Dienstag, 3. November 2020

Rezension: Die ummauerte Stadt - Jan Reschke

Die ummauerte Stadt - Jan Reschke
© Papierverzierer Verlag
Die ummauerte Stadt

| Jan Reschke |

Verlag: Papierverzierer Verlag 2014
Seiten: 432 
ISBN: 9783958354227

MEINE BEWERTUNG 

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Nüchterne Dystopie

Die Weltordnung wie wir sie kennen existiert nicht mehr. Die Menschen sind in der ummauerten Stadt einem totalitären System ausgesetzt. Ausgangssperren, Enteignungen und ein ärmliches Dasein sind Lebensrealität. Nur vereinzelte Menschen - wie Jeremiah - begehren auf, und kämpfen für ein Leben in Freiheit, auch wenn es sie alles kosten wird.

„Die ummauerte Stadt“ ist eine Dystopie, die relativ nüchtern eine graue Welt darstellt. Autor Jan Reschke zeichnet ein eindringliches Bild von Unterdrückung, Machtmissbrauch und einem Funken Hoffnung, aus dem Terrorismus entsteht.

Zu Beginn taucht man als Leser in die Welt der ummauerten Stadt ein. An Jeremiahs Seite fängt man an, die Mechanismen und die Regeln des Alltags zu verstehen, indem man dieses Leben kennenlernt.

Autor Jan Reschke hat ein graues, düsteres Bild von der Zukunft geschaffen. Irgendetwas ist passiert, was die Menschen hinter die Mauern der Stadt drängt. Die Luft außerhalb ist nicht mit ausreichend Sauerstoff versetzt, worunter die Bevölkerung leidet. Natürlich wirkt sich das auf alle Bereiche des menschlichen Daseins aus. Es gibt kaum Wasser. Duschen und persönliche Hygiene sind strikt rationiert. Gebrauchs- und Verbrauchsgegenstände wie zum Beispiel Papier sind begehrte Mangelware, und die Lebensmittelversorgung beschränkt sich auf Algen und Fleisch, wovon es zumindest genug für alle Menschen gibt. 

Jeremiah fristet sein Dasein und hofft auf Besserung. Er setzt sich gegen das System durch, indem er heimlich die Mauern der Stadt verlässt, um in den Ruinen der Vorzeit nach nützlichen Gegenständen als Tauschware zu stöbern. Bald ist ihm das nicht mehr genug, und er begehrt gegen das Establishment auf. Dabei ahnt er nicht, was es ihn kosten wird.

Jan Reschke hat ein drückendes Bild gezeichnet, wobei er nüchtern und trotz der komplexen Erzählung relativ simpel bleibt. Die Nüchternheit bezieht sich vor allem auf die Charaktere. Es gibt keine großen Gefühle, kaum emotionale Bindung, sondern ausschließlich diese graue Kulisse des Jammers, in der die Figuren gefangen sind. Als Leser nimmt man eine beobachtende Perspektive ein, schaut distanziert auf das Geschehen und baut kaum Nähe zu den Figuren auf. 

Dabei beschreibt Reschke, meinem Gefühl nach, wie Terrorismus überhaupt entsteht. Die eine Seite eine versucht, Ordnung aufrecht zu erhalten, welche die andere Seite nicht unbedingt leben will. Obwohl zuerst beste Absichten hinter Gewalttaten stehen, bleibt ein blutiges Fiasko, das kaum toleriert werden kann. 

Doch bei Reschke kommt das Establishment oder die Regierung keinesfalls gut weg. Er zeigt, wie sich jeder selbst der Nächste ist, und teilweise schwerwiegende Entscheidungen anfangs von besten Vorsätzen und gleichzeitig unnachgiebigem Egoismus getrieben sind, auch wenn die Konsequenz noch so grausam ist.

Der Autor hat sich deutlich um eine facettenreiche Grauschattierung bemüht, was ihm meiner Meinung nach nicht komplett gelungen ist. Trotzdem hat er moralische Bedenken vielschichtig untermalt, argumentiert und komplex dargestellt, wodurch seine Dystopie fesselnd zu lesen ist.

Zum Schluss steht den federführenden Charakteren eine grausige Überraschung bevor. Diese Entdeckung lag für mich als Leser relativ früh auf der Hand, weil es die einzige logische Erklärung für einen alltäglichen Umstand im Roman war. Dennoch fand ich den Weg der Figuren zur Aufdeckung dieses Geheimnisses interessant und lesenswert dargestellt.

Am Ende bleibt eine graue, nüchterne Dystopie, die meiner Meinung nach zeigt, dass die Menschheit selbst ihr größter Feind ist. Aus besten Absichten werden – durch großteils egoistisches Handeln – verheerende Mechanismen, die sie wiederum in eine Spirale des Grauens treibt.
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MEINE BEWERTUNG

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