn sie ehrlich zu sich selbst ist - eher unmotiviert, und setzt sich und ihr Team extremen Gefahren aus.

Und damit dem Genre genüge getan ist, passiert im Basislager ein tragischer Unfall, bei dem es nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. 

Amy McCulloch hat sich somit die perfekten Zutaten für einen Achttausender-Thriller geschnappt und zu einem soliden Gesamtwerk verarbeitet. Bei mir punktet die Autorin mit den Gefahren des Berges, die ich als gelungen beschrieben empfinde, und der unerfahrenen Protagonistin, die auf merkwürdige Weise auf den Manaslu, den Berg der Seelen, gefunden hat.

Leider schleppt sich die Thrillerhandlung in Richtung Gipfel, weil sie erst zum Ende hin sichtbar wird. Denn bis auf Cecily sieht niemand, dass zu viele merkwürdige Unfälle geschehen. Sie ist mit Verwirrung, der körperlichen Anstrengung und dem Unverständnis der weitläufigen Bergsteiger-Mentalität geschlagen. Dabei ging für mich unter, dass das Thrillergeschehen längst angefangen hat. 

Der Abschluss ist etwas übertrieben und die Hintergründe empfand ich als konstruiert, obwohl es für mich ein rundes Bild abgibt. Ich denke, der Weg ist in diesem Fall das Ziel, und der Sturm auf den Manaslu hat mir auf jeden Fall großen Spaß gemacht.
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MEINE BEWERTUNG
★★★★

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2 Kommentare:

  1. Huhu Nicole :D

    Na, das klingt irgendwie auch nach meinem Geschmack. Ich liege ja solche Bergtouren in Buchform!
    Ich glaube, bei solchen Bücher werden wohl oft die körperlichen Strapazen und auch die psychische Belastung in den Fokus gerückt. Mir gefällt das, aber es ist natürlich auch schade, wenn die Thrillerhandlung dadurch nicht so gut greifbar ist!

    Falls mir das Buch begegnet, werde ich es dennoch mitnehmen :D

    Liebe Grüße
    Jessi

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    Antworten
    1. Hallo Jessi,

      oh ja, ich auch! Und ich kann nicht einmal erklären, woran es liegt. :D

      Wahrscheinlich ist es allein die Vorstellung der körperlichen Herausforderung, dieses reale Grauen, welches sich aufbaut und dann noch in ein bisschen Thriller-Handlung verpackt ist.

      Ich denke, dass du das Buch mögen könntest, auch wenn es jetzt sicher keinen Wow-Effekt hat.

      Liebe Grüße
      Nicole

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