Donnerstag, 12. November 2020

Rezension: Bissige Biester - Joe R. Lansdale

Bissige Biester - Joe R. Lansdale
© Golkonda Verlag
Bissige Biester
| Joe R. Lansdale |

Verlag: Golkonda Verlag 2018
Seiten: 296 
ISBN: 9783946503392

MEINE BEWERTUNG 

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Die übliche Katastrophe

Ein junger schwarzer Mann wird von Cops ermordet, obwohl er angeblich ein Vorzeigejunge ist. Daher nehmen sich Hap und Leonard des Falls an, weil es genau ihre Kragenweite ist.

„Bissige Biester“ ist der zehnte Band der Reihe um das Duo Hap Collins und Leonard Pine. Zwei texanische Urgesteine, die mit ihrer toleranten Art, schlagenden Argumenten und bissigem Humor für Gerechtigkeit im Bundesstaat Texas stehen.

„Unterm Strich sieht es so aus, dass die Kacke am Dampfen ist, dank unserer Schnüffelei, und wir haben ein paar miese Typen aufgescheucht, die es nun vielleicht auf uns abgesehen haben ...“ (S. 181)

Thematisch ist Joe R. Lansdale völlig in seinem Element. Er stellt eine Mischung aus Selbstironie, Verwegenheit und Gesellschaftskritik auf die Beine, wobei er durchgehend den Lesespaß hält. 

Ein Charakteristikum neben der brutalen Art, der schon fast lebensbejahenden Brutalität dieses Duos, ist die offene Diskussion und Gesellschaftskritik, die sie auf ihre Weise in Dialogen zur Sprache bringen, und womit Joe R. Lansdale vielschichtige gesellschaftliche Aspekte thematisiert. Zum Beispiel grenzt sich Hap als Schwarzer deutlich von den Projects ab. Es ist eine Gegend für schwarze Menschen, die von vornherein kaum eine Chance haben und somit im Sumpf aus Drogen, Prostitution und Straftaten versinken. Während Hap als Weißer Verständnis für die Misere dieser Personen hat, verteidigt Leonard die Eigenverantwortung - die jeder Mensch, unabhängig seiner sozialen Herkunft, für sich selbst trägt.

Trotz dieser ernsten Töne überwiegt der schlagkräftige Charme, der neben dem interessanten Fall aus bösen Jungs, korrupten Cops, opportunistischen Mitstreitern, aussichtslosen Existenzen und bissigen Zwergvampiren besteht.

Gleichzeitig kommt Haps Hang zur Selbstreflexion zu tragen, der sich auf’s Neue fragt, ob er tatsächlich der Gute in seiner Lebensgeschichte ist: 

„Ich hatte Menschen verletzt. Aus guten Gründen, redete ich mir ein, aber manchmal, mitten in der Nacht oder in Augenblicken wie diesem, fragte ich mich, ob ich nicht einfach bloß ein Schlägertyp war, der seine Taten vor sich selbst rechtfertigte.“ (S. 62)

Im Gegensatz dazu ist Leonard ziemlich derb drauf. Es gibt einige Szenen, die ich nicht einmal von ihm erwartet hätte. Mittlerweile kenne ich ihn nach neun gemeinsamen Abenteuern schon so gut, dass ich ihm manche Überreaktion mit zwei zugedrückten Augen durchgehen lasse. 

Melancholie kommt nicht nur beim Leser, sondern auch bei den Protagonisten auf. Es gibt Rückblicke auf eine Zeit, die für das schlagkräftige Gespann einfacher schien, als es die Gegenwart ist. Autor Joe R. Lansdale hat diesen Aspekt geschickt eingebracht, weil es dem Leser verdeutlicht, wie viele herrlich amüsante sowie nachdenkliche Stunden den beiden zu verdanken sind.

Der Fall selbst geht erneut in Richtung Krimi mit texanischem Flair. Es gibt Ermittlungsarbeiten, die keine richtigen Ermittlungen sind, weil Hap und Leonard dafür kein Händchen haben. Als Ausgleich wühlen sie ordentlich im Dreck und kommen dank hartnäckigem Engagement einer schlimmen Geschichte auf den Grund. 

Am Ende bleibt eine Kultreihe, die ich in meinem Leseleben nicht missen will. Jedes Abenteuer hat auf seine Weise etliche Lacher, derbes Gebaren und kritische Anspielungen parat, und stellt zwei Freunde in den Vordergrund, die sich für eine bessere Welt einsetzen, selbst wenn sie es mit ihren Fäusten tun. 

„Wenn man harte Burschen im Lexikon nachschlägt, findet man dort Fotos von unseren Fressen.“ (S. 266)

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MEINE BEWERTUNG
Hap & Leonard:
01) Wilder Winter [Rezension lesen]
02) Mucho Mojo [Rezension lesen]
03) Bärenblues [Rezension lesen]
04) Schlechtes Chili [Rezension lesen]
05) Rumble Tumble [Rezension lesen]
06) Machos und Macheten [Rezension lesen]
07) Das Dixie-Desaster [Rezension lesen]
08) Rote Rache [Rezension lesen]
09) Krasse Killer [Rezension lesen]
10) Bissige Biester
11) Coco Butternut
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