Mittwoch, 18. März 2020

Rezension: 1794 - Niklas Natt och Dag

| Niklas Natt och Dag |

Verlag: HörbucHHamburg 2020
Dauer: 15 h : 21 min 
ASIN: B082HWJP88
Sprecher: Philipp Schepmann & Louis Friedemann Thiele

MEINE BEWERTUNG

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Brutal-düsteres Schweden-Setting

Ein junges Mädchen überlebt ihre Hochzeitsnacht nicht. Der tragische Mord lässt ihrer Mutter keine Ruhe, und sie glaubt dem offiziellen  Todesumständen nicht. Daher bittet sie Jean Michael Cardell um Hilfe, der sich ein Herz und die Ermittlungen aufnimmt. 

„1794“ ist der zweite Teil der historischen Krimi-Reihe um den Häscher Jean Michael Cardell, der als inoffizieller Ermittler im brutalen Stockholm am Ende des 18. Jahrhunderts sein Leben fristet. 

Vornweg muss ich sagen, dass es sich hierbei um eine äußerst brutale Reihe handelt. Leser, die sich einen romantisch-verklärten, nostalgischen Blick auf vergangene Zeiten erhoffen, werden bestimmt keine Freude haben. 


Autor Niklas Natt och Dag hat seinen Protagonisten Jean Michael Cardell direkt aus der Kloake gezogen. Dieser Mann könnte - äußerlich betrachtet - kaum abstoßender sein. Er säuft, schlägt um sich und schläft seinen Rausch am Tisch des Wirtes aus. Zudem ist er eine tragische Figur, die im Krieg diente, verstümmelt wurde und seither Tag für Tag um’s Überleben kämpft. Dennoch hat er sich in all der Düsternis ein gutes Herz bewahrt, wodurch er seinem Gerechtigkeitssinn nachzugeben pflegt.


Meiner Meinung nach leben die Ermittlungen dieser historischen Krimi-Reihe vom brutal-düsteren und blutigen Rahmen. Niklas Natt och Dag zieht seine Leser in ein dunkles Moloch aus Blut, Kot und Angst. Er verstümmelt, schockiert und brüskiert in einem Atemzug. 


Obwohl im Mittelpunkt der Handlung die Ermittlungsarbeiten stehen, ist meinem Empfinden nach, die geschilderte Epoche zentral. Der Autor zeigt, wie unvorstellbar bestialisch das damalige Leben war. Er schält jegliche romantische Vorstellung vom 18. Jahrhundert ab und präsentiert einen blutenden, verfaulenden Kern, der Verwesungsgeruch verströmt. 


Der Erzählstil ist fesselnd, düster und hoffnungslos. Der Autor bedient sich einer angenehmen Sprache, die von einem Schlag auf den anderen schockierende Details entblößt. Dabei überlässt er es nur selten der Fantasie des Lesers, die Brutalität auszuschmücken, sondern bedient sich plastischer Schilderungen, die auf den Magen schlagen.


Anspannung ist gegeben, diese wird jedoch nicht von der Handlung, sondern vom grausigen Rahmen erzeugt. Die Entwicklung ist großteils chronologisch eingefädelt, daher ist der Leser mit der Geschichte hinter und um den Hergang des Mordes vertraut. Man ist Cardell eindeutig voraus, was sich gut ins Gesamtbild einfügt.


Der Verlauf hat mir gefallen, und trotzdem ist mir die Krimihandlung zu stark in den Hintergrund gerückt. Im Vergleich zum ersten Band weiß man bereits, auf welche grauenvolle Zeitreise man sich mit „1794“ begibt, daher hatte ich mir diesmal ein bisschen mehr ermittlungstechnische Finesse gewünscht. Es gibt zwar Überraschungen, diese sind allerdings eher auf persönlicher Ebene - in der Erkenntnis der Figuren - als in der Handlung zu finden. 


„1794“ ist aufgrund der dichten, schockierenden und abstoßenden Atmosphäre ein besonderer historischer Roman, der für sanfte Gemüter nicht zu empfehlen ist. Wer sich dem rohen Leben mit eitrig-blutenden Wunden und kotbeschmierten Leibern in einer faulenden Gesellschaft im 18. Jahrhundert stellen will, hat damit die richtige Reihe entdeckt.

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MEINE BEWERTUNG

Die Reihe um Winge und Cardell:
2) 1794
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