Dienstag, 14. April 2020

Rezension: Machos und Macheten - Joe R. Lansdale

© Golkonda Verlag
Machos und Macheten
| Joe R. Lansdale |

Verlag: Golkonda Verlag 2019
Seiten: 363 
ISBN: 9783965090033

MEINE BEWERTUNG 

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Mexikanisches Massaker

Hap und Leonard machen Urlaub! Und wie es sich für Texaner gehört, steuern sie dafür Mexiko an. Gerade an der Küste angekommen, geraten sie in die Fänge einer sinnlichen Mexikanerin, die sie rettet und gleichzeitig in das nächste - bisher gefährlichste – Abenteuer stürzt.

„Machos und Macheten“ ist der sechste Band der Reihe um Hap und Leonard, die es mittlerweile ruhiger angehen. Beide haben einen Job, steuern den jeweiligen Beziehungshafen an, und auf den ersten Blick meint man, dass sie die Kurve kriegen. Doch dann zeigt Hap erhebliche Zivilcourage, was ihnen einen Urlaub in Mexiko einbringt. Und so kommt's, dass Hap und Leonard erneut gegen richtig böse Jungs antreten.

Eingangs bedient sich Joe R. Lansdale eines Vorfalls, der sich - laut Epilog - tatsächlich ereignet hat, allerdings von seiner Figur Hap erlebt wird. Hap kommt dabei in eine gefährliche Situation, wo er Zivilcourage zeigt und seinem Charakter entsprechend helfende Fäuste beweist. Dieser Vorfall ist grausam, brutal und die Folgen schnüren den Atem ab. 


Daraufhin folgt für Hap und Leonard das nächste Abenteuer, wofür es sie auf eine Kreuzfahrt nach Mexiko zieht. Der Urlaubscharakter der Kreuzfahrt bleibt Figuren und Leser gleichermaßen verborgen. So richtig durchschaue ich nicht, warum Lansdale sein Gespann auf eine Urlaubsfahrt schickt.


Es wären nicht Hap und Leonard, wenn es keine Probleme gibt. Das Gespann hat ein unrühmliches Talent in Schwierigkeiten zu geraten, was einerseits an ihrer Sturheit, ruppigen Art und in erster Linie am Schicksal liegt:


"Einer unserer verkorksten Tage wie jeder andere. Genauso gut hätten wir zu Hause in den Staaten sein können. Wir machten uns unbeliebt und nervten die Leute, egal wo." (S. 83)


Auch diesmal steht die Action im Vordergrund, doch Lansdale bekommt die Handlung nicht ordentlich in Schwung. Mexiko ist selbstverständlich für ein Zusammentreffen mit bösen Jungs prädestiniert, dennoch wirkt der Handlungsverlauf ein bisschen fahrig und grotesk zusammengewürfelt. 


Es treten eine Menge Figuren und Ereignisse auf, die Hap und Leonard den Urlaub vermasseln: Messerattacken von korrupten Polizisten, attraktive Frauen, die gefährlich sind, fleißige Arbeiter und Hilfestellung aus den Staaten - reihum betreten sie alle das Parkett, um im Endeffekt für Gerechtigkeit zu sorgen.


Dieses Figurenrepertoire fand ich übertrieben, und so gänzlich wusste ich nicht, wozu der Auflauf notwendig ist. Es ergeben sich brutale Szenen, blutige Gemetzel, beängstigende Rache und nackte Tatsachen - was dennoch den Lansdale-Charme vermissen lässt.


Joe R. Lansdale stattet sein Hau-drauf-Gespann mit schroffen Dialogen, pfiffigen Bemerkungen und einer derben Sprache aus. Unterstrichen wird der rohe Stil von humoristischem Charme, den ich diesmal stark vermisst habe. Es war insgesamt rauer als in den anderen Teilen, weniger kavaliersmäßig, sondern eher bemüht und unflätig.


Zum Ende hin klopft wieder die Midlife-Crisis bei den Protagonisten an. Hap merkt, dass er langsam Boden unter den Füßen verliert: 


„In letzter Zeit ging mir so was öfter durch den Kopf; ich spürte, dass ich sterblich war. Mir war klarer als je zuvor, dass hinter mir mehr Lebenszeit lag als vor mir, und diese Erkenntnis gefiel mir überhaupt nicht.“ (S. 207)


Mit „Machos und Macheten“ schlagen sich Hap und Leonard in Mexiko durch, wo sie auf böse Jungs und ihre Grenzen stoßen. Lansdale verlangt seinen Figuren einiges ab, nimmt ihnen hoffnungsvolle Illusionen und gibt gleichzeitig die Aussicht auf ein solides Leben. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Hap und Leonard dafür geeignet sind …

Gelesen habe ich das Abenteuer trotz Kritik gern, auch wenn Lansdale großteils seinen Charme vermissen lässt. Es hat dennoch Spaß gemacht, und ich bin gespannt, was „Das Dixie-Desaster“ für das texanische Duo bringen wird.

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MEINE BEWERTUNG
Hap & Leonard:
01) Wilder Winter [Rezension lesen]
02) Mucho Mojo [Rezension lesen]
03) Bärenblues [Rezension lesen]
04) Schlechtes Chili [Rezension lesen]
05) Rumble Tumble [Rezension lesen]
06) Machos und Macheten
07) Das Dixie-Desaster [Rezension lesen]
08) Rote Rache [Rezension lesen]
09) Krasse Killer [Rezension lesen]
10) Bissige Biester
11) Coco Butternut
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